Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kunstauktion Wenn der Kunde nicht mehr will

Was macht ein Auktionator, wenn der Bieter das soeben ersteigerte Werk nicht behalten möchte? Beobachtungen bei der Frühjahrsauktion von Van Ham.
Kommentieren
Die Wandskulptur „Enough“ setzt sich aus gefundenen Buchstaben und Neonbeschriftungen alter Kinos, Restaurants, Casinos und Unternehmen zusammen.
Jack Pierson

Die Wandskulptur „Enough“ setzt sich aus gefundenen Buchstaben und Neonbeschriftungen alter Kinos, Restaurants, Casinos und Unternehmen zusammen.

KölnFünf Auktionen an einem Tag, darunter die Firmensammlung der SØR Rusche GmbH und die Privatsammlung des 2013 verstorbenen Galeristen Gerhard Reinz: Am Ende das beste Ergebnis für die zeitgenössische Kunst in der 60-jährigen Geschichte des Versteigerungshauses Van Ham. Mit rund 11,2 Millionen Euro (nach eigenen Angaben) überrundet die Frühjahrsofferte 2019 die des Vorjahres um über eine Million Euro Umsatz.

Der Erfolg hat zu tun mit der Akquise, aber auch mit der Durchführung und der Haltung. Seriös und doch locker, witzig und zugleich entspannt wird hier versteigert. Nicht nur dass die 20 Kolleginnen und Kollegen an den Telefonen durch ihre Kundengespräche eine bienenstockartige Kakophonie erzeugen dürfen. Auch im Fall eines Missgeschicks bleiben alle, inklusive der Chefs, gelassen.

Inhaber Markus Eisenbeis war fast ans Ende der Zeitgenossenauktion am 29. Mai gelangt, als er Jack Piersons Wandinstallation „Enough“ aufrief. Die besteht aus sechs Lettern in diversen Farben, Typen und Größen. Alles gebrauchte Beschriftungen ehemaliger Kinos, Casinos oder Restaurants. Eisenbeis beginnt mit 33.000 Euro bei einer Schätzung von 40.000 bis 60.000 Euro. Und steigert „GENUG“ gemächlich durch Telefongebote befeuert nach oben. Bei 90.000 fällt der Hammer.

Nach wenigen Minuten ruft Robert van den Valentyn, Miteigentümer und Leiter von Van Hams Zeitgenossenabteilung, der bei den Telefonen sitzt, in den Saal: „Der Kunde sagt, er habe Pierson nicht für 90.000 ersteigert.“ Jeder denkt, das kann doch nicht sein, genau das haben wir alle doch eben mitgekriegt.

Die Verblüffung hält bei Markus Eisenbeis nicht lange an. Ruhig macht er die Ansage, dass der Pierson-Aufruf wiederholt werde, aber erst, wenn die betreffenden Vorgebotsleitungen wieder stünden. So lange versteigert er Michail Pirgelis‘ und Richard Prince‘ Arbeiten weiter. Rechtsgrundlage für den zweiten Aufruf sind die hauseigenen Versteigerungsbedingungen: Sollte ein Zweifel über den Zuschlag bestehen, ist der Auktionator berechtigt, erneut aufzurufen.

Zuschlag im zweiten Versuch

Den zweiten Versuch startet Eisenbeis dank sicherer Vorgebote bei 39.000 Euro und kassiert Schritt für Schritt neue Gebote. Wieder bis genau bei 90.000 Euro der Hammer fällt. Ein Kölner Bieter vorne im Saal ist bereit, dafür brutto 116.100 Euro zu berappen. Genug – um einen deutschen Auktionsrekord für den Briten zu etablieren. Kurzer Dank und weiter im Programm.

Weniger Glück mit Losen und Bietern hatte Markus Eisenbeis in der Passage mit 37 Gemälden zeitgenössischer Künstler aus China, zusammengetragen aus verschiedenen Sammlungen. Nur sieben fanden überhaupt Interessenten. Der Rest ging reihenweise und ohne Scheinzuschläge zurück. Auch das ist Haltung.

Mehr: Ausverkauf bei Van Ham: Run auf die SØR Rusche-Collection. Lesen Sie hier über den Komplettverkauf der Firmensammlung.

Startseite

Mehr zu: Kunstauktion - Wenn der Kunde nicht mehr will

0 Kommentare zu "Kunstauktion: Wenn der Kunde nicht mehr will"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote