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Kunst in Asien Auf Chinas Kunstmarkt gibt es viel Kapital – aber wenig Vertrauen

Chinas Kunstmarkt bewegt sich zwischen Höhenflug und Absturz. Geld gibt es reichlich. Doch schlechte Zahlungsmoral und Fälschungen belasten die Szene.
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Kunstmarkt in China: News zur Kunstszene in Hongkong und Peking  Quelle: ANTHONY WALLACE/AFP/Getty Images
Zao Wou-Ki „Juin-Octobre 1985“

Die zehn Meter lange Abstraktion kam auf 65 Millionen US-Dollar.

(Foto: ANTHONY WALLACE/AFP/Getty Images)

BerlinDer chinesische Kunstmarkt ist ein Markt mit großem Potenzial und vielen Kontrasten. Im Vergleich zum Westen ist er ein relativ junges Phänomen. Das gilt nicht nur für die chinesischen Auktionshäuser, von denen es laut der Kunstpreisdatenbank Artprice auf dem Festland 525 gibt, sondern vor allem für die zeitgenössische Kunst, die sich erst seit der Ära Deng Xiaoping (1979 bis 1997) vom sozialistischen Realismus frei machen konnte.

Die Weltgeltung, die chinesische Künstler heute haben, ist allerdings nicht allein Produkt ihrer kontinuierlichen Vermarktung im eigenen Land. Seit fast zwei Jahrzehnten haben westliche Sammlerpioniere die chinesische Kunstszene gründlich aufgemischt: etwa der Schweizer Unternehmer Uli Sigg, der belgische Baron Guy Ullens, das Pariser Ehepaar Sylvain und Dominique Lévy oder die Australierin Judith Neilson, die in Sidney ein Museum für chinesische Gegenwartskunst eröffnet hat.

Noch immer ist die Vorstellung weitverbreitet, dass die chinesischen Sammler selbst vorwiegend dem eigenen historischen Erbe verpflichtet sind. Das stimmt insofern, als seit etwa zwei Jahrzehnten chinesische Sammler die amerikanischen und europäischen Märkte nach Möbeln, Porzellan, Kultbronzen und Malerei aus ihrem Heimatland abgrasen.

Seit etwa zehn Jahren ist auch die westliche Kunst im Fokus superreicher chinesischer Käufer. Deren Interesse konzentriert sich auf investitionssichere Namen wie Vincent van Gogh, Claude Monet, Pablo Picasso, Andy Warhol oder Amedeo Modigliani. Für ein Aktbild des Letzteren bezahlte der Milliardär Liu Yiqian 2015 bei Christie’s 170,4 Millionen Dollar.

Junge sammeln, was sie bewegt

Die junge Generation chinesischer Sammler hat andere Visionen. Es sind die sogenannten „fuerdai“, Söhne und Töchter der Reichen, die im Westen gelernt und studiert haben und hier zu Weltbürgern geworden sind. Einer von ihnen ist der 24-jährige Pekinger Michael Xufu Huang, der mit 16 Jahren als Schüler in London zu sammeln begann und Mitgründer des Pekinger Museums „M Woods“ ist. Es besitzt Hunderte Werke von Corot bis Ai Weiwei.

Die Jüngeren unter den Sammlern sind nicht so stark wie ihre älteren Zeitgenossen auf große Namen fixiert. Sie besuchen weltweit Biennalen, Museen und Messen und lassen sich ein auf „Kunst, die ihre Zeit repräsentiert oder einfach nur bewegend ist. Ich werde motiviert, diese Werke zu sammeln, egal aus welchem Land der Künstler kommt.“ Dieses Statement gab der Hongkonger Jungsammler Adrian Cheng jüngst dem Sender CNN und drückte damit aus, was viele Sammler seiner Generation denken.

Seit drei Jahren herrscht die Tendenz, dass ein Großteil der in China gehandelten Kunstwerke durch Auktionshäuser vermittelt wird. Aktuell sind es rund 70 Prozent. China Guardian, das ältere der beiden größten einheimischen Auktionshäuser, wurde vor 25 Jahren in Peking gegründet. Sein Jahresumsatz lag 2017 bei 6,3 Milliarden Yuan, das sind rund 850 Millionen US-Dollar.

Das staatliche Unternehmen Poly Auction debütierte 2005 in Peking und expandierte im März 2012 nach Hongkong, wo es seine größten Erfolge feiert. Hier setzte es im selben Jahr 6,8 Milliarden Hongkong-Dollar um (eine knappe Milliarde Dollar). Beide Häuser haben in ihrem Kernprogramm die klassisch chinesischen Antiquitäten, Kalligrafie und Landschaftsmalerei, aber auch Juwelen und zeitgenössische Kunst.

Seit 1973 hält Sotheby’s Auktionen in Hongkong ab, die immer mehr Sammler anziehen. 2018 war das beste Jahr in der asiatischen Präsenz des Hauses, mit einem Gesamtumsatz von umgerechnet 985 Millionen US-Dollar, von denen 390 Millionen auf moderne und zeitgenössische Kunst entfallen. 27 Prozent der Bieter waren Erstkäufer, 23 Prozent der Käufer jünger als 40 Jahre. Schon das zeigt, welches Potenzial der chinesische Kunstmarkt hat, zu dem auch eine wachsende Internetgemeinde zählt.

Im September 2018 erzielte das mit zehn mal 2,8 Metern größte Gemälde des frankochinesischen Abstrakten Zao Wou-Ki den Sensationspreis von umgerechnet 65 Millionen US-Dollar. Der taiwanesische Fabrikant Chang Qui Dun, der es 2005 für 2,3 Millionen Dollar erworben hatte, war der Einlieferer. Sotheby’s Netzwerk begünstigt solche hohen Auktionsergebnisse. Seit 2012 gibt es eine Partnerschaft mit der Ge Hua Art Company in Peking. 2016 übernahm der chinesische Konkurrent Cheng Dongsheng, Chef von China Guardian, 13,5 Prozent der Sotheby’s-Aktien.

Mitbieten aus dem Bett heraus

Christie’s setzte 2018 in Hongkong umgerechnet 752 Millionen Dollar um – auch eine Summe, die sich sehen lassen kann und mit den Jahreserlösen der chinesischen Häuser konkurrieren kann. Aber die lassen sich nicht so schnell übertrumpfen. Guardian hat sich in Peking von dem deutschen Architekten Ole Scheering ein neues Art Center mit einem Fassungsvermögen von 18.000 Quadratmetern erbauen lassen.

In den unterirdischen Sälen dieses Kubus, der gegenüber dem Nationalmuseum liegt, werden künftig Auktionen und Ausstellungen abgehalten, auch an Unterricht in Sachen Kunst ist gedacht. Aus den 116 Zimmern des integrierten Nobelhotels können sich Sammler direkt in die Auktionen einschalten. Alles ist auf Expansion ausgerichtet, denn auch die westliche Kunst soll hier gefördert werden.

Der Mitgründer des Museums „M Woods“ sammelt westliche Kunst. Quelle: M Woods Gallery
Michael Xufu Huang

Der Mitgründer des Museums „M Woods“ sammelt westliche Kunst.

(Foto: M Woods Gallery)

Das Wachstum des chinesischen Kunstmarkts war nicht immer ungetrübt. Von 2009 bis 2011 stiegen die Kunstverkäufe um 350 Prozent. Rund 70 Prozent des Kunstumsatzes entfielen auf die Auktionen. Mit einem weltweiten Marktanteil von 30 Prozent wurde China 2011 vor den USA und England Kunstmarktland Nummer eins. 2015 erfolgte dann ein dramatischer Einbruch mit einem Rückgang des Weltmarktanteils auf 19 Prozent. Auch 2017 noch war der chinesische Anteil am Weltmarkt, wie der Art Basel & UBS-Kunstmarkt-Report von Clare McAndrews herausstellt, mit 21 Prozent nur halb so hoch wie der von Amerika.

In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die Umsatzziffern der einheimischen Auktionen zu einem erheblichen Teil fiktiv sind. Der „Chinese Art Auction Report“ von Artnet enthüllte, dass 2017 nur 49 Prozent der auf dem chinesischen Festland versteigerten Lose als echte Verkäufe zu werten sind, gerade einmal 28 Prozent der Zuschläge über zehn Millionen Yuan (1,5 Millionen Dollar) wurden tatsächlich bezahlt.

Zahl der Fälschungen steigt

Die schlechte Zahlungsmoral hat einen Grund: Die chinesischen Häuser garantieren im Gegensatz zu Sotheby’s und Christie’s nicht die Echtheit der versteigerten Ware. Das zwingt die Käufer, nach der Auktion erst einmal Recherchen anzustellen, ob es sich bei dem erworbenen Objekt nicht um eine Fälschung handelt. Denn die Zahl der in China kursierenden Fälschungen, die vor allem Porzellan und die klassische Malerei betreffen, wird immer höher. Eines der Epizentren gefälschter Kunst ist das Kunstdorf von Dafen, ein Stadtteil der südchinesischen Stadt Shenzhen, in dem Tausende von Kopien angeboten werden.

Diese Probleme berühren den chinesischen Galeriemarkt nicht. Er ist immer noch auf Expansion eingestellt, was an der wachsenden Kauffreude einer neuen Sammlergeneration liegt. Rund 400 mehr oder minder temporäre Privatmuseen öffneten in den letzten drei Jahren ihre Pforten, nicht nur in Peking und Schanghai, sondern auch in mittleren Städten wie Shenzhen oder Nanjing.

2018 folgten Weltgalerien wie David Zwirner und Hauser & Wirth ihren Vorläufern Gagosian und Pace mit glamourösen Stützpunkten in Hongkong. In diesem Frühjahr eröffnet hier auch die New Yorker Galerie Lévy Gorvy, die schon eine Dependance in Schanghai hat.

Nicht nur internationale Galerien strömen ins Land, auch die westliche Kunst hat einen neuen Stellenwert. „Chinesische Sammler beginnen, mit westlicher Kunst zu protzen“ titelte „China Daily“ schon 2015, und die „South China Morning Post“ resümierte 2018: „Asiatische Sammler kaufen mehr westliche Kunst und nehmen sie stärker ins Visier, während die Fälschungsprobleme wachsen und sich der Geschmack diversifiziert.“

Hongkong ist und bleibt die Drehscheibe des Primärhandels moderner und zeitgenössischer Kunst in China. Die von der Art Basel jeweils im März organisierte Messe in Hongkong ist Anziehungspunkt marktführender westlicher Galerien von Acquavella bis Zwirner. Daneben finden alljährlich von chinesischen Galerien bestrittene Messen in Peking, Shenzhen und Schanghai statt.

Kunsthauptstadt Peking

Nicht zuletzt wegen der rund 200.000 Künstler, die hier leben, genießt Peking den Ruf, neben der politischen auch die Kunsthauptstadt des Landes zu sein. Das 2017 nach Berliner Muster eingeführte Gallery Weekend jeweils eine Woche vor der Art Basel Hongkong verteilt sich auf zwei Kunstdistrikte, von denen der eine, das Dorf Caochangdi, von weißen Architekturkuben beherrscht wird, die Ai Weiwei entworfen hat.

Die herausgehobene Rolle von Kunst und ihrem Markt spiegelt diese Gebäudeansicht mit Umgebung. Quelle: Ole_Scheeren Buro-OS_03_Photo_by_Iwan_Baan
Guardian Art Center

Die herausgehobene Rolle von Kunst und ihrem Markt spiegelt diese Gebäudeansicht mit Umgebung.

(Foto: Ole_Scheeren Buro-OS_03_Photo_by_Iwan_Baan)

Im letzten Jahr überraschte die Dominanz westlicher Kunst von Carsten Höller bis Thomas Scheibitz. „Chinesische Sammler sind sehr, sehr neugierig auf das, was sich außerhalb des chinesischen Kontexts tut“, betonte der Leiter der Pekinger Galerie Boers Li in einem Interview im letzten Mai. Neue Privatmuseen wie M Woods, Red Brick Art oder das Song Art Museum bestätigen diese Tendenz mit ihren Ausstellungen, in denen nicht nur Picasso und Alberto Giacometti, sondern auch Olafur Eliasson und Paul McCarthy figurieren.

Die Entwicklung der letzten zehn Jahre, Ups and Downs eingeschlossen, zeigt, dass der chinesische Kunstmarkt ein Wachstum aufweist, dem bislang weder die chinesische Börsenflaute noch das schwächelnde Wirtschaftswachstum des Landes etwas anhaben können. Die Zahl der Milliardäre im Lande wächst kontinuierlich. Berechnungen der Schweizer Bank UBS haben allein für 2017 einen Vermögenszuwachs der Milliardäre um 39 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar ermittelt.

Außerdem gibt es einen flankierenden Kunstboom im pazifischen Asien, in Indonesien und vor allem in Taiwan und Singapur, wo nicht weniger als zehn der einflussreichsten asiatischen Sammler leben und in diesem Januar zwei neue Messen für Gegenwartskunst aus der Taufe gehoben wurden. Von diesen kaufkräftigen Sammlern leben auch die Märkte in New York, London und Paris – in dem Maß, in dem bei jenen der Appetit auf westliche Kunst wächst.

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