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Kultur-Veranstaltung Mit Nestlé steigt ein wichtiger Sponsor der Salzburger Festspiele aus

Im kommenden Jahr feiert das Kultur-Event Österreichs 100-jähriges Jubiläum. Doch kurz davor sucht die Festival-Chefin dringend Sponsoren.
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2020 feiern die Salzburger Festspiele 100-jähriges Jubiläum. Quelle: AFP/Getty Images
Oper „Oedipe“

2020 feiern die Salzburger Festspiele 100-jähriges Jubiläum.

(Foto: AFP/Getty Images)

Salzburg Noch laufen die Salzburger Festspiele auf Hochtouren. Doch in ihren Gedanken ist Helga Rabl-Stadler längst im kommenden Jahr. 2020 feiert das Opern-, Musik- und Theaterfestival seinen 100. Geburtstag. Das Jubiläum ist gleichzeitig auch ihr Abschied als Festspiel-Präsidentin nach einem Vierteljahrhundert.

Doch bis dahin will die gebürtige Salzburgerin die wirtschaftlichen Weichen stellen. „Mein Ziel ist es, die Festspiele finanziell über meine Amtszeit hinaus zukunftssicher zu machen“, sagt die 71-Jährige. Das ist in Zeiten unsicherer Konjunkturentwicklung nicht einfach.

Denn um das Gesamtbudget von knapp 62 Millionen Euro auf die Beine zu stellen, brauchen die Festspiele finanzstarke Sponsoren. Im nächsten Jahr wird der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé, bis vergangenes Jahr noch Hauptsponsor des Kulturfestivals, komplett aussteigen. 23 Jahre förderte Nestlé die Festspiele.

Doch schon für das laufende Jahr hat das Unternehmen seine Zuwendungen reduziert. Nestlé unterstützt nur noch den Nachwuchswettbewerb „Salzburg Young Conductors Award“ mit einem Preis von 15 000 Euro und die Produktion der Verdi-Oper „Simon Boccanegra“.

Der teilweise Rückzug ist für jeden Besucher schon in diesem Sommer augenscheinlich. Die traditionelle Nestlé-Verköstigungsstation vor dem Festspielhaus fehlt diesmal. Die Schweizer wurden von der Salzburger Brauerei Stiegl ersetzt. „Jeder CEO initiiert selbstverständlich gerne eigene neue Projekte. Immerhin haben die Festspiele die Unterstützung von vier Nestlé-Vorständen gefunden. Es ist dennoch schade, dass Nestlé im nächsten Jahr zum letzten Mal Festspielsponsor sein wird“, sagt Rabl-Stadler. „Nestlé als Global Player passt ideal zu den Salzburger Festspielen als weltweite Kulturmarke.“

Das sieht man in der Konzernzentrale in Lausanne anders. Dort wird das Kultursponsoring stark zurückgefahren. So hat es das Klassik-Festival im schweizerischen Verbier getroffen, wo die Marke Nespresso sponsor war. Auch beim Lucerne Festival reduzierte der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller sein finanzielles Engagement.

Der seit 2017 amtierende Nestlé-Chef Mark Schneider setzt offenbar auf jüngere und breitere Zielgruppen. „Wir haben immer wieder thematisiert, dass wir kontinuierlich unser Sponsoring Engagement überprüfen, egal ob es sich um Aktivitäten in kulturellen, sportlichen oder sozialen Bereichen handelt. Wir legen Wert auf lange Partnerschaften, dennoch kommt es immer wieder zu anderen Prioritätensetzungen“, sagte ein Nestlé-Sprecher. Zu einen weiteren Zusammenarbeit wollte sich der Konzern nicht konkret äußern.

Gespräche laufen

Mit der Stiftung des in der Schweiz lebenden Milliardärs Klaus-Michael Kühne wurde in diesem Jahr ein Ersatz für Nestlé gefunden. Doch das wird auf Dauer nicht ausreichen. Präsidentin Rabl-Stadler ist daher intensiv auf Sponsorensuche. „Ich bin im Gespräch mit weiteren Sponsoren über Verträge, die über meine Zeit hinausgehen. Da bin ich sehr gut unterwegs“, sagt die Festival-Chefin.

Namen will Rabl-Stadler noch nicht verraten. Als Kulturmanagerin weiß sie: „Sponsoring ist ein Geschäft. Das ist kein Mäzenatentum.“

Auch andere Festivals wie die Bregenzer Festspiele tun sich schwer bei der Suche. „Sponsoren zu finden ist ein hartes Geschäft“, sagte Intendantin Elisabeth Sobotka. „Viele Unternehmen sind großartige Kunden beim Kartenverkauf, aber keine Sponsoren“, sagt die Chefin der berühmten Freiluftbühne am Bodensee. 

Derzeit haben die Bregenzer Festspiele die Hauptsponsoren BMW, Casinos Austria, Hypo Vorarlberg und das Energieunternehmen Illwerke. Darüber hinaus gibt es Unterstützer für einzelne Produktionen.

Die Salzburger Festspiele liefern unterdessen künstlerisch dank des Intendanten Markus Hinterhäuser Weltklasse. In diesem Sommer machen „Médée“ unter der Regie von Simon Stone, die selten gespielte Mozart-Oper „Idomeneo“, inszeniert von Peters Sellers, oder das Händel-Werk „Alcina“ mit der umjubelten Cecilia Bartoli international Furore.

Der Erfolg auf der Bühne ist wichtig für die Geldgeber. „Sponsoring muss sich für das Unternehmen auszahlen“, sagt Rabl-Stadler. „Doch Sponsoring funktioniert am besten, wenn der Unternehmenslenker mit kulturellem Interesse und Engagement ausgestattet ist.“ Als positives Beispiel nennt sie Siemens-Chef Joe Kaeser. Der Dax-Konzern, seit 1999 in Salzburg als Hauptsponsor mit von der Partie, hat seinen Vertrag wie der Schweizer Luxusuhrenhersteller Rolex bis 2021 verlängert.

Spekulationen um den Hauptsponsor, die vom Abgasskandal gebeutelte Volkswagen-Tochter Audi, erteilt Rabl-Stadler aber eine Absage. „Es gibt nicht die geringsten Anzeichen, dass sich die VW-Tochter von den Festspielen trennen will“, sagt sie. Der Autobauer ist seit 1995 einer der wichtigsten Sponsoren. Früher war der ehemalige Audi-Chef Rupert Stadler Stammgast und parlierte in den Pausen mit VW-Großaktionär Wolfgang Porsche.

Salzburg braucht dringend mehr Geld, denn das weltberühmte Festspielhaus ist in die Jahre gekommen, die Technik veraltet und die Baumängel für jedermann sichtbar. Im Großen Festspielhaus gab es seit 1960 keine größere Renovierung. Um die Opern- und Konzertbühne samt Werkstätten auf den neuesten Stand zu bringen, wird in Branchenkreisen von einem dreistelligen Millionenbetrag gesprochen.

„Ich nehme keine Summe in den Mund. Doch die Renovierung wird eine finanzielle und organisatorische Mammutaufgabe, die meine Nachfolgerin oder Nachfolger noch ein Jahrzehnt beschäftigen wird“, erklärt Rabl-Stadler. „Die besten Festspiele der Welt brauchen auch beste Bedingungen im eigenen Haus.“

Das Festival leidet seit Jahren unter großer Raumnot. Allein an Werkstätten fehlen nach Angaben der Festspielleitung 14.000 Quadratmeter.

Ihre wirtschaftliche Zielmarke haben die Salzburger Festspiele erreicht. Bereits im Januar waren 85 Prozent der Karten verkauft. „In diesem Jahr erwarte ich eine Auslastung von 93 Prozent“, sagt Rabl-Stadler. Die Festspiele müssen sich zu 74 Prozent selbst finanzieren.

Hinter den Kulissen wird schon fleißig über eine Nachfolgerin spekuliert. Rabl-Stadler beteiligt sich nicht an der Diskussion öffentlich. Sie sagt nur: „Es muss schon eine Persönlichkeit aus Salzburg sein oder jemand, der entschlossen ist, in Salzburg dauerhaft zu leben. Wir brauchen die Akzeptanz der Region.“

Mehr: Die Bregenzer Festspiele inszenieren die Verdi-Oper als filmreifes Event. Die Suche nach Sponsoren bleibt trotz des Publikumserfolgs aber schwierig.

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