Kraftwerk im Museum Urväter des Elektropop fahrn, fahrn, fahrn

Die Neue Nationalgalerie in Berlin ist leergeräumt. Vor der jahrelangen Sanierung des fast 50 Jahre alten Gebäudes gibt es als Zugabe aber noch ein ganz besonderes Kunstwerk zu sehen: Die Elektro-Pioniere Kraftwerk.
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"Kraftwerk" begeistert Fans

BerlinÜber die Leinwand sausen VW-Käfer und Mercedes-Limousinen durch eine knallgrüne deutsche Wirtschaftswunder-Landschaft. Davor stehen vier Männer gehobenen Alters in engen schwarzen Einteilern vor leuchtenden Pulten. Und aus den Lautsprechern schallt es: „Wir fahrn, fahrn, fahrn auf der Autobahn.“

Die vier Männer nennen sich „Audio- und Video-Operatoren“. Zusammen heißen sie Kraftwerk und sind die wohl einflussreichste deutsche Band der Popgeschichte. Am Dienstagabend spielten die Urväter des Elektropop und Techno das erste von acht Konzerten in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, bevor der berühmte Museumsbau in der Nähe des Potsdamer Platzes mehrere Jahre lang saniert wird.

Es ist nicht der erste Kraftwerk-Auftritt in einem Museum. Die Düsseldorfer Avantgarde-Künstler haben schon das Museum of Modern Art in New York und die Kunstsammlung NRW in ihrer Heimatstadt bespielt. Trotzdem wird die Band um das letzte verbliebene Gründungsmitglied Ralf Hütter immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt.

Wegen der strengen Berliner Lärmschutz-Bestimmungen mussten die Konzerte kurzfristig um eine Stunde auf 20 Uhr vorverlegt werden. Bedenken gab es auch wegen der Akustik im Inneren des Museumsbaus. Die Nationalgalerie ist ein Glaskasten mit schwerem Stahldach und deswegen nicht gerade für akustische Meisterleistungen geschaffen.

Aber es funktioniert: Der Sound in dem transparenten Museums-Quader geht völlig in Ordnung. Und auch sonst passen Band und Galerie bestens zusammen. Das von Mies van der Rohe – einem der bedeutendsten Architekten der Moderne – erbaute Museum wurde 1968 eröffnet.

Im selben Jahr gründete der heute 68-jährige Hütter zusammen mit Florian Schneider die Band Organisation. Daraus wurde zwei Jahre später Kraftwerk.

Acht Konzerte in der Neuen Nationalgalerie

Kraftwerk rockt im Museum
In this Jan. 6, 2015 picture, German electronic music pioneers Kraftwerk perform in Berlin. (AP Photo dpa, Jens Kalaene) EDITORIAL USE ONLY
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Acht Mal in Folge spielt die Band Kraftwerk in der Berliner Nationalgalerie. Zum Auftakt präsentierten sie ihr Album „Autobahn“ und reisten in 3D durch eine vertraute und doch unbekannte Welt.

huGO-BildID: 41011144 The piece "Roboter" of the German band Kraftwerk is performed during a concert at the Neue Nationalgalerie (New Natio
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Acht Mal werden die vier Männer der Düsseldorfer Band acht ihrer Alben und im Anschluss einen Mix aus jeweils anderen Veröffentlichungen aufführen.

huGO-BildID: 41017562 In this Jan. 6, 2015 picture, German electronic music pioneers Kraftwerk perform in Berlin. (AP Photo dpa, Jens Kalaene) EDIT
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Acht Mal zeigen sie das Bild einer Zukunft, die heute vergangen erscheint und Verheißung und Albtraum zugleich ist.

huGO-BildID: 41011108 The piece "Roboter" of the German band Kraftwerk is performed during a concert at the Neue Nationalgalerie (New Natio
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Als die Konzerte im vergangenen November angekündigt wurden, waren sie binnen Stunden ausverkauft. 1700 Karten wurden verkauft, es ist aber genug Platz für jeden, selten konnte man bei einem Konzert so bequem in vorderster Reihe stehen.

huGO-BildID: 41010038 Concert goers wear 3D glasses as they watch a performance of the German band Kraftwerk at the Neue Nationalgalerie (New Nationa
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Ihre Konzerte sind durchkomponierte Gesamtkunstwerke, in Berlin werden die Zuschauer mit 3D Brillen eine musikalisch und optisch einmalige Show erleben.

huGO-BildID: 41011176 The piece "Roboter" of the German band Kraftwerk is performed during a concert at the Neue Nationalgalerie (New Natio
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Konzerte der Düsseldorfer Elektro-Pioniere sind selten und finden nur an ausgewählten Orten statt.

Konzert von "Kraftwerk" in der Neuen Nationalgalerie
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Puppen stehen während des Konzerts auf der Bühne: „Kraftwerk“ gelten als einflussreichste deutsche Band der Popmusikgeschichte.

Obwohl die Architektur van der Rohes und die Musik Kraftwerks fast 50 Jahre alt sind, haben beide von ihrer Modernität nichts eingebüßt. Kraftwerk war seiner Zeit schon immer ein paar Schritte voraus. Das Album „Computerwelt“ prophezeite 1981, wo wir heute stehen.

Und „Radio-Aktivität“ erschien 1975 – elf Jahre vor der Katastrophe von Tschernobyl. „Stop Radioaktivität“ und „Fukushima“ flimmert jetzt über die Leinwand, wenn Kraftwerk den Titel-Song des Albums spielt.

Jeder der acht Konzert-Abende ist einem der bedeutendsten Alben der Band gewidmet – am ersten Abend war es „Autobahn“ von 1974. Zusätzlich wird eine Auswahl der bekanntesten Songs von „Das Model“ bis „Die Roboter“ geboten.

Nach dem letzten Konzert „Tour de France“ am 13. Januar wird die Neue Nationalgalerie endgültig für mehrere Jahre schließen. Kraftwerk gönnt sich dagegen keine Pause. Noch im Januar tritt die Band mit ihrer Konzertreihe in Amsterdam auf, im Februar in Kopenhagen. Ganz gemäß einem der Grundmotive ihrer Musik: Immer in Bewegung bleiben.

Dumme hören Beyoncé, Kluge Beethoven
symbol
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Dass Geschmack eigentlich gar keine Geschmackssache ist, hat der französische Soziologe Pierre Bourdieu schon 1979 herausgefunden. Er stellte in „Die feinen Unterschiede“ den Zusammenhang von Geschmack und sozialer Herkunft her. Aber sagen die Bands in unserer Playlist auch etwas über unsere Intelligenz aus? Das hat sich der amerikanische Softwareprogrammierer Virgil Griffith gefragt. Auf seiner Internetseite „musicthatmakesyoudumb“ wertet er aus, welche Songs auf den Facebook-Seiten amerikanischer Colleges am meisten Zuspruch bekommen und welche Ergebnisse die Studenten der Colleges bei ihrer Aufnahmeprüfung erreicht haben. Damit will Griffith das Wissen und den Bildungsstand der Studenten bemessen.

Musik
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Wir haben die Ergebnisse mit einem leichten Augenzwinkern zusammengefasst. Denn auch Griffith ist klar: Aus den Facebook-Favoriten-Songs der Colleges und dem Wissensstand der Studenten kann er keine sicheren Zusammenhänge ableiten, geschweige denn Kausalitäten. Ein Überblick darüber, was die Bildungselite hört, und was die Hänger.

lil wayne
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Platz 133 – Lil Wayne

Er hat allen Grund, trübe drein zu blicken: Die Songs des US-Künstlers Lil Wayne hören – folgt man Griffith Ranking – nur Studenten mit geringem Wissensstand. Er landet auf dem letzten Platz in dem Ranking, da an den Colleges mit vielen Lil Wayne-Fans die Studenten bei dem standardisierten Aufnahmetests im Schnitt nur auf 889 von 1600 möglichen Punkten kommen.

dumme hören beyonce
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Platz 129 – Beyoncé

Sie erreicht mit ihrer Energie und Stimmgewalt offenbar auch eher keine Intelligenzbestien: Die Studenten, die US-Künstlerin Beyoncé Knowles-Carter anhimmeln, erreichen bei den Aufnahmetests im Schnitt nur 932 Punkte. Der so genannte SAT-Test umfasst fast vier Stunden, in denen die angehenden Studenten Mathematikaufgaben lösen, Textverständnis zeigen und einen kritischen Essay schreiben müssen.

Justin Timberlake performs during the 13th Mawazine World Rhythms international Music Festival in Rabat
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Platz 119 - Justin Timberlake

Auch er schneidet nicht besonders gut ab: Während Justin Timberlake sich häufig als gerissener Geschäftsmann und Musiker mit Stil beweist, hören seine Musik offenbar nicht die leistungsfähigsten jungen Amerikaner. Unter den 1352 Colleges, die Griffith in seine Auswertung einbezogen hat, hören vor allem dort Studenten seine Musik, die nur 989 SAT-Punkte im Durchschnitt erreichen. Das wird Timberlake nicht weiter stören, schließlich ist er mit mehr als 50 Millionen verkauften Platten äußerst erfolgreich und wurde vom Forbes-Magazin damit geadelt, dass sie aus seinem Vorgehen sieben Empfehlungen für Erfolg ableiten.

Nickelback singer Chad Kroeger performs during Abu Dhabi F1 Grand Prix after-race concert at du Arena on Yas Island, Abu Dhabi
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Platz 112 – Nickelback

Chad Kroeger setzt mit seiner Band Nickelback auf krachenden Rocksound. Während an den Hochschulen mit den gebildetsten Studenten – dazu zählen laut der SAT-Rankings das California Institute of Technology, das Franklin Olin College in Needham, Yale, Haward und die Princeton University – auch viele Studenten Rock hören, kann die Musik von Nickelback da nicht mitspielen. Stattdessen hören vor allem an Colleges mit geringem Aufnahmeniveau viele Studierende Songs wie „Somehow“ und „How you Remind me“.

the doors
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Platz 88 – The Doors

Er war der kreative und intellektuelle Kopf der Band The Doors, die in den 60er Jahren mit ihren oft mystischen Songtexten und eingängigen Rocksound die Massen begeisterte: Jim Morrison. An der University of California dürfte die Musik der US-Band auch deshalb so viele Fans haben, weil Morrison dort vor dem Start der Band Filmwissenschaften studierte. Alles in allem spricht die Musik der Doors jedoch vor allem junge Menschen an Universitäten an, die eher mittelmäßige Aufnahmeergebnisse haben. Die Anwärter erreichen im Schnitt 1033 SAT-Punkte.

  • dpa
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