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Kunst & Antiquitäten Warum Münchens Antiquitätenmesse ein neues Profil braucht

Die traditionsreiche Messe eröffnet an diesem Samstag im Haus der Kunst, wenige Tage vor der teuren Highlights-Messe. Die Aussteller hoffen auf Synergieeffekte.
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Die Mahagoni-Bank von 1897 war im selben Jahr im Glaspalast München ausgestellt. Quelle: Brigantine 1900
Richard Riemerschmid

Die Mahagoni-Bank von 1897 war im selben Jahr im Glaspalast München ausgestellt.

(Foto: Brigantine 1900)

München Mit jedem Ortswechsel sei die „Kunst & Antiquitäten“-Messe in München die Treppe hinaufgefallen, ist Messeleiter Andreas Ramer überzeugt. Nach einem Intermezzo in der ungeliebten Kleinen Olympiahalle eröffnet die populäre Messe – die unbeirrt an dem Motto „Schätze, Sammlerstücke und Kuriositäten“ festhält – heute Abend ihre 99. Ausgabe im Haus der Kunst (bis 20.10.).

Einigen der 55 Aussteller erschien der neue Ort, der bis 2023 zugesichert ist, schon vorweg als Tempel der Erlösung von Stagnation und schwieriger Antiquitäten-Marktlage. In Wahrheit verändern die Kräfte des Marktes und der gewandelte Geschmack auch diese gediegene Kojen-Messe-Architektur.

Denn der Ruf dieser Messe zerreibt sich an dem Widerspruch zwischen einem anspruchsvollen Segment und einem Angebot der Beliebigkeit. Mit großem Gespür für die Qualität der Malerei des 19. Jahrhunderts hat etwa Michael Vogt sein Angebot ausgesucht. Der bayerische Händler, der nur auf dieser Messe anzutreffen ist und mit Kabinettstücken von Franz von Catel, Wilhelm Busch und Lovis Corinth die Spanne von der Romantik bis zum Impressionismus abdeckt, zeigt eine kleine Suite mit Arbeiten von Carl Spitzweg.

Eine Plattform auch für Asiatika

Spitzwegs moderne, flüssige Feinmalerei mit frühimpressionistischen Zügen sieht Vogt ganz wunderbar in dem Gemälde „Vor dem Städtchen“ wiedergegeben. Qualität wie diese erfordert ihren Preis: 129.000 Euro. „Brigantine 1900“ bleibt dem frühen Design treu und bietet für 5.500 Euro einen um 1927/28 produzierten Beistelltisch K40 der Firma Thonet nach Entwurf von Marcel Breuer sowie ein breites Angebot von Jugendstilmöbeln Richard Riemerschmidts zwischen 3.000 und 10.000 Euro an.

Konkurrenz kommt aus Wien mit Susanne Bauer. Sie präsentiert für 8.500 Euro Michael Powolnys Keramikputto „Frühling“, 1905/06 bei Wiener Keramik hergestellt, sowie einen Satz von Beistelltischchen von Josef Hoffmann zum Preis von 5.300 Euro.

Dieser Teppich entstand im frühen 20. Jahrhundert in Skandinavien, wohl Schweden. Er misst 112 x 117 Zentimeter und ist mit 4.500 Euro ausgepreist. Quelle: Max Lerch Teppiche
Kelim mit Hummermotiv

Dieser Teppich entstand im frühen 20. Jahrhundert in Skandinavien, wohl Schweden. Er misst 112 x 117 Zentimeter und ist mit 4.500 Euro ausgepreist.

(Foto: Max Lerch Teppiche)

Vor 50 Jahren war die Kunst & Antiquitäten ein Antikmarkt für Lokalmatadore. Heute stammt ein Großteil der Aussteller aus Österreich, aus Schwaben, Berlin oder aus Nordrhein-Westfalen wie der international angesehene Asiatika-Händler Peter Hardt aus Radevormwald. Für ihn gilt München als Ort, an dem der Kunsthandel noch funktioniert. „Hier treffen wir viele Stammkunden und vor allem auch die süddeutschen Museumsvertreter“, sagt er dem Handelsblatt. Es gebe nicht mehr viele Messen, wo er seinen Bronzebuddha „Amitayus“ aus dem China des 16./17. Jahrhunderts für 65.000 Euro ausstellen könne.

Auch die Galerie Rudolf aus Sylt, die nach mehr als zehn Jahren wieder an der laut Pressemitteilung „größten Regionalmesse Süddeutschlands ihrer Art“ teilnimmt, zielt mit ihrem Angebot an Klassischer Moderne auf eine potente Kundschaft. Emil Noldes aquarellierte Marschlandschaft von 1925, Max Liebermanns Pastell „Junge Kuhhirtin“ oder Alexej von Jawlenskys Gemälde „Christmette“ von 1935 aus dem Besitz des Sohnes Andreas Jawlensky liegen preislich über der 100.000-Euro-Grenze.

Wie Peter Hardt und die Galerie Rudolf waren auch das Kunsthaus Bühler aus Stuttgart und die Wiener Galerie Kolhammer & Mahringer einst Aussteller der „Kunstmesse München“ im Postpalast. Deren Spektrum reicht von einer ägyptischen Grabmaske aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. bis Oskar Mulleys Berghütten-Moderne aus den 1930er-Jahren.

Hoffnung auf Synergieeffekte

Vom Ende dieser Verbandsmesse, die den gehobenen Kunsthandel versammelte, profitiert die Kunst & Antiquitäten. Sie ist zur Verkaufsplattform einiger Händler dieser Klasse geworden. Die Rolle der Alternative zur hochkarätig teuren „Highlights – Internationale Kunstmesse München“ ist ihr gleichermaßen zugeschoben worden. Diese Erwartungen motivieren auch die junge Altmeisterspezialistin Maria Galen aus Münster. Mit Rechercheenergie und Kompetenz verfolgt sie die oft wenig beachteten Werke der Schüler Rembrandts oder Frans Pourbus’.

Galen hofft auf den Synergieeffekt. Gemälde wie „Winterlandschaft mit Anbetung der Hirten“ des Antwerpener Malers Cornelis de Baellieur zum Preis von 140.000 Euro oder die mit 35.000 Euro ausgewiesene Leinwand „Großmut des Scipio“ des Rubens-Schülers Erasmus Quellinus könnten auch die Besucher der am kommenden Dienstag startenden Highlights ansprechen.

Anpassung an einen veränderten Markt

Die Messe ist im Wandel, Ziel unbekannt. Tradition wird immer noch großgeschrieben. Alpenländische Volkskunst wie ein Paar naiv-skurril geschnitzte Pudel aus dem Grödner Tal aus der Zeit um 1800 beim Kunsthandel Pachmann oder auch die Entdeckung eines scheinbar mit einer Grafikcollage bedruckten Tischs aus der Münchener Werkstatt von Georg Hiltl am Stand des Biedermeierspezialisten Hawari geben der Veranstaltung ein unverwechselbares, regionales Kolorit. Denn die Darstellungen auf dem Möbel, das 15.000 Euro kosten soll, verweisen auf die Gründung der ersten Sonn- und Feiertagsschule für Mädchen in Bayerns Hauptstadt.

Andererseits verjüngen viele der alteingesessenen Aussteller ihr Profil. Brigitte Martini war einst eine Adresse für bedeutende barocke Aufsatzsekretäre und historisches Mobiliar. Diesmal fällt der Blick an ihrem Stand auf ein 1950er-Jahre-Sideboard des italienischen Designers Paolo Buffa. Ein Weg, den Ehrl-Antik, der mühelos und verführerisch das Cross-over von klassizistischen Einrichtungen und Design der Nachkriegszeit vollführt, schon vor ein paar Jahren gegangen ist.

Seit zwei Jahren ist Max Lerch, Teppichhändler in zweiter Generation, im Vorstand der noch immer als Verein geführten Messe. Der Dreißigjährige vertraut auf die Innovationskräfte der Händler, wenn es darum geht, die Messe an den sich verändernden Markt anzupassen: „Das Konzeptionelle liegt in den Händen der Aussteller.“ Er selbst macht es vor. Auch bei Max Lerch hat die moderne Textilkunst ihren Platz neben den Klassikern bekommen, wie man an dem mit 4.500 Euro ausgepreisten, gewebten Jugendstilteppich mit Hummermotiv erkennen kann.

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