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Kulturgutschutz Gemälde von Lucas Cranach endet als Datenleiche

Die Gemälde von Lucas Cranach verkauften sich dieses Jahr nur mäßig. Ein Werk legt Versäumnisse bei der Pflege des Verzeichnisses geschützter Kulturgüter offen.
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Die „Vermählung der Heiligen Katharina“ war als nationales Kulturgut gelistet. Quelle: Sotheby's
Lucas Cranach d. Ä.

Die „Vermählung der Heiligen Katharina“ war als nationales Kulturgut gelistet.

(Foto: Sotheby's)

Wien Für die Werke von Lucas Cranach dem Älteren (1472 – 1553) war es ein durchwachsenes Geschäftsjahr. Zumindest laut den von „Artprice“ in den vergangenen zwölf Monaten aufgezeichneten Daten und den Kriterien des Kunstmarkts.

Seit Januar gelangten in London, New York oder Wien insgesamt zehn Gemälde zur Versteigerung. Den höchsten Zuschlag des Jahres notierte Christie’s (New York) mit umgerechnet 6,3 Millionen Euro für das Porträt des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. Der Kunstpreisdatenbank zufolge wären zwei Werke unverkauft geblieben.

Das stimmt nur bedingt, denn ein mit 350.000 Euro (Hammerpreis) für die Darstellung einer „Madonna mit Kind und Johannesknabe“ ausgewiesener Verkauf kam gar nicht zustande. Das Auktionshaus „im Kinsky“ (Wien) hatte dafür nur einen Zuschlag unter Vorbehalt erteilt; die Nachverhandlungen mit dem Einlieferer scheiterten.

Das Gemälde blieb unverkauft, ein Schicksal, das vergangene Woche auch eine von Sotheby’s beim Evening Sale in London am 5. Dezember 2018 offerierte „Vermählung der Heiligen Katharina“ ereilte. Der Schätzwert des 40,7 mal 26,5 Zentimeter großen, auf Lindenholz gemalten Bildes aus einer „europäischen Privatsammlung“ belief sich auf rund 450.000 bis 670.000 Euro.

Bei seinem Auftritt als Kommissionsware beim Kunsthandel Senger (Bamberg) im Rahmen der letzten Tefaf-Messe in Maastricht soll der veranschlagte Kaufpreis höher gewesen sein. Im Gegensatz zu Sotheby’s, wo das Werk als eines von Lucas Cranach d. Ä. angepriesen wurde, verwies Senger korrekterweise auf eine Werkstattbeteiligung.

Bei seinem Auktionsdebüt in Wien im Jahre 1907 wechselte es noch als „Anbetung des Jesuskindes“ eines „Deutschen Meisters des XV. Jahrhunderts“ den Besitzer. 100 Jahre später adelten es die Experten Ingo Sandner, Gunnar Heydenreich und Dieter Koepplin zu einem Werkstattbild, dessen Unterzeichnung von Lucas Cranach stamme.

1907 galt es noch als Werk „eines Deutschen Meisters des XV. Jahrhunderts“, 100 Jahre später als Cranach d. Ä. Quelle: Archiv
Heiligenbild

1907 galt es noch als Werk „eines Deutschen Meisters des XV. Jahrhunderts“, 100 Jahre später als Cranach d. Ä.

(Foto: Archiv)

Als Provenienz führte Senger „Privatsammlung, Deutschland“ an, Sotheby’s vermerkte als chronologisch aktuellsten Eintrag einen Verkauf aus amerikanischem Privatbesitz 1995 und einen späteren Erbgang. Tatsächlich kommt das Bild aus Deutschland und befindet sich – Überraschung – sogar auf der Liste „geschützter Kulturgüter“ des Bundeslandes Schleswig-Holstein, wie ein Blick in die Online-Datenbank belegt. Unter der Nummer 15114 ist dort unter „Eintragung endgültig“ zwar ein „Nein“ vermerkt, der daraus ableitbare „vorübergehende“ Status jedoch aufrechterhalten.

Ein Eintrag, der den Behörden spätestens bei der Bearbeitung des Ausfuhransuchens hätte auffallen müssen. Vorweg: Eine Ausfuhrbewilligung liegt vor, darum habe sich das Hamburger Büro von Sotheby’s gekümmert, wie die Eigentümerin dem Handelsblatt in einem Telefonat erzählt.

Theoretisch buhlte also vergangene Woche in London deutsches Kulturgut um die Gunst der Käufer. Praktisch lief es anders, wie Recherchen zeigen, die in diesem Fall Versäumnisse bei der Pflege von Datensätzen belegen.

Wie kam es überhaupt zu dem Eintrag im Jahr 2005? Auf Antrag der Beauftragten für Kultur und Medien und „von Seiten der Landesregierung“, heißt es auf Anfrage. Konkret: „weil zu befürchten war“, dass die damalige „Eigentümerin des Bildes es ins Ausland verkaufen wollte“.

Nach weiteren Recherchen sei das Gemälde „auf Beschluss des damaligen Sachverständigenausschusses für Kulturgut des Landes Schleswig-Holstein“ jedoch freigegeben worden. Über diesen Widerruf seien sowohl die Beauftragte für Kultur und Medien als auch die Eigentümerin informiert worden. Letzteres ist korrekt, wie ein dem Handelsblatt vorliegendes Schreiben vom 25. November 2005 dokumentiert.

13 Jahre sind seither vergangen, der Eintrag wurde jedoch nie gelöscht. Warum?

Die Datenbank würde nicht in Schleswig-Holstein administriert, „sondern bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)“. Eine Anfrage dort lieferte ein erwartbares Ergebnis: Die Datensatzpflege obliege allein den zuständigen Kulturministerien der Länder, die die „Eintragungen, Ortswechsel und Löschungen“ zu verantworten haben. Die seit 2010 online verfügbare „Datenbank geschützter Kulturgüter“ sei lediglich „eine Plattform zur Veröffentlichung ihrer Verzeichnisse“. Eine Berichtigung sei in die Wege geleitet worden.

Wie viele vergleichbare Datenleichen landesweit noch existieren, ist unbekannt.

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