Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
„Apokalyptische Landschaft“

Ludwig Meidners „Apokalyptische Landschaft“ nimmt vorweg, was zwei Jahre später Kriegswirklichkeit wird.

(Foto: Sotheby’s 2018)

Kunstauktion bei Sotheby's Millionen für kritische Kunst

Wie Sotheby's durch den Fokus auf den Schrecken des Ersten Weltkriegs für 49 Kunstwerke der Moderne 315 Millionen Dollar einnimmt.
Kommentieren

Düsseldorf Die Abendauktion von Sotheby’s am 12. November in New York brachte millionenschwere Zuschläge und Preisrekorde für Gemälde des Surrealismus und des Expressionismus.

Neue Höchstmarken gelten nun für René Magrittes surreales Sammlerporträt, in dem ein Lichtkreis, den Kopf ersetzt („Le Principe du Plaisir“: 27 Millionen Dollar) und für Ludwig Meidners „Apokalyptische Landschaft“ (14 Millionen Dollar).

1912 sah der Wahl-Berliner Meidner den Weltkrieg und das Ende aller überkommenen Gesellschaftsordnungen prophetisch voraus, in dem er ab 1912 eine Serie implodierenden Stadtlandschaften malte.

Dass Bilder, die Gefälligkeit vermeiden, die Leid und Elend visualisieren solch hohe Millionenzuschläge realisieren, ist nicht selbstverständlich. Hier hat Sotheby’s hoch gepokert und den Schätzpreis von Meidner mit zwölf bis 18 Millionen Dollar bewusst dreimal höher angesetzt als dessen bisherige Bestmarke von 3,1 Millionen Dollar.

Strategische Planung, die richtige Einschätzung des Zeitgeistes und Geduld führten zum Ziel. Denn hinter Meidners einstürzenden Altbauten waren Sotheby’s Mitarbeiter bereits seit knapp zwei Jahrzehnten her.

Den Zeitgeist von 2018 erfasste das in den USA börsennotierte Auktionshaus genau richtig. Kunstaffine Kreise sind durch die Darstellung des verlustreichen Ersten Weltkriegs in Medien und Ausstellungen sensibilisiert für diesen fundamentalen Epochenumbruch und die daraus folgende abrupte Änderung künstlerischer Ausdrucksformen.

So beabsichtigte der Maler Oskar Kokoschka 1910 kein im landläufigen Sinne schönes Porträt von Joseph de Montesquiou-Fezensac abzuliefern. Vielmehr bringt er das unsichtbare Innere des gesundheitlich angeschlagenen Herzogs nach außen. Damit gelingt es Kokoschka, auch das baldige Ende es ungarisch-österreichischen Großreichs zu spiegeln. 20,4 Millionen Dollar war das weitsichtige Bildnis einem anonymen Sammler wert.

Und noch ein prophetisches Bild des Expressionismus hatte gestern Abend in New York seinen großen Auftritt. „Das Soldatenbad“ von Ernst Ludwig Kirchner aus dem Jahr 1915 wechselte für knapp 22 Millionen Dollar den Besitzer.

Ernst Ludwig Kirchners „Soldatenbad“ von 1915 zeigt, wie unfrei die Soldaten waren, die unter Bewachung zu duschen hatten. Quelle: Sotheby’s 2018
„Soldatenbad“

Ernst Ludwig Kirchners „Soldatenbad“ von 1915 zeigt, wie unfrei die Soldaten waren, die unter Bewachung zu duschen hatten.

(Foto: Sotheby’s 2018)

Es hing lange im Solomon Guggenheim Museum und wurde kürzlich den Erben des von Nazis verfolgten Kunsthändlers Alfred Flechtheim restituiert. Kirchner war selbst traumatisiert von der Brutalität des Ersten Weltkrieges und sollte sich nie wieder davon erholen.

Kirchner stellt in diesem Gemälde nackte Soldaten beim Duschen dar, ent-individualisiert, bewacht von einem bekleideten Soldaten. Dieses Bild kann keiner mehr betrachten ohne an die Gaskammern der Konzentrationslager zu denken, in die später unschuldige Menschen getrieben wurden, um nackt unter Pseudoduschen zu sterben.

So viel Geschichte und Zeit-Geschichte ist selten in Kunstauktionen. Sotheby’s konnte zwar nur 49 von 65 angekündigten Kunstwerken versteigern. Doch die starke Gruppe prophetischer Gemälde führte zu einem Umsatz von 315 Millionen Dollar, was genau der mittleren Schätzung entspricht. Das unterstreicht wieder einmal die Gabe der Künstler, die eigene Zeit bisweilen vorausschauend zu analysieren.

Startseite

Mehr zu: Kunstauktion bei Sotheby's - Millionen für kritische Kunst

0 Kommentare zu "Kunstauktion bei Sotheby's: Millionen für kritische Kunst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote