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Kunstausstellung Ikonen der amerikanischen Malerei neu entdeckt

US-Kunst aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg ist in Europa fast unbekannt. Ein Kölner Museum bringt nun einige Klassiker erstmals nach Deutschland.
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Das Wallraf-Richartz-Museum zeigt noch bis zum 24. März als erstes deutsches Haus überhaupt einen umfassenden Überblick von US-amerikanischer Kunst seit dem 17. Jahrhundert. (Foto: Claudia Rometsch)
Abraham Lincoln zu Gast in Köln

Das Wallraf-Richartz-Museum zeigt noch bis zum 24. März als erstes deutsches Haus überhaupt einen umfassenden Überblick von US-amerikanischer Kunst seit dem 17. Jahrhundert.

(Foto: Claudia Rometsch)

Köln Bilder von Künstlern wie Andy Warhol oder Jackson Pollock sind in vielen europäischen Museen präsent. Und aktuelle amerikanische Künstler wie Jeff Koons oder Jasper Johns erzielen mit ihren Werken auf Auktionen regelmäßig zweistellige Millionenbeträge.

Doch so beliebt war Kunst aus den USA nicht immer. Bis in die 50er Jahre stießen amerikanische Künstler in Europa kaum auf Interesse. Die Folge: Amerikanische Kunst zwischen dem 17. Jahrhundert und dem Zweiten Weltkrieg ist in europäischen Sammlungen so gut wie gar nicht zu finden.

Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln will diese Lücke nun mit der Sonderschau „Es war einmal in Amerika. 300 Jahre US-amerikanischen Kunst“ füllen – zumindest vorübergehend. Bis zum 24. März sind in Köln rund 130 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus der Zeit zwischen 1650 und 1950 zu sehen, von denen viele die USA noch nie zuvor verlassen haben.

Erstmals präsentiert damit ein deutsches Museum einen umfassenden Überblick über die US-amerikanische Kunst seit dem 17. Jahrhundert. Zuletzt hatte vor mehr als 40 Jahren das Landesmuseum in Bonn Gemälde aus 200 Jahren amerikanischer Kunst gezeigt.

Die chronologisch aufgebaute Kölner Ausstellung beginnt in der Kolonialzeit und schließt mit dem abstrakten Expressionismus. Am Ende stehen bekannte Namen wie Jackson Pollock, Mark Rothko oder Sam Francis.

Doch der größte Teil der Schau widmet sich Künstlern, die zwar in amerikanischen Sammlungen prominent vertreten, hierzulande aber wenig bekannt sind. „Es gilt einen Kontinent kennenzulernen, wie es hier sonst gar nicht möglich ist“, sagt Museumschef Marcus Dekiert. Wer amerikanische Kunst vor 1945 sehen wolle, müsse dafür normalerweise in die USA reisen.

Ca. 1800, Öl auf Leinwand, National Gallery of Art, Washington, Corcoran Collection (William A. Clark Collection) 2014.
Gilbert Stuart: George Washington

Ca. 1800, Öl auf Leinwand, National Gallery of Art, Washington, Corcoran Collection (William A. Clark Collection) 2014.

Nun sind Ikonen der amerikanischen Malerei vier Monate lang in Köln zu sehen. Darunter etwa ein Bildnis George Washingtons von Gilbert Stuart (circa 1800), das auch auf den Dollar-Noten abgebildet ist. Oder aber das großformatige Gemälde „Die Unabhängigkeitserklärung“ (1832) von John Trumbull. Seine Gemälde mit nationaler Symbolik wären allerdings nicht denkbar gewesen ohne die Vorarbeit der Historienmaler Benjamin West (1738-1820) und John Singleton Copley (1738-1815).

Beiden gelang als ersten in den USA geborenen Malern internationale Anerkennung. Allerdings machten sie ihre künstlerische Karriere in London. Copley ist mit einem prominenten Werk in der Ausstellung vertreten, mit dem er die an antiken Vorbildern orientierte Historienmalerei in die Gegenwart überträgt. Das Gemälde „Watson und der Hai“ (1782) beruht auf der wahren Geschichte des damaligen Londoner Bürgermeisters Brook Watson, der als Junge einen Haiangriff überlebte.

US-Maler an der Düsseldorfer Kunstakademie

Mussten West und Copley sich für ihre künstlerische Karriere noch nach Europa begeben, so bildete sich Mitte des 19. Jahrhunderts ein neues Selbstverständnis amerikanischer Maler heraus. Die Mitglieder der „Hudson River School“ zogen von New York aus in die Landschaft und malten idealisierte Bilder. Die Niagara-Fälle oder der Grand Canyon werden zu beliebten Sujets, die das Land in seiner Bestimmung als neues Paradies präsentieren.

1782, Öl auf Leinwand, Detroit, Detroit Institute of Arts; Founders Society Purchase, Dexter M. Ferry, Jr. Fund. (Foto: Bridgeman Images)
John Singleton Copley: Watson and the Shark (Watson und der Hai)

1782, Öl auf Leinwand, Detroit, Detroit Institute of Arts; Founders Society Purchase, Dexter M. Ferry, Jr. Fund.

(Foto: Bridgeman Images)

Nach wie vor ließen sich viele amerikanische Maler allerdings in Europa ausbilden. Einen besonders guten Ruf genoss in den USA die Düsseldorfer Kunstakademie. Hier studierte auch der deutschstämmige Albert Bierstadt (1830-1902). Er ist in der Kölner Ausstellung mit einem Gemälde vertreten, auf dem er den kalifornischen Donner Lake in ein verheißungsvolles rötliches Sonnenlicht taucht: Amerika als der neue Garten Eden.

Während diese alten amerikanischen Meister in Europa so gut wie gar nicht gesammelt würden, erzielten sie in den USA Preise ab dem fünfstelligen Bereich und weit darüber, sagt Ausstellungs-Kuratorin Barbara Schaefer. Das Desinteresse europäischer Sammler an älterer amerikanischer Kunst hat seinen Ursprung unter anderem in dem Auftritt der US-Künstler bei der Weltausstellung in Paris 1867. Damals fielen die Amerikaner beim Publikum durch.

In Europa gefloppt

Ihre Landschaftsgemälde fanden selbst die über den Atlantik angereisten Landsleute altbacken. Während sich in Frankreich der Impressionismus herauskristallisierte, schienen die Amerikaner in ihren romantisierenden Landschaftsbildern steckengeblieben zu sein. Der Flop bei der Weltschau hatte zur Folge, dass amerikanische Kunst in Europa für viele Jahrzehnte abgeschrieben war.

1874, Öl auf Leinwand, Yale University Art Gallery, New Haven. Whitney Collections of Sporting Art, given in memory of Harry Payne Whitney, B.A. 1894, and Payne Whitney, B.A. 1898, by Francis P. Garvan, B.A. 1897, M.A. (Hon.) 1922.
Thomas Eakins: John Biglin in a Single Scull (John Biglin in einem Einer)

1874, Öl auf Leinwand, Yale University Art Gallery, New Haven. Whitney Collections of Sporting Art, given in memory of Harry Payne Whitney, B.A. 1894, and Payne Whitney, B.A. 1898, by Francis P. Garvan, B.A. 1897, M.A. (Hon.) 1922.

Dem amerikanischen Selbstbewusstsein tat das keinen Abbruch. Im sogenannten „Gilded Age“, dem vergoldeten Zeitalter, blühte die Wirtschaft in den USA – und mit ihr der Kunstmarkt. Thomas Eakins malt 1874 einen muskulösen Ruderer, der den amerikanischen Selfmade-Man verkörpert, der aus eigener Kraft vorankommt.

Wohlhabende Amerikaner ließen sich gerne in Erfolgsposen porträtieren. Und um 1900 trifft – wenn auch verspätet – der Impressionismus in den USA ein. Die Schau zeigt einige schöne Beispiele wie Frederick Childe Hassams Gemälde vom Schneegestöber in New York.

Immigranten prägen den Abstrakten Expressionismus

Doch Amerika ist nicht nur heile Welt. Junge Künstler um den Maler Robert Henri reagierten Anfang des 20. Jahrhunderts auf die Industrialisierung und die Entstehung von Armenvierteln in den Städten: Sie malen Menschen am Rande der Gesellschaft.

1900, Öl auf Leinwand, Brooklyn Museum, Dick S. Ramsay Fund 62.68.
Childe Hassam: Late Afternoon, New York, Winter (Spätnachmittag, New York, Winter)

1900, Öl auf Leinwand, Brooklyn Museum, Dick S. Ramsay Fund 62.68.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg nimmt die amerikanische Kunst wieder enge Tuchfühlung mit Europa auf. Die „Armory Show“ in New York 1913 orientierte sich an der ein Jahr zuvor in Köln veranstalteten expressionistischen Sonderbundausstellung. Das Wallraf-Richartz-Museum zeigt auch einige hochkarätige Beispiel des amerikanischen Realismus der 30er Jahre.

So etwa mehrere Gemälde Edward Hoppers (1882-1967), der mittlerweile zu den teuersten amerikanischen Malern zählt. Erst Mitte November erzielte sein Bild „Chop Suey“ in New York einen Rekordpreis von 92 Millionen Dollar (etwa 81 Millionen Euro).

Erstmals mischen die USA Europas Kunstszene auf

In der Zeit zwischen den Weltkriegen emigrieren europäische Dadaisten und Surrealisten wie etwa Max Ernst in die USA. Sie gaben dort entscheidende Impulse für die Entstehung des Abstrakten Expressionismus. Diese künstlerische Strömung kam mit der Wanderausstellung „The New American Painting“ Ende der 50er Jahre nach Europa und zeigte Werke von Künstlern wie Mark Rothko, Franz Kline oder Sam Francis.

Erstmals war es nun die amerikanische Malerei, die die europäische Kunst aufmischte. Diese modernen US-Künstler sind folglich in europäischen Sammlungen und Museen gut vertreten. Ihre Vorgänger hingegen sind nur vorübergehend exklusiv in Köln zu Besuch.

Die Ausstellung öffnet am 22. November und ist bis zum 24. März im Wallraf-Richartz-Museum in Köln zu sehen. Katalog: 39,90 Euro

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