Berta Fischer

Die Künstlerin eröffnete 2007 eine Dependance in Berlin.

(Foto: picture-alliance)

Kunstgalerie Berta Fischer – zwischen Kunst und Handel

Berta Fischer ist eine eigenwillige Künstlerin. Sie schafft filigrane Skulpturen und führt zugleich die Galerie Konrad Fischer in Düsseldorf und Berlin.
  • Daghild Bartels
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BerlinAls Konrad Fischer 1996 starb, war seine Düsseldorfer Galerie längst weltberühmt und legendär. Und alle stellten die bange Frage: Wie geht es weiter? Damals entschied sich seine Frau Dorothee Fischer, das auf Minimal- und Konzeptkunst spezialisierte Haus mit prominenten Künstlern wie Carl Andre, Bruce Nauman, Sol LeWitt, Richard Long, Laurence Weiner und verwandten Positionen weiterzuführen. Das gelang ihr bravourös.

Sie erweiterte den Aktionsradius der Galerie und eröffnete 2007 eine Dependance in Berlin. 200 Werke der privaten Sammlung Dorothee und Konrad Fischer gingen 2016 an die Kunstsammlung NRW. Die eine Hälfte wurde vom Museum käuflich erworben, die andere war ein Geschenk von den beiden Kindern der Fischers. Dazu kam das komplette wertvolle Archiv der Galerie. Seit dem 5. September werden Teile dieses Archivs mit der Wiedereröffnung des K21 erstmals dauerhaft dort zu sehen sein.

Als Dorothee Fischer 2015 starb, hieß die Frage abermals: Wie geht es weiter? Tochter Berta Fischer entschied sich, die Verantwortung für die traditionsreiche Galerie zu übernehmen. Das war sorgsam geplant, zusammen mit ihrer Mutter hatte sich die Tochter zwei Jahre lang auf die Aufgabe vorbereitet.

Kein normaler Generationswechsel jedoch, denn der Entschluss, die Direktion der beiden Galeriestandorte zu übernehmen, war nicht nur die Entscheidung für ein berühmtes Erbe. Es war auch der Wille zu einem künftigen Leben in Doppelexistenz. Denn Berta Fischer ist auch Künstlerin – und will es bleiben. Kann das funktionieren?

„Die Frage ist typisch deutsch“, antwortet sie, als wir uns in ihrem Berliner Atelier treffen. „Hierzulande denkt man zu viel in Schablonen, in den USA gibt es diverse Galerien, die von Künstlern betrieben werden.“ Aber hatte nicht ihr Vater einst auch als Künstler (unter dem Namen Konrad Lueg) begonnen, die Künstlerkarriere dann jedoch zugunsten der Galerie aufgegeben?

„Das ist für mich kein Vorbild“, betont sie, „was ich aber von meinen Eltern gelernt habe, ist die Liebe zu Kunst und Künstlern und eine klare Haltung“, also kein Kniefall vor dem Geld. In puncto Galeriedirektion hat sie bereits einen spektakulären Coup gelandet: Für die Berliner Dependance fand sie ein neues, faszinierendes Domizil. Ein kleines, altes Umspannwerk in Kreuzberg von 1905, das nach denkmalgerechter Renovierung demnächst eröffnet wird.

Lieblingsmaterialien: Acrylglas, Plexi und PET

Doch zunächst spricht die Künstlerin. In ihrem Atelier in Weißensee erzählt sie inmitten verstreut herumliegender Materialreste, Modelle, Zeichnungen über ihre Arbeit, genauer über die Herstellung ihrer höchst eigenwilligen Skulpturen; einige sind schon bereit für die Frieze-Messe in London. Fischers bevorzugte Materialien sind Acrylglas, Plexi und PET, aus dem die Plastikflaschen sind.

Aus diesen Werkstoffen lässt sie bizarre, anmutig-poetische, grazile Skulpturen erwachsen, die im Raum oder an der Wand als abstrakte visuelle Gedichte ihre dramatische Wirkung entfalten. Virtuos, mit feinem Gespür für Rhythmus, wird die Werkstofffläche durch raffinierte Schnitte zu Faltungen, Biegungen, Spiralen oder bedrohlich spitzen Auswüchsen geformt.

Schier unendlich erscheint Fischers Erfindungsreichtum. Eine Kunststoff verarbeitende Firma besorgt unter ihrer Regie durch starke Erhitzung des Materials den Transformationsprozess aus der Fläche in die dritte Dimension. Neben dem Umformungsprozess kommt den Farben eine zentrale Rolle zu. Fischer lässt die Plexiplatten einfärben, in Knallrot, Neongelb, Neongrün, fluoreszierend Richtung Lila oder Metallic.

Im Zuge der Schneidungen, Faltungen und Biegungen entstehen Kanten, die in differenzierenden Neonnuancen leuchten und den Skulpturen eine wirkungsvolle Kontur und eine attraktive Zusatzdimension geben. Transparenz, Leichtigkeit und Farbexplosion sind die Kennzeichen der Arbeiten Berta Fischers, die inzwischen auch mit anderen Materialien wie Netzen, Latex, Watte und LED-Licht experimentiert. Heute wird sie von den Galerien Barbara Weiss (Berlin), Karin Günther (Hamburg) und James Fuentes (New York) vertreten.

Die Entscheidung, Künstlerin zu werden, traf sie früh und wurde darin von der Mutter unterstützt. Um nicht zu eng mit der Galerie verbunden zu werden, studierte sie Medienkunst in Karlsruhe, schwenkte aber sofort Richtung Skulptur um. Im Jahr 2000 zog sie nach Berlin, wo sie mit ihren beiden Kindern lebt.

Die neue Aufgabe, die beiden Galeriestandorte zu leiten, provozierte nie Zweifel, eher Zeitprobleme, verrät die zierliche Frau. Doch sie meistert das selbstbewusst. In Planung und Programm ist sie voll involviert, nimmt an allen Vernissagen in beiden Städten teil, auf Messen ist sie am Stand, bei der täglichen Arbeit kann sie sich auf ihre Direktoren und ihr Team verlassen, erklärt sie gelassen.

Ein- bis zweimal im Monat fährt sie nach Düsseldorf. Die Programmlinie ihrer Eltern verfolgt sie selbstverständlich weiter, zumal die Künstler, inzwischen weltberühmt, loyal zur Galerie stehen. Behutsam wird die Liste durch jüngere Künstlerinnen wie Edith Dekyndt oder Alice Channer ergänzt. Kontinuität ist somit gesichert.

Dass Jüngere hinzukommen, findet sie nur natürlich, da jeder Galerist eher Zugang zu seiner eigenen Generation hat. Außer der prominenten Künstlerriege hat sie von ihren Eltern auch eine große Portion Idealismus geerbt, den sie sich bewahren will. Das kann sie auch, denn, wie sie beglückt verrät, „die Galerie ist weiter auf Erfolgskurs“.

Den Umzug an den neuen Standort bezeichnet Fischer als „bewusstes Statement für Berlin“. Die Stadt gewinnt damit einen nicht alltäglichen, spektakulären Kunstort dazu, der mit 450 Quadratmetern für eine Galerie generös ausfällt. Zum letzten Gallery Weekend war der Bau schon für einige Tage zu besichtigen, und die Massen strömten herbei.

Die drei Etagen waren programmatisch eingerichtet als Fingerzeig auf die Geschichte der Konrad Fischer Galerie mit Arbeiten von Carl Andre und Manfred Pernice. An der Außenfassade findet sich ein typisches Schriftbild von Laurence Weiner. Der Charme des Gebäudes soll so weit als möglich erhalten bleiben, wenn die Galerie dort im Herbst oder Winter eröffnet, wieder programmatisch-symbolisch mit Richard Long.

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