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Kunst und Mode Lustvoll-kritische Liaison

Das Wiener Museum Moderne Kunst lotet die Beziehung zwischen Künstlern und Modemachern aus. Genuss und Erkenntnisgewinn sind hier garantiert, wo der Kunstfreund in der Mode das Ewige sucht. Mode stellt der Uniformität Individualität entgegen.
  • Harald Raab
30.08.2012 - 10:25 Uhr Kommentieren
Besucher vor dem Lobster-Kleid von Elsa Schiaparelli und Salvador Dali. Quelle: mumok/VBK Wien, Cosima v. Bonin

Besucher vor dem Lobster-Kleid von Elsa Schiaparelli und Salvador Dali.

(Foto: mumok/VBK Wien, Cosima v. Bonin)

Wien Modezar Karl Lagerfeld,  duldet keine andere Götterwelt neben der seinen. Er diktiert: „Mode gehört nicht ins Museum.“ Der Designer, der sich als Künstler sehe, sei von vornherein zweitklassig. Anders der Altmeister des Surrealen, Salvador Dali. Er kreierte mit der Modeschöpferin Elsa Schiaparelli  „Woman’s Dinner Dress“, das 1937 als Lobster-Kleid Furore machte: unschuldig weißer Organza mit Dalis dominierender  Darstellung eines roten Hummers darauf. Die Amerikanerin Wallis Simpson, für die der Herzog von Windsor aus Liebe auf die britische Krone verzichtet hat, trug das symbolträchtige Outfit, als sie sich für  Vogue ablichten ließ. Das legendäre Kleid ist  Prunkstück in der Ausstellung „Reflecting Fashion – Kunst und Mode seit der Moderne“ des Wiener Museums Moderne Kunst Stiftung Ludwig. Im Kunstkontext  wird das Lobster-Kleid noch existieren, wenn die Leute fragen werden: Karl Lagerfeld, wer war das eigentlich?

Im mumok stellt die vor einem Jahr aus Baden-Baden importierte Karola Kraus als Hausherrin unter Beweis, dass sie spannungsreiche Befragungen der Kunst mit breitem Publikumsinteresse zu verbinden versteht. „Reflecting Fashion“ lockt auch die in den von außen so abweisend wirkenden mumok-Bau im trendigen Wiener Museumsquartier, die sonst eher einen Bogen um ein Kunstmuseum machen. 

Sinnlichkeit und Schaulust

Die Liaison zwischen Mode und Kunst: neu ist das Ausstellungsthema freilich nicht.  „Art/Fashion“ in Florenz und im New Yorker Guggenheim Museum oder “Fashion and Surrealism” im Fashion Institute of Technology, New York, haben  Maßstäbe gesetzt. Neu am mumok-Konzept der  Kuratorinnen Susanne Neuburger und  Barbara Rüdiger ist die historische Systematik des Verhältnisses auf Gegenseitigkeit zwischen Künstlern und Modemachern. „Im Vergänglichen das Ewige suchen.“ Baudelaires Definition dessen, was Mode sei, wird kunst- und modehistorisch sauber ausgelotet, ohne dass die gerade bei diesem Thema  eminent wichtige Sinnlichkeit auf der Strecke bleibt. Genuss und Erkenntnisgewinn sind gleichermaßen garantiert.

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