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Kunstauktionen Bei Grisebach regiert Vernunft die Preise

Grisebach reagiert auf den Mangel an Spitzeneinlieferungen mit einem neu gemixten Angebot. Mit Erfolg. Das zeigt die zurückliegende Auktionswoche.
05.12.2019 - 16:44 Uhr Kommentieren
Das Aquarell „Uferpromenade“, entstanden 1914, erzielte taxgerechte 143.750 Euro (Detail). Quelle: Villa Grisebach
August Macke

Das Aquarell „Uferpromenade“, entstanden 1914, erzielte taxgerechte 143.750 Euro (Detail).

(Foto: Villa Grisebach)

Berlin Millionenbilder sind in deutschen Auktionen rar geworden. Das war auch in den Herbstauktionen von Grisebach der Fall. Das Berliner Haus macht aus dem allgemeinen Mangel eine Tugend. Der bislang den Höhepunkten des Angebots gewidmete Katalog „Ausgewählte Werke“ ist jetzt eine Mischung der von den Experten des Auktionshauses für exemplarisch oder unterbewertet gehaltenen Objekten, unabhängig von den Schätzpreisen.

Die Strategie hat sich ausgezahlt. Von den 50 Losen des Abends wurden 40 abgesetzt,  wenn auch die meisten in Tuchfühlung zu den unteren Schätzpreisen. Das gilt für alle Versteigerungen und ist als Phänomen einer aktuellen Preisvernunft zu werten, die sich bereits in den New Yorker und Londoner Auktionen manifestierte. In  seinen acht Sitzungen setzte das Berliner Auktionshaus nach eigenen Angaben 20 Millionen Euro um.

Früher Expressionismus reizt zu Höchstgeboten

Auch wenn das teuerste Bild, Marc Chagalls „Liebespaar mit Anemonen“ mit 975.000 Euro nur einen Vorbehalts-Zuschlag unter dem Limit erreichte, war die Abendsession von dezent bebotenem Erfolg gekrönt. Ein amerikanischer Sammler ersteigerte in der Abendauktion die Vorzeichnung „Tod“ zum Zyklus „Ein Weberaufstand“ von Käthe Kollwitz. Er musste dafür nur den unteren Schätzpreis bieten. Mit Aufgeld sind das 187.500 Euro.

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    In den Schweizer Handel ging für 525.000 Euro, ebenfalls nahe der unteren Taxe, das 1922 datierte „Selbstporträt am Walchensee“ von Lovis Corinth. So preisgünstig wie lange nicht wurde Max Beckmanns „Kleine Landschaft aus Bandol“ (1938) mit 375.000 Euro, ein Landschaftsbild mit raumgreifendem Baumrepoussoir, das viel besser ist als seine Katalogabbildung.

    Der frühe Expressionismus reizt immer noch zu Höchstgeboten. Das zeigte sich bei einer Postkarte mit zwei ruhenden Pferden in Temperatechnik, die Franz Marc 1913 an die Künstlergattin Elisabeth Macke geschickt hatte. Die kapitale Minimalerei wurde gegen eine Batterie von Telefon- und Saalgeboten für den Rekordpreis von 781.000 Euro an einen süddeutschen Sammler gegeben.  Das 1909 entstandene, exemplarische Frauenporträt „Die hellgrüne Jacke“ von Max Pechstein wurde für 525.000 Euro einem rheinischen Sammler zugeschlagen.

    Das exzeptionelle Porträt
    Max Pechstein

    Das exzeptionelle Porträt "Die hellgrüne Jacke" wurde für 525.000 Euro verkauft. Geschätzt war das 1909 entstandene Ölgemälde auf 400.000 bis 600.000 Euro.

    (Foto: Grisebach, VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

    Auf je 375.000 Euro kamen die Darstellung eines Pferderennens von Max Liebermann (1909) und der zwei Jahre früher entstandene „Gemüsemarkt in Delft“ desselben Künstlers. Noch teurer wurde mit 437.500 Euro Max Liebermanns Darstellung der Blumenstauden in seinem Wannseegarten von 1925, das in Berliner Privatbesitz wandert.

    Ein Berliner Privatsammler, der auch in der Versteigerung zeitgenössischer Kunst aktiv war, ließ sich für 312.500 Euro  Günther Förgs Bleibild mit orangerotem Quadrat von 1991 zuschlagen. Roy Lichtensteins Wasserlilien-Serigraphie auf Edelstahl errreichte mit 250.000 Euro die untere Schätzung. Mit 175.000 Euro kam Gotthard Graubners mittleres Format „bedecktes rot“ deutlich über die Schätzung.

    Barbrüstiger Germane

    In der Auktion mit Werken des 19. Jahrhunderts kamen zwei programmatische Gemälde des Lebensreformers Karl Wilhelm Diefenbach, der 1931 auf Capri starb, durch Gebote eines amerikanischen Sammlers auf das Dreifache der Taxen. Der über einem Wasserfall turnende „Ephebe“ erzielte 52.500 Euro, das „Nächtliche Bad“ zwischen Felsen 67.500 Euro.

    Das die Dresdner Malerei Konjunktur hat, zeigte sich bei Ölbildern, die am Ende der Auktion stolze Preise erlösten. Max Pietschmanns Porträt des afrikanischen Akademiemodells Tommy Todtmann erlöste 75.000 Euro  (Taxe bis 8.000 Euro)  und das Kostümbild eines blonden barbrüstigen Germanen von Osmar Schindler (1902) stieg von 8.000 auf 102.500 Euro.

    Strategie mit Großen Tieren

    Die Orangerie-Sitzung, die sich wie zuletzt mit dem Bauhaus-Angebot immer stärker in Themen-Auktionen verwandelt, stand diesmal unter dem Titel „Große Tiere. Animalisch bis politisch“. Es war eine breite Melange aus Bildern, Skulpturen, Kunstgewerbeobjekten, Fotokunst und Naturalien, die mit einem prominent aufgemachten Katalog neue Käufer mobilisieren soll.

    Der höchste Zuschlag ging bei 112.500 Euro an ein  Berliner Telefongebot für die zwölfteilige Fotoinstallation „Die Alliierten“ von Frank Thiel, die Militärs der vier Berliner Besatzungsmächte im Halbporträt versammelt. Ein Löwenaquarell von Emil Nolde übernahm ein rheinischer Sammler für 87.500 Euro, 62.500 Euro setzte britischer Handel  für zwei Mopshündinnnen der Manufaktur Meissen ein und 50.000 Euro spielte die satirische Bronze „Pavian und Menschen-Maske“ des Berliner Bildhauers Ernst Moritz Geyger ein.

    Die Maler W. Bongard und G. Brockmann, Köln. 1924. Der Print gehört zum 70-teiligen Konvolut, das geschlossen unter den Hammer kam. Quelle: Grisebach GmbH, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019
    August Sander

    Die Maler W. Bongard und G. Brockmann, Köln. 1924. Der Print gehört zum 70-teiligen Konvolut, das geschlossen unter den Hammer kam.

    (Foto: Grisebach GmbH, © VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

    Berliner Privatsammler griffen in der Auktion zeitgenössischer Kunst zu. Nachdem Konrad Klapphecks 1963 entstandenes Gemälde „Die Ammen“ mit 200.000 Euro den höheren Schätzpreis eingespielt hatte, ging das Klapheck-Bild „Das Angebot“ von 1985 an dieselbe Adresse. Andere Berliner Sammler ersteigerten für 75.000 Euro das Gemeinschaftsbild „Music Chairs“ von Martin Kippenberger und Maria Papadimitriou und für 81.250 Euro Stephan Balkenhols Holzskulptur „Mann auf grünem Sockel“.

    Der Berliner Galerist  Johann König war der Unterbieter des Norbert Bisky-Großformats „wir schlagen zurück II“, das auf 71.250 Euro stieg. Er ersteigerte dann für 50.000 Euro das folgende Bisky-Gemälde „zum Kampf sind wir bereit“. Auch ein blau-grünes frühes Aluminiumbild von Katharina Grosse wurde ihm zum Verhandlungspreis von 28.000 Euro zugeschlagen.

    Fotoauktion mit starkem Erlös

    Tony Craggs Liegeskulptur „Dingle“ von 1998, eine schwarz patinierte Bronze, kam mit 112.500 Euro spielend über ihre Schätzung.  Auch Blinky Palermos brauntonige Gouache konnte ihre Schätzung (bis 35.000 Euro) mit dem Bruttozuschlag von 60.000 Euro glanzvoll überrunden. Den größten Preissprung der Auktion, von 6.000 auf 81.250 Euro, machte die zweiteilig lackierte Stahlskulptur „Medicine #1“ von Thomas Zipp.

    Dass die Foto-Auktion den starken Erlös von 1,6 Millionen Euro erzielte, ist dem August-Sander-Konvolut von 70 Silbergelatine-Abzügen des Hauptwerks „Menschen des 20. Jahrhunderts“ zu verdanken. Der seltene, marktbekannte Satz aus dem Besitz des 2007 in Wien gegründeten, bis vor Kurzem auf den Kaimaninseln registrierten Art Photography Fund wurde für 949.000 Euro zugeschlagen. Das Auktionshaus hüllt sich bislang über den Käufer in Schweigen. Es könnte, so wird gemunkelt, eine Institution sein.

    Mehr: Grisebach-Auktion: Lesen Sie hier, warum eine historische Bildserie von August Sander unter den Hammer kam

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