Künstliche Intelligenz: Kunst zum Chillen – „Datenskulpturen“ auf dem Prüfstand
Der 16 Minuten lange Loop „Maschinen Halluzinationen Satelliten-Simulationen: B, 2021“ präsentiert sich auf einer LED-Wand.
Foto: Anne Orthen; Collection TelekomDüsseldorf. Auf der mehr als acht Meter hohen Bildwand suppt und wogt es, organische Strukturen wölben sich und zerfließen, körnige Gebilde formieren sich wie grober Sand im Gezeitenstrom, fluoreszierende Farben quellen hervor wie aus Farbtuben gequetscht und wechseln ab mit erdigen und pastelligen Tönen. Diese unermüdlichen, abstrakten Bewegungen geschehen durchweg in Zeitlupe. Der Eindruck von Entschleunigung und psychedelischem Abdriften wird noch verstärkt durch elektronische Klänge, die den Farb-Konvulsionen auf der Bildwand entsprechend an- und abschwellen.
Sechzehn Minuten dauert der Loop von Refik Anadol, der als Pionier der KI-Kunst gilt. Es ist das Hauptwerk seiner nur aus drei Arbeiten bestehenden Schau „Machine Hallucinations“ im Düsseldorfer Kunstpalast. Der Künstler, der in Istanbul geboren und in Los Angeles lebt, ist derzeit allgegenwärtig und hat keinerlei Berührungsängste.
Neulich dekorierte der Künstler das Weltwirtschaftsforum in Davos mit einem Datenkunstwerk. Bei der Grammy Verleihung in Los Angeles war er präsent, im New Yorker MoMA hatte er eine Einzelausstellung, ebenso in der Münchner Pinakothek der Moderne und bei seinem Galeristen Johann König in Berlin.