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Kölner Auktionen Corona bremst die Lust auf Altmeister nicht

Erleichterung bei den Auktionshäusern Lempertz und Van Ham – Die Alte Kunst lässt sich trotz der Einschränkungen wegen der Pandemie gut verkaufen.
04.06.2020 - 16:05 Uhr Kommentieren
Renaissance-Pokal mit Farbfassung entstand in Nürnberg in den Jahren um 1600. Quelle: Lempertz
Andreas Roßner

Renaissance-Pokal mit Farbfassung entstand in Nürnberg in den Jahren um 1600.

(Foto: Lempertz)

München Ein Pfingstwunder erlebte die Kunstwelt vergangene Woche, noch bevor für die gläubigen Christen der Heilige Geist gen Himmel stieg. Das Auktionshaus Lempertz versteigerte am Samstag in der Saalauktion „Alte Kunst“ eine Renaissance-Zeichnung für 525.000 Euro (alle Preise inkl. Aufgeld). Geschätzt war die subtile Darstellung des Gevatters Tod in Gestalt eines anatomisch exakt abgebildeten menschlichen Skeletts lediglich auf 3.000 Euro. Rechts unter dem sich galant Verbeugenden benennt ein Schriftzug Agnolo Bronzino als Autor. Der war ein Hofkünstler der Medici und einer der bedeutendsten italienischen Maler Mitte des 16. Jahrhunderts. Lempertz traute der angeblichen Signatur nicht.

Doch was tun, wenn Bibliotheken und Kunstarchive geschlossen sind? Der Kölner Versteigerer warb mit dem Blatt aus einer deutschen Privatsammlung in Zeitschriften. Die Spezialisten reagierten und kamen zu dem Schluss, dass dieses Sinnbild der Vergänglichkeit von der Hand Alessandro Alloris, Bronzinos Neffen, stammt. Laut Preisdatenbank Artprice lag sein Spitzenpreis bei Zeichnungen bislang knapp unter 50.000 Euro.

Lempertz‘ Geschäftsführer Henrik Hanstein sieht für das starke Interesse und den sensationellen Preis zwei Gründe: „So frühe Zeichnungen sind heute kaum zu kriegen, und das Sujet passt in unsere Zeit.“ Insgesamt 15 Telefonbieter engagierten sich. Letztlich überließ ein deutscher Händler einem Pariser Zeichnungsspezialisten das rare Kunstwerk.

Die Auktionen mit Altmeistern, Kunst des 19. Jahrhunderts und Kunsthandwerk, die die beiden Kölner Versteigerer Van Ham und Lempertz letzte Woche veranstalteten, zeigten sich krisenfest. Die Pandemie hat die Kauflust auf diesem Sektor des Kunstmarktes bislang nicht gebremst.

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    „Das waren keine Auktionen für Investoren, sondern für Sammler, die besondere Stücke suchen,“ meint Hanstein. Und sie haben von Belgien, Holland und den USA aus erstaunlich gut mitgespielt. Philips Wouwermans „Reisende bei der Rast in einer Felsgrotte“ ging bei Lempertz für 187.500 Euro an einen Russen.

    Das Glanzstück der Gemäldeauktion „Fine Art“ bei Van Ham. Die stimmungsvolle Ansicht von Köln aus dem 19. Jahrhundert erwarb ein Mäzen für 161.250 Euro. Er übergab das Panorama sofort der Stadt Köln (Ausschnitt). Quelle: Van Ham Kunstauktionen
    James Webb

    Das Glanzstück der Gemäldeauktion „Fine Art“ bei Van Ham. Die stimmungsvolle Ansicht von Köln aus dem 19. Jahrhundert erwarb ein Mäzen für 161.250 Euro. Er übergab das Panorama sofort der Stadt Köln (Ausschnitt).

    (Foto: Van Ham Kunstauktionen)

    Markt-Potenzial sieht hingegen ein Händler aus London in dem Kabinettstück „Der Lesende“ von Job Adrianz Berckheyde. Und das, obwohl er für die Tafel mit 50.000 Euro schon mehr als das Zehnfache der Taxe bezahlt. Die anhaltende Begeisterung für Landschaften und Ölstudien des 19. Jahrhunderts unterstreicht der Einsatz von 75.000 Euro für eine in Öl auf Papier gearbeitete „Ansicht von Ariccia“ aus den 1820er-Jahren von einem der Deutsch-Römer.

    Toplos des Kunsthandwerk-Angebots war mit 337.500 Euro ein vergoldeter Nürnberger Traubenpokal aus der Zeit um 1600. Insgesamt setzte Lempertz in vier Auktionen nach eigenen Angaben brutto 8,3 Millionen Euro (ohne MwSt.) um.

    Mehr Erfolg mit Altmeistern

    Die Zeiten sind für den Auktionsmarkt nicht so schlecht, wie sie scheinen. „Wir haben schon vor drei Jahren unser Haus digital aufgestockt. Wir waren bereit, uns digital bestens zu präsentieren“, sagt Markus Eisenbeis, Chef des Hauses Van Ham. Dennoch war seine konzeptuelle Live-Auktion „Old Masters x Contemporary“ aus der Sammlung SØR Rusche, die bei Van Ham seit 2019 schrittweise veräußert wird, ein Experiment. Viele Gegenwartskünstler waren Außenseiter. Mehr Erfolg brachten die Alten Meister.

    Jakob Ducks Kopf „König Balthasar“ aus dem 17. Jahrhundert stieg von 15.000 auf 64.500 Euro. Rusche hatte 2019 Alte Meister bei Sotheby‘s in einer Online only-Auktion anbieten lassen. Er musste erhebliche Rückgänge hinnehmen, etwa Jacobus Mancadans „Italienische Ruinenlandschaft“. Bei Van Ham war dieses Bild nun aber international gefragt. Sein Erlös von 23.800 Euro übersteigt sogar die Schätzung von Sotheby‘s.

    Glanzstück der Gemäldeauktion „Fine Art“ war zweifellos die stimmungsvolle Ansicht von Köln aus dem 19. Jahrhundert. Ihr Maler James Webb wurde zu Lebzeiten mit William Turner verglichen. Ein Mäzen erwarb das Panorama für 161.250 Euro und übergab es sofort der Stadt Köln. Mit Fine Art verfolgt Van Ham neuerdings eine Strategie des Crossover und der höheren Qualität. Van Ham bilanziert für Gemälde und Kunsthandwerk brutto 2,3 Millionen Euro.

    Mehr: Online only: Eine neue App vereinfacht das Geschäft mit Kunstauktionen im Internet

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