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Ketterer, Karl & Faber, Neumeister Rekorde bei Auktionsserien in München bleiben durch Bieter mit Augenmaß aus

Bei den Auktionen von Ketterer, Karl & Faber und Neumeister zeigen sich Sammler preisbewusst. Umsatzbringer ist Kunst aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
13.12.2018 - 19:55 Uhr Kommentieren
Eine Halbe Million Euro für das Frühwerk „Royal“ von 1957 markieren eine Rekordnotierung für den Künstler (Taxe 200.000 Euro). Quelle: Ketterer VG BILD-KUNST
Konrad Klapheck

Eine Halbe Million Euro für das Frühwerk „Royal“ von 1957 markieren eine Rekordnotierung für den Künstler (Taxe 200.000 Euro).

(Foto: Ketterer VG BILD-KUNST)

München Als der Schokoladenfabrikant und Expressionismus-Sammler Bernhard Sprengel um 1960 Emil Noldes Gemälde „Herbstwolken. Friesland“ einem Familienmitglied schenkte, schickte er kurz darauf ein paar Zeilen hinterher: „Weißt du eigentlich, dass du den schönsten Nolde besitzt, den es in Deutschland gibt.“

Das Bild kam nun direkt von den Nachfahren Sprengels in die Ketterer-Auktion „Klassiker des 20. Jahrhunderts“ und verdeutlicht auf bestechende Weise die große Kunst des norddeutschen Expressionisten, Naturphänomene in überhöhte Bilder zu fassen.

Am 8. Dezember hat das Münchener Auktionshaus Ketterer das 1929 entstandene Werk für 1,7 Millionen Euro (alle Preise inkl. Aufgeld) versteigert. Eine russische Sammlerin setzte sich mit ihrem Gebot von 1,35 Millionen Euro nach nur ein paar Steigerungsschritten des bei 1,2 Millionen Euro aufgerufenen Spitzenloses gegen zwei deutsche Sammler durch. Deutlich war das Kalkül aller zu spüren, nicht über die internationalen Spitzenmarken für Nolde-Landschaften zu gehen. Die liegen bei 1,8 Millionen Euro.

Angst vor überteuertem Einkauf

In anderen Häusern erfuhren die Toplose des deutschen Expressionismus gerade viel Zurückhaltung. Wie schnell der Markt Stimmungen aufnimmt, war auch in München zu spüren. „Kunden sind dadurch verunsichert“, sagte Robert Ketterer im Gespräch mit dem Handelsblatt. Was so viel heißt, dass die Angst vor dem überteuerten Einkauf umgeht. „In diesem schwierigen Umfeld haben wir dennoch sehr gute Erlöse erzielt“, so Ketterer.

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    Knapp unter einer Million Euro kostete August Mackes heiteres, fast schwebendes Aquarell „Begrüßung“ (1913) von der Größe eines A-4-Blattes. Für 225.000 Euro wurde im Bereich der unteren Taxe Karl Hofers Gemälde „Hinduknabe“ von 1911/12 weitergereicht, einem der ersten Gemälde des Künstler in dem für ihn so typischen Stil der kantig-ruhigen Formen.

    Mit taxierten 400.000 Euro war die Hürde hoch für Ernst Ludwig Kirchners Atelier-Pastell „Selbstporträt mit Gerda“ von 1915. Den Zuschlag auf diesem Level erhielt ein norddeutscher Sammler, der mit Aufgeld 500.000 Euro bezahlte.

    Bedeutend mehr Interessenten hatte Kirchners Kabinettstück „Haus auf der Staffel“ von 1918/19 herausgefordert. Mit einer Taxe von 180.000 Euro ein durchaus animierendes Angebot. Das kleine Gemälde, das seine Muse Erna Schilling mit schwarzem Kater und vermutlich den Künstler selbst vor einer Berghütte zeigt, fasziniert durch seine leuchtend-expressive Farbigkeit.

    Die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist unser Umsatzbringer. Robert Ketterer, Auktionator

    Das Bild kommt marktfrisch aus einer süddeutschen Privatsammlung. Gegen Konkurrenz aus Deutschland und der Schweiz setzte sich ein bayerischer Interessent bei maßvollen 400.000 Euro brutto durch.

    Kirchners „Staffelalm“ und der Preis von einer halben Million Euro für Konrad Klaphecks Gemälde „Royal“ von 1957 (Taxe: 200.000 Euro) sind ein deutlicher Indikator dafür, wie sehr sich die Markt-Koordinaten verschoben haben. Das Gemälde geht nach Berlin.

    Mit viel Respekt kommentierte ein Münchner Galerist aus dem Gärtnerplatzviertel, der im Auftrag eines Kunden am Anfang mitgeboten hatte, den neuen Rekord für Klapheck Künstler. Die in einem übersteigerten Realismus dargestellte Schreibmaschine sei die Klapheck-Ikone schlechthin. „Das besondere aber ist: Es ist die zweite Schreibmaschine, die er gemalt hat. Das ist ein Bild von Bedeutung, das bleibt“, sagte er am Rande der Auktion dem Handelsblatt.

    Ketterer hatte in seiner Auktion erstmals die Unterteilung in Klassische Moderne und Kunst nach 1945 aufgehoben. Neuer Titel ist nun „Klassiker des 20. Jahrhunderts“. Eine Konsequenz aus dem im hochqualitativen Segment ausgedünnten Moderne-Markt. Aber auch ein bisschen Salvator-Mundi-Methode von Christie‘s: Was Spitzenpreise erzielen soll, muss dort platziert werden, wo es brummt.

    Das angebliche Leonardo-Gemälde wurde 2017 im Contemporary-Sale veräußert. Und es ist nicht zu übersehen, was Robert Ketterer ganz nüchtern eingesteht: „Die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist unser Umsatzbringer.“

    Von Krise ist nicht die Rede

    Ganz vorn stand wieder ein Nagel-Werk von Günther Uecker. Der rosa unterlegte „Zärtliche Garten“ von 1964 wurde in zehn Minuten von Bietern aus der Schweiz, den USA und Großbritannien von 600.000 auf über eine Million Euro gehoben. Durchgesetzt hat sich bei fast 1,5 Millionen Euro ein Sammler aus Brandenburg. Gerhard Richters Fotoarbeit „Porträt Schiewind“, die schon eine kleine erfolglose Auktionsodyssee hinter sich hat, ging für 1 Millionen Euro nach Taiwan.

    Um Georg Baselitz‘ „Mäanderlied“, bis vor einigen Jahren Besitz von Alfred Neven DuMont, rangen zwei Sammler bis zum Erlös von 662.500 Euro. Und mit einem Erlös von 206.250 Euro konnte Fritz Winters philosophisch, kristallin abstrahierte Öl-Papier-Arbeit „Treibkräfte der Erde“ von 1944 seine Taxe mehr als verdoppeln.

    Auf dem Weltmarkt bestimmen seit Jahren 30 bis 50 Künstler das hochpreisige Segment. Dort heißen sie Jean-Michel Basquiat oder Christopher Wool. Wer für den deutschen Markt diese Riege ausmacht, ist Ketterer durchaus bewusst. Neben Gerhard Richter und Tony Cragg, dessen rot lackierte Skulptur Versus 375.000 Euro einspielte, platzierte Ketterer neun Werke von Stephan Balkenhohl, zwölf Arbeiten von Imi Knoebel, 15 von Herbert Zangs und 17 Aquarelle von Emil Nolde.

    Mit Imi Knoebels fünfteiliger, minimalistischer Arbeit „Anima Mundi 41—5“ spielte er 142.000 Euro ein. Das meiste jedoch ging im soliden , mittleren sechsstelligen Bereich in neuen Hände.

    Das Gemälde gehörte zur Sammlung des Schokoladenfabrikanten Bernhard Sprengel. Quelle: Ketterer; Nolde Stiftung Seebüll
    Emil Noldes „Herbstwolken. Friesland“

    Das Gemälde gehörte zur Sammlung des Schokoladenfabrikanten Bernhard Sprengel.

    (Foto: Ketterer; Nolde Stiftung Seebüll)

    Nicht ganz die Marge von 100.000 Euro erreichte Karin Kneffels Gemälde eines auf Kacheln schreitenden Dalmatiners. Das Wort Krise gehört nicht zum Vokabular von Ketterer. Nach eingefahrenen 23,7 Millionen Euro (ohne Nachverkäufe) und bei einer Verkaufsquote von 77 Prozent der insgesamt 798 aufgerufenen Lose (inkl. 19. Jahrhundert) glaubt er fest an die Stärke des deutschen Marktes. „Wir haben eine gut aufgestellte, bedeutende Künstlerschaft in Deutschland und eine breite, interessierte Mittelschicht“, so der Auktionator.

    Von der Potenz der Mittelschicht profitierte auch das Auktionshaus Karl & Faber. Es realisierte ein paar Tage zuvor mit seinen Auktionen „Klassische Moderne“ und „Kunst nach 1945/ Zeitgenossen“ einen Bruttogesamterlös von 6,2 Millionen Euro.

    Aus einer US-amerikanischen Sammlung stammte Heinrich Campendonks poetisch-expressionistisches Gemälde „Kühe im Wald“, um das nach anfänglichen Geboten aus Russland und der Schweiz zwei deutsche Sammler rangen.

    Mit einem Erlös von 750.000 Euro wurde es das teuerste Gemälde der Auktion, gefolgt von einem Wannseegarten Max Liebermanns für 500.000 Euro und einem 15-teiligen Satz „Kühltürme“ des Fotografenpaares Bernd und Hilla Becher. Die konzeptionelle Foto-Serie ist für 300.000 Euro, auch im internationalen Maßstab ein Bestpreis, in die USA gegangen, Unterbieter war ein deutsches Privatmuseum.

    Neusachliche Malerei mit Potenzial

    Den größten Teil der Auktion bestritt das Münchner Traditionshaus im fünfstelligen Preissegment. Mit einem breit aufgestellten Angebot an Werken der neusachlichen Maler Alexander Kanoldt und Adolf Erbslöh, deren Werkverzeichnisse Karl & Faber gerade unterstützt hat, konnten gute Steigerungen bis zu 80.000 Euro erreicht werden. „Das Mittelfeld hat ein nicht zu verkennendes Potenzial“, so Karl & Faber-Chef Rupert Keim zum Handelsblatt.

    Dass die wertbezogene Quote bei ca. 70 Prozent und die losbezogenen Quote bei 61 Prozent liegen, daran hatten auch Neo Rauchs Rundbild „Plan“ mit erzielten 250.000 Euro sowie die weit über den Erwartungen liegenden Resultate der Sammlung Preuss mit streng linearen Zeichnungen von Lucio Fontana bis Fred Sandback Anteil. Allein ihr Erlös summierte sich auf 500.000 Euro.

    Hauptsächlich im preislichen Mittelfeld agierten auch die Käufer bei Neumeister während der Auktionen Klassische Moderne, Kunst nach 1945 und Contemporary. Für 51.000 Euro wechselte hier August Mackes Bleistiftzeichnung „Straßenbild in Tunis“ den Besitzer, nicht ganz 30.000 Euro mussten für Baltasar Lobos kleine Bronze „Sur le sable“ aus den 1980er-Jahren eingefordert werden.

    Umsätze und Quoten
    20./21. Jahrhundert: 24 Millionen Euro

    Wertmäßige Verkaufsquote (untere Schätzpreissumme / Zuschlagssumme)
    20./21. Jahrhundert: 99 Prozent

    Losbezogene Quote (Gesamtanzahl der Objekte - verkaufte Losnummern => Quote in Prozent
    20./21. Jahrhundert: 64 Prozent

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