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Kulturpolitik Das nationale Fotozentrum entsteht in Düsseldorf

Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen wollen einen Neubau mit bis zu 80 Millionen Euro finanzieren. Es fehlt noch ein detailliertes Konzept und die Anschlussfinanzierung.
Update: 25.11.2019 - 10:48 Uhr Kommentieren
Am Rande dieses Geländes könnte das ins Auge gefasste neue Fotoinstitut entstehen. Quelle: Kunstpalast
Ehrenhof in Düsseldorf

Am Rande dieses Geländes könnte das ins Auge gefasste neue Fotoinstitut entstehen.

(Foto: Kunstpalast)

Düsseldorf Monika Grütters wollte nicht warten. Kurator Thomas Weski war mit seiner Machbarkeitsstudie für ein nationales Fotozentrum noch gar nicht fertig. Da hatte die Kulturstaatsministerin zur Überraschung aller Beteiligten bereits Fakten geschaffen. Bis zu 41,5 Millionen Euro will der Bund für die Errichtung eines nationalen Instituts für Fotografie beisteuern. Und zwar am Standort Düsseldorf. Der Kulturmanager Hagen Lippe-Weißenfeld und der Architekt Jan Hinnerk Meyer hatten die von Andreas Gursky schon vor langer Zeit angeregte Idee 2017 aufgegriffen – mit konkreten Plänen für einen Neubau im Ehrenhof und einem ersten inhaltlichen Konzept aus der Feder Weskis.

„Dass der Haushaltsausschuss des Bundestages eine so hohe Summe bereitstellt, ohne dass vorher ein detailliertes Konzept vorliegt, ist ja durchaus ungewöhnlich, aber natürlich sehr positiv und spricht für die Qualität des Vorhabens“, freut sich Lippe-Weißenfeld. Er ist der Strippenzieher im Hintergrund. Derjenige, der Weski vor wenigen Monaten mit NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen zusammenbrachte.

Lange Diskussionen umgangen

Mit Erfolg. „Die Landesregierung und Landeshauptstadt werden ihrerseits die Ko-Finanzierung des Instituts gewährleisten, das einen zentralen Beitrag zur Bewahrung und Vermittlung des nationalen fotografischen Kulturerbes leisten wird“, ließ das nordrhein-westfälische Ministerium für Kultur und Wissenschaft am vergangenen Freitag verlauten. Und die Stadt will das Grundstück am Ehrenhof einbringen.

Von einer „Sternstunde für die Kunst und Kultur in Nordrhein-Westfalen“ sprechen Lippe-Weißenfeld und Meyer, die beiden Gründer der Projektschmiede. Ihnen gelang, was zuvor möglicherweise auch in zu langen Diskussionen zerredet wurde: vor 19 Jahren Manfred Heitings Vorhaben eines „Deutschen Centrums für Photographie“. Ein Projekt, das nicht zuletzt mit dem Widerstand jener Berliner Institutionen zu kämpfen hatte, deren Fotobestände Heiting für sein Zentrum zerpflücken wollte. Zuletzt versandete F. C. Gundlachs Aufruf zur Gründung einer „Deutschen Stiftung Photographie“ von 2006, bevor 2012 daraus das „Archiv der Fotografen“ in der Deutschen Fotothek, Dresden hervorging, eine stark vom Gedanken der Vernetzung geprägte Einrichtung.

Kulturmanager Hagen Lippe-Weißenfeld (l.) und Architekt Jan Hinnerk Meyer Quelle: René Ruelke
Die Strippenzieher

Kulturmanager Hagen Lippe-Weißenfeld (l.) und Architekt Jan Hinnerk Meyer

(Foto: René Ruelke)

Die Empfehlungen, die Weski mit seinem Beraterstab zurzeit erarbeitet, sollen nun nach dem Willen von Grütters im Frühjahr vorliegen. Vorher kann über Einzelheiten trefflich spekuliert werden. Im Februar 2018 skizzierte der Kurator noch eine Serviceeinrichtung, die nicht mit den vorhandenen musealen Einrichtungen konkurriert, sondern sie mit ihrer Expertise ergänzt, mit ihnen zusammenarbeitet und Synergien erzeugt. Die komplett online zugängliche Sammlung würde – anders als eine museale Sammlung – zwar auch aus Werken bestehen. Den Schwerpunkt würden jedoch Vor- und Nachlässe mit Negativen, Kontaktabzügen, digitalen Bilddaten, Arbeitsabzügen und den schriftlichen Dokumenten bilden.

Lippe-Weißenfeld spricht von einer Institution auf „höchstem Niveau“, die sie in Düsseldorf anpeilen. Vergleichbar nur mit dem vom Getty Trust finanzierten Getty Research Institute in Los Angeles. Das ist ehrgeizig, zumal noch gar nicht geklärt ist, wie und mit welchen Mitteln das Vorhaben betrieben werden soll. Am wahrscheinlichsten ist eine Stiftung als Träger, an die dann bereits vorhandene Stiftungen wie die von Andreas Gursky oder Candida Höfer andocken könnte, erläutert der Kulturmanager. Mit den jetzt in Aussicht gestellten 80 Millionen Euro würde zunächst einmal nur gebaut.

Keine Kleckerbeträge

Lippe-Weißenfeld kalkuliert mit einer Personaldecke von 50 bis 70 Angestellten und einem Etat von 13 bis 15 Millionen Euro jährlich. Das hat fast schon die Dimensionen der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, deren kaufmännischer Direktor er einst war. „Wenn Sie weniger Geld in die Hand nehmen, dann wird es nichts“, meint er.

Messen lassen wird sich Weski an dem von ihm selbst formulierten Gedanken, eine Neugründung dürfe nicht dazu führen, dass den Museen ihre Etats gekürzt werden, um das Institut zu finanzieren. Das ist die größte Angst, nicht nur der nordrhein-westfälischen Sammlungen, die kurz vor der Entscheidung für Düsseldorf noch im Kulturministerium mit eigenen Konzepten vorstellig geworden waren. Sie können nicht verstehen, dass mit viel Geld ein neues Haus aufgebaut werden soll, während andere bereits wegweisende Strukturen aufgebaut haben, aber stets Klimmzüge machen müssen, um zu überleben.

Know-how in der Region

Allein die Fotosammlung des Ruhr Museums, das die Stadt Essen, das Land NRW und der Landschaftsverband Rheinland betreiben, zählt hierzulande mit über 4 Millionen Negativen und Dias sowie zehntausende von Abzügen zu den bedeutendsten Archiven. Diplomatisch bringt es Gabriele Conrath-Scholl, stellvertretend für die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln, und das unter dem Dach der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) angesiedelte „Netzwerk Fotoarchive“ auf den Punkt: Sie verweist auf „ein hohes Potential an photographischem Know-how“ in dieser Region, hofft darauf, dass das neue Zentrum die Interessen der vorhandenen Institutionen nicht nur berücksichtigt, sondern sie auch optimal betreut. Und selbstverständlich möchte man „sich in den Diskurs zur inhaltlichen Ausrichtung der neuen Institution aktiv“ einbringen.

Gora Jain, Vorsitzende des Bundesverbandes Künstlernachlässe (BKN), hält nichts von einem Zentrum. Sie plädierte auf Nachfragen des Handelsblatts dafür, regional an sinnvollen Stellen zu vernetzen. „Der Bund sollte Gelder für Nachlassverwaltende Institutionen zur Verfügung stellen“. Das sicherzustellen, wäre dann die Aufgabe für ein derartiges Zentrum.

Mehr: Fotozentrum: Lesen Sie hier, wie Deutschland sein fotografisches Erbe entdeckte

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