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Klassische Moderne Bewegung im Markt für Egon Schiele

Sotheby's bietet eine museale Stadtlandschaft an. Der Spezialist und Kunsthändler Richard Nagy trumpft mit erotischen Zeichnungen von Egon Schiele auf und bereitet eine umfassende Schiele-Ausstellung in London vor.
  • Matthias Thibaut
14.05.2011 - 11:01 Uhr Kommentieren
Für die Mischtechnik

Für die Mischtechnik "Dark Haired Girl" aus dem Jahr 1910 erwartet Richard Nagy einen Preis um 1,5 Millionen Pfund (Ausschnitt).

(Foto: Richard Nagy)

London Schiele-Sammler sind Serientäter, jedenfalls nach der Beschreibung des Londoner Kunsthändlers Richard Nagy. "Wenn man ein Blatt hat, ist das gut, fünf sind besser, und 15 sind fantastisch. Die Summe des Ganzen ist bei Schiele mehr als die einzelnen Blätter." Wenn man eine Wand voll dieser Zeichnungen habe, ergänzten sie sich, machten es dem Betrachter leichter, die leeren Stellen auszufüllen.

Die großen Sammler von Egon Schieles Zeichnungen hatten alle Bestände, die in die Hundert gingen: der Wiener Augenarzt und Museumsgründer Rudolf Leopold, der New Yorker Gründer der "Neuen Galerie", Kosmetikerbe Ronald S. Lauder, sein Museumsmitbegründer, der New Yorker Händler und Sammler Serge Sabarsky.

Von den 25 bis 35 Schiele-Blättern, die pro Jahr auf den Auktionsmarkt kommen, "enden die meisten in Händen, die ich kenne", sagt Nagy. "Weniger als zehn Sammler" stellen laut Nagy den Sammlerkern, der diesen seit den 1970er-Jahren unverändert starken Markt bewegt. "1971 wurden für ein Schiele-Aquarell 6 000 Dollar bezahlt. So viel kostete damals auch ein Picasso."

Nun bereitet Nagy in seiner neuen Galerie in der Bond Street die umfassendste Schiele-Ausstellung in Großbritannien seit 1989 vor: 45 Papierarbeiten, das meiste Leihgaben, aber eine Hand voll steht für Preise zwischen 300.000 und fünf Millionen Pfund zum Verkauf (19.5. bis 30.6.).

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    Mit Ölgemälden ist es ganz anders. Die Krumauer Stadtlandschaft, die das Wiener Leopold-Museum im Juni bei Sotheby's versteigern lässt, dürfte nicht an einen von Nagys Schiele-Enthusiasten gehen, sondern an einen Modernesammler, "der sie neben einen Picasso oder einen Beckmann hängen wird". "Häuser mit bunter Wäsche, Vorstadt II" von 1914 hat eine Schätzung von 22 bis 30 Millionen Pfund (25 bis 34 Millionen Euro). Verkauft wird es, um den Rückkauf des 1998 in New York als NS-Beutekunst beschlagnahmten Ölgemäldes "Bildnis Wally" zu finanzieren. Leopold selbst hatte kurz vor seinem Tod die Schiele-Blätter ausgesucht, die dafür verkauft werden sollten.

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