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Kunstauktion Komplettausverkauf in Köln: Olbricht Collection unter dem Hammer

Van Ham hat die erste große Tranche der Privatsammlung von Thomas Olbricht zu 100 Prozent abgesetzt. Onlinebieter sind aktiv wie nie zuvor.
02.10.2020 - 08:47 Uhr Kommentieren
Der aus feinstem Elfenbein geschnitzte Januskopf mit Christus und Schädel wurde von geschätzten 2000 bis 3000 auf 17.000 Euro hochgesteigert, mit Aufgeld 21.930 Euro. Er darf nicht in alle Länder exportiert werden. Quelle: Van Ham Auktionen
Vanitaskopf eines Rosenkranzes

Der aus feinstem Elfenbein geschnitzte Januskopf mit Christus und Schädel wurde von geschätzten 2000 bis 3000 auf 17.000 Euro hochgesteigert, mit Aufgeld 21.930 Euro. Er darf nicht in alle Länder exportiert werden.

(Foto: Van Ham Auktionen)

Düsseldorf Der Kölner Auktionator Markus Eisenbeis staunte nicht schlecht, als er am 26. September die gesamte, fast 500 Objekte umfassende Tranche aus der Olbricht Collection unter die Leute gebracht hatte. Ausverkauft, was im internationalen Jargon auch „White Glove-Sale“ genannt wird.

Dabei hatte Eisenbeis es nicht nur mit der einfacher verkäuflichen zeitgenössischen Kunst zu tun, sondern auch mit den schwieriger zu vermittelnden Artefakten aus Olbrichts Wunderkammer. Doch die international recht kleine Gemeinde von Sammlern, die sich für die teilweise sehr seltenen Kuriositäten und Naturalia interessierten, lehrten ihn eines Besseren.

Kein Wunder, war doch dieser Teil der renommierten Sammlung immer wieder Teil beeindruckender Ausstellungen und im inzwischen geschlossenen Berliner Privatmuseum des Sammlers permanent zur Schau gestellt. Das spricht sich rum.

So wunderte sich der Van Ham-Chef über den „irren Preis“, zu dem er beispielsweise Maikäfermodelle in neue Hände vermitteln konnte. „Sehr erstaunlich“ fand er auch die 1700 Euro netto für drei Kugelfisch-Präparate, deren Schätzwert auf 300 bis 900 Euro angesetzt war. Den Vogel aber schoss das auf 8000 bis 12.000 Euro taxierte Ei eines längst ausgestorbenen Elefantenvogels aus Madagaskar ab, für das ein Engländer stattliche 33.540 Euro mit Aufgeld bewilligte.

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    „Thomas Olbricht war super-zufrieden“, resümierte Eisenbeis. Hatte doch der Teil der Auktion, der den Wunderkammerobjekten gewidmet war, nur fünf Prozent des unteren Gesamtschätzwertes ausgemacht. Am Ende machte er nach Einschätzung des Auktionators 15 bis 20 Prozent des Umsatzes aus. Insgesamt waren mindestens 3 Millionen Euro erwartet worden. Zugeschlagen wurde für 3,7 Millionen Euro; mit Aufgeld kamen knapp fünf Millionen Euro heraus.

    Der Hammer für das Schlüsselwerk fiel innerhalb, aber nahe der oberen Taxe zugunsten eines deutschen Privatsammlers, der mit Aufgeld 438.000 Euro bezahlen muss. Quelle: VG Bild-Kunst, Bonn 2020
    Daniel Richter „Das Recht“

    Der Hammer für das Schlüsselwerk fiel innerhalb, aber nahe der oberen Taxe zugunsten eines deutschen Privatsammlers, der mit Aufgeld 438.000 Euro bezahlen muss.

    (Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

    17 Losnummern mussten zurückgezogen werden, die meisten auf Betreiben der Unteren Naturschutzbehörde. Sie stellte sich auf den Standpunkt, dass die Tierpräparate aus altem, oft englischem Besitz ja theoretisch auch nachträglich ausgetauscht werden konnten. Damit griffe womöglich das 1977 streng gewordene Naturschutzgesetz. Der Chefpräparator des Museum Koenig, Bonn, Horst Meurer, konnte auch nicht weiterhelfen. Das Alter von Tierpräparaten lasse sich nicht zuverlässig bestimmen, erklärte er auf Nachfrage des Handelsblatts.

    Im Bereich der Moderne traf es zwei Aquarelle von Wols, die sich als nicht authentisch herausstellten.

    Ungebrochene Neugier auf Kunst

    Die binnen vier Monaten auf die Beine gestellte Auktion lieferte den Beweis, dass die Lust und die Neugier auf Kunst auch in Zeiten der Pandemie ungebrochen ist. 1020 angemeldete Onlinebieter aus 31 Ländern registrierte das Kölner Auktionshaus, davon 60 Prozent Neukunden. Das ist Rekord.

    Ein Drittel der Zuschläge für die Wunderkammerlose wurde online getätigt, im Bereich der zeitgenössischen Kunst etwas weniger. Das meiste ging über das Telefon; der Saal war mit maximal rund 40 Personen Corona bedingt dünn besetzt.

    Eindrucksvoll fand Eisenbeis, wie viele große Sammler, namentlich auch solche mit eigenem Museum, sich an der Sammlung Olbricht bedienten. So ging Sarah Morris“ fast 3 mal 3 Meter großes Gemälde „Universal (Los Angeles)“ für 96.750 Euro in das noch in Bau befindliche Museum Ernst in Wiesbaden. William N. Copley’s Bild „Untitled (Think)“, auf dem ein Polizist mit erhobenem Knüppel für Ordnung sorgt, übernahm die Düsseldorfer Sammlung Philara für 77.400 Euro.

    Das Titelbild auf dem Katalog, George Condos kopulierendes, schreiendes Paar („Screaming Couple“) wurde für 322.500 Euro in die Kollektion von Steffen Hildebrand aus Leipzig vermittelt. Es wurde das zweitteuerste Los der Session, nach Daniel Richters „Das Recht“ betitelter Szene, auf der Jugendliche eine Mähre totschlagen. Der Hammer für das Schlüsselwerk fiel innerhalb, aber nahe der oberen Taxe zugunsten eines deutschen Privatsammlers, der mit Aufgeld 438.000 Euro bezahlen muss. Das ist ein guter Preis, gemessen am Preisniveau des letzten Jahrzehnts, kommt an die Spitzennotierungen von 2007 jedoch nicht heran.

    Nachschub für weitere Auktionen

    „Und es geht weiter“, kündigt Markus Eisenbeis an. Mit einer Online only-Auktion im Oktober, deren Katalog bald online gehen soll. Anschließend folgen die Altmeister, die am 19. November in die Auktion „Fine Art“ integriert werden, und einige Barockmöbel in der Sektion „Decorative Art“ am Tag davor.

    Wenn es weiter gut läuft, dann dürften weitere Tranchen aus der rund 4.000 Werke großen Kollektion bei Van Ham unter den Hammer kommen. Das Kölner Haus ist mit einem Außenlager in Wesseling bestens gerüstet für den Umgang mit großen Beständen und großen musealen Formaten.

    Mehr: Olbricht Collection: Befreiungsschlag durch Verkauf

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