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Blick in die Paper Positions Berlin

Mehr als 15.000 Besucher verzeichnete die Ausstellung in diesem Jahr. Insgesamt 48 Galerien aus Deutschland, Österreich, Polen, den USA und Israel präsentierten Kunst auf und aus Papier.

(Foto: paper positions/©Clara Wenzel-Theiler)

Kristian Jarmuschek im Interview Warum Kunst aus Papier eine Einstiegsdroge für Sammler ist

Auf der Messe Paper Positions wird ausschließlich Kunst aus Papier angeboten. Im Interview verrät ihr Gründer, warum sein Konzept derzeit enorm gefragt ist.
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Als der Galerist Kristian Jarmuschek 2017 die Paper Positions initiierte, war das der Testlauf für eine frische, unkonventionelle Spezialmesse. Denn hier wird nur Kunst angeboten, die auf oder aus Papier entstanden ist.

Inzwischen findet sie neben Berlin und München auch in Basel statt. Zeitgleich zur Art Basel öffnet sie am 11. Juni im Ackermannshof.

Herr Jarmuschek, was hat Ihnen die Überzeugung gegeben, dass eine Spezialmesse für Kunst auf und aus Papier ein Erfolgsmodell sein könnte?
Am Anfang waren wir uns da gar nicht so sicher. Es gab das Interesse und auch eine Leidenschaft für das Medium. Bei der ersten Ausgabe der Paper Positions im Bikini Berlin mussten wir uns wegen der Räumlichkeiten auf kleine Formate beschränken.

Aber die enorme Resonanz auf die Veranstaltung hat uns sehr bestärkt und so fand die Messe 2019 bereits zum zweiten Mal im historischen Lichthof der Deutschen Telekom Hauptstadtrepräsentanz statt – ein Ort, der mit seinen Lichtverhältnissen und seiner Raumstruktur perfekt zu diesem Medium passt.

Ist Papier neben den digitalen Medien heute das neue Experimentierfeld der Kunst?
Papier scheint gerade besonders inspirierend zu sein, vielleicht weil Künstler damit spontaner, impulsiver und mutiger umgehen können. Dies beschränkt sich nicht nur auf Zeichnung und Collagen. Nehmen Sie Angela Glajcar, die aus gerissenen Papieren raumgreifende Skulpturen schafft. Oder Majla Zeneli, in deren Schaffensprozess der Zufall hineinspielt, wenn sie mit der Mezzotinto-Drucktechnik aus dem 17. Jahrhundert experimentiert.

Der Initiator und Geschäftsführer der Paper Positions ist Galerist und Messemacher. Quelle: paper positions/©Clara Wenzel-Theiler
Kristian Jarmuschek (r.) mit Austellungsdirektor Heinrich Carstens

Der Initiator und Geschäftsführer der Paper Positions ist Galerist und Messemacher.

(Foto: paper positions/©Clara Wenzel-Theiler)

Wie groß das Spektrum Papier ist, zeigen in Basel unter anderem auch Arbeiten des Pop-Art-Künstlers Werner Berges von der Davis Klemm Gallery oder die strengen Abstraktionen eines Walter Dexel vom Kunstkontor Basel. In unserer Basler Location im Ackermannshof befand sich jahrelang das Atelier von Dieter Roth. Daher werden wir natürlich auch Arbeiten von ihm dort präsentieren.

Will die Paper Positions mit einem Angebot relativ erschwinglicher Kunst den mittleren Kunstmarkt stärken?
Es muss Möglichkeiten geben, auch ohne sechsstelliges Budget als Sammler einzusteigen. Arbeiten auf Papier können dafür eine Art Einstiegsdroge sein. Ich sehe die Paper Positions als eine Horizonterweiterung für die Besucher, sich nicht nur mit den internationalen Top-Künstlern zu befassen. Die Frage heißt: Fasziniert ein Werk oder nicht. Das führt bestenfalls auch von der Unart weg, sich schon beim Kauf über die Renditeerwartungen Gedanken zu machen.

Berlin, München, Basel als Veranstaltungsort: Ist die Paper Positions bereits eine Marke auf dem Parkett der Kunstmessen?
Uns interessierte eher, dass wir mit unserem Konzept etwas bewegen. Wir haben uns bewusst entschieden, nicht nur Galerien mit den allerteuersten Künstlern anzusprechen. Wir wollen Galerien, die prägnante, aktuelle Positionen vertreten oder auch etwas in Vergessenheit geratene Werke oder Serien vorheriger Generationen aus der Schublade ziehen, die jetzt wieder spannend erscheinen.

Angela Glajcars raumgreifende Skulptur „Terforation“ von 2016 (138 x 98 x 200 cm) war im vergangenen Jahr ein Besuchermagnet. Quelle: courtesy Angela Glajcar/©Clara Wenzel-Theiler
Papier ist das neue Experimentierfeld

Angela Glajcars raumgreifende Skulptur „Terforation“ von 2016 (138 x 98 x 200 cm) war im vergangenen Jahr ein Besuchermagnet.

(Foto: courtesy Angela Glajcar/©Clara Wenzel-Theiler)

Schwimmen Sie mit diesem Ansatz nicht gegen den kommerziellen Messestrom?
Höchstens in dem Sinne, dass wir Freiräume schaffen. Eine Kunstmesse muss sich für die teilnehmenden Galerien auch wirtschaftlich lohnen. Wir wollen, dass unsere Aussteller mutig und experimentierfreudig sind. Es kann doch nicht sein, dass auf jeder Messe die immer gleichen Künstler gezeigt werden. Die salonartige Atmosphäre und die unkomplizierte Präsentation ohne Kojen hält auch die Kosten im Rahmen.

Die Art Basel will gegen das Problem des immer gleichen Kreises von High Price-Künstlern durch veränderte Standpreise angehen. Könnten die Basler von Ihnen lernen?
Nein, so überheblich sind wir nicht. Wir haben uns schon vor der ersten Paper Positions Basel mit der Geschäftsführung der Art Basel getroffen. Es ist schließlich ihr Standort. Aber sie fanden es gut, dass unser Format in Basel dazu kommt, weil wir ein anderes Galerie- und Künstlerspektrum mitbringen und auch den Nachwuchs im Blick haben und fördern wollen.

Keine Kojen, offene Atmosphäre – dieses Prinzip bestimmt die Messearchitektur in der Hauptrepräsentanz der Deutschen Telekom, dem ehemaligen, Ende des 19. Jahrhundert erbauten „Kaiserlichen Haupttelegraphenamt“. Quelle: paper positions/©Clara Wenzel-Theiler
Blick in die diesjährige Paper Positions Berlin

Keine Kojen, offene Atmosphäre – dieses Prinzip bestimmt die Messearchitektur in der Hauptrepräsentanz der Deutschen Telekom, dem ehemaligen, Ende des 19. Jahrhundert erbauten „Kaiserlichen Haupttelegraphenamt“.

(Foto: paper positions/©Clara Wenzel-Theiler)

Es gibt derzeit eine Diskussion über das zukünftige Format Galerie. Das Modell „Jeden Monat eine Ausstellung mit den hauseigenen Künstlern“ ist überholt. Ist eine Spezialmesse die Alternative?
Noch vor 15 Jahren mussten sich Kunstinteressierte in eine Galerie bewegen, um die aktuellen Arbeiten eines Künstlers zu sehen. Dieses statische Modell hat sich verändert. Es gibt den digitalen Weg, um Kunst anzuschauen und sich zu informieren. Die Frage ist, ob eine Galerie heutzutage ein Raum sein muss.

Zahlreiche Pop-up-Formate gibt es ja bereits. Die Paper Positions ist zumindest ein Versuch, eine konzentrierte, kritisch ausgewählte Schau anzubieten, die man persönlich gesehen haben muss. Wir verstehen die Paper Positions auch als experimentelle Plattform. Dabei muss es nicht immer beim Konzept „Messe“ bleiben. Vielleicht entwickeln sich ja auch viel formbarere Modelle, die in Peking genauso realisierbar sind wie in Europa.

Mehr: Ein Galerienrundgang der besonderen Art: Lesen Sie hier, welche neun jungen Künstler gerade den Kunstmarkt verändern.

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