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Kunstgewerbe aus der Sammlung De Leye bei Lempertz Hohe Schätzpreise verschrecken die Sammler

Auch wenn das Paradestück zurückgezogen wurde und viele Lose an der unteren Schätzung blieben: Rar gewordene Objekte finden ihre Käufer.
22.07.2021 - 09:58 Uhr Kommentieren
Die tragbare, mit musizierenden Engeln bemalte Tischorgel übernahm ein britischer Sammler für 118.750 Euro. Quelle: Lempertz
„Bibelregal“ aus dem 16. Jahrhundert

Die tragbare, mit musizierenden Engeln bemalte Tischorgel übernahm ein britischer Sammler für 118.750 Euro.

(Foto: Lempertz)

Köln Es war eine kontrastreiche Auktion geprägt von Konsum und zugleich von Abstinenz. Die am 15. Juli bei Lempertz versteigerte Sammlung des belgischen Kunsthändlers Bernard De Leye war in ihren Spitzenstücken dem französisch-belgischen Geschmack verpflichtet – einer Vorliebe für Silberobjekte und Kunstkammerstücke. Doch die Schätzpreise für das von den Brüsseler Messen bekannte vergoldete Silber des französischen Rokoko und Klassizismus erschienen wohl manchem Sammler zu hoch.

Der Handel hielt sich auf breiter Front zurück. Über weite Strecken der Versteigerung bedienten sich ausgiebig belgische Sammler, die in der Brüsseler Lempertz-Dependance saßen und deren Gebote telefonisch nach Köln übermittelt wurden. Der Gesamterlös liegt nach Angaben des Hauses bei 5,3 Millionen Euro.

Die vierstündige Auktion hatte ihre besten Momente, als die ersten hundert der insgesamt 266 Lose ausgeboten wurden. „Für die mittleren Objekte gab es schon im Vorfeld dichte Gebote“, gab Lempertz-Chef Henrik Hanstein zu Protokoll.

Einen Dämpfer gab es schon im Voraus, als der Auktionator verkündete, dass De Leye das kulturhistorische Paradestück dieser Versteigerung, das von Papst Sixtus V. dem Medici-Großherzog Ferdinand I. gewidmete Stundenglas in Silbermontur, aus der Auktion zurückgezogen hatte.

Doch andere Objekte, die in internationalen Auktionen rar geworden sind, fanden ihre Käufer. Dazu gehören im 12. und 13. Jahrhundert in Limoges mit Email in Grubenschmelz-Technik dekorierte Bronzeobjekte. Ein der Kunst des Mittelalters verbundener belgischer Sammler sicherte sich vier dieser exemplarischen Arbeiten, von denen die teuerste für 125.000 Euro brutto zugeschlagen wurde: eine vergoldete Schale mit dem Lilienwappen der französischen Könige.

Ein belgischer Sammler übernahm für 325.000 Euro den aus dem Kloster Einsiedeln stammenden Tragaltar. Als Urheber vermutet man den Bernsteinschneider Christoph Maucher. Quelle: Lempertz
Barocker Hausaltar

Ein belgischer Sammler übernahm für 325.000 Euro den aus dem Kloster Einsiedeln stammenden Tragaltar. Als Urheber vermutet man den Bernsteinschneider Christoph Maucher.

(Foto: Lempertz)

Viele Lose blieben an der unteren Schätzung, aber es gab auch Ausreißer. Zu ihnen zählen eine südniederländische Tapisserie des frühen 16. Jahrhunderts, die durch einen Londoner Bieter von 10.000 auf 87.500 Euro stieg; oder das Pulvergefäß aus Hirschhorn mit dem Relief „Tod der Lucretia“, das von einem skandinavischen Sammler mit 37.500 auf das Zehnfache der Taxe gehoben wurde.

Erstaunlich ist das Scheitern eines um 1560 mit Passionsszenen gravierten Elfenbeinhorns mit adliger Würzburger Provenienz, das auf mindestens 600.000 Euro geschätzt war. Zum Ausgleich übernahm ein belgischer Sammler für 325.000 Euro einen aus dem Kloster Einsiedeln stammenden barocken Hausaltar, ein makelloses leuchtendes Exemplar, als dessen Urheber der Bernsteinschneider Christoph Maucher vermutet wird.

Das rarste Los der Auktion war eine tragbare, mit musizierenden Engeln bemalte Tischorgel. Dieses sogenannte „Bibelregal“ des 16. Jahrhunderts stammt aus dem zerstörten Brüsseler Berlaymont Convent. Ein britischer Sammler setzte 118.750 Euro ein und ließ sich unmittelbar danach noch das 1671 datierte Gästebuch dieses Klosters für 47.500 Euro zuschlagen. Eine belgische Stiftung ersteigerte für 75.000 Euro eine mit römischen Silbermünzen besetzte Antwerpener Silberschale von 1595.

Stark gefragt war das in vergoldeter Bronze montierte chinesische Weißporzellan, dem sogenannten „Blanc de Chine“. Hier gab es allerdings den sechsstellig bezifferten Rückläufer einer Götterfigur in der von Deutschen und Chinesen bebotenen Strecke. Zwei charakteristische Löwen der Periode Kangxi (1662 - 1722) erlösten 23.500 Euro. Das nachfolgende Sèvres-Porzellan wurde komplett abgesetzt.

Beim Silber gab es für niedrig geschätzte Lose keine Probleme. Aber chancenlos blieben Prunkstücke wie das vergoldete, von F.-Th. Germain für Madame Pompadour geschaffene Becken (Taxe 250.000 bis 300.000 Euro). Gleiches gilt für die auf mindestens 180.000 Euro angesetzten Salzgefäße von J.-B.F. Chéret, für vergoldete Empire-Schüsseln, das 234-teilige Besteck der Marquise de Pomereu, ein Reiseservice und diverse Weinkühler.

Ein Prestigeverlust für den Einlieferer war auch der Rückgang des von dem Louis XV-Silberschmied F.-Th. Germain als Segelboot gearbeiteten Schreibzeugs, für das mindestens 700.000 Euro erwartet wurden. Zurückhaltung, wenn nicht sogar Boykott französischer Kunden, aber auch ein Geschmackswandel, der Prunksilber meidet, könnten der Grund für diese Dämpfer sein.

Im Kontrast dazu wurde ein anderes Hauptstück, das 1770 von Chéret für den Marquis und die Marquise von Montmelas gearbeitete Kanne mit Becken unterhalb der Schätzung zum Hammerpreis von 900.000 (Brutto 1,1 Millionen Euro) einem belgischen Telefonbieter zugeschlagen.

Ein teilvergoldetes Trinkgefäß in Hirschgestalt mit Stuttgarter Meistermarke ging gegen Online-Gebote für 262.500 Euro in den Besitz eines Belgiers. Er hatte vorher bereits für 206.250 Euro einen dem Antwerpener Bildhauer Mattheus van Beveren zugeschriebenen Gekreuzigten Christus in Elfenbein erworben.

Das Gefäß mit den Marken des Goldschmieds J.-P. Brateau und des Emailleurs Paul Grandhomme wurde für 150.000 Euro vom Handel übernommen. Quelle: Lempertz
Goldbecher aus dem französischen Jugendstil

Das Gefäß mit den Marken des Goldschmieds J.-P. Brateau und des Emailleurs Paul Grandhomme wurde für 150.000 Euro vom Handel übernommen.

(Foto: Lempertz)

Viele andere Skulpturen des „Corpus Christi“ fielen durch. Teuerste Elfenbein-Arbeit wurde ein delikat graviertes Relief mit der Schindung des Marsyas durch Apoll, das dem Brüsseler Francois van Bossuit zugeschrieben ist und für 212.500 Euro in belgischen Privatbesitz wechselt.

Ein Museum war der Unterbieter bei dem Goldbecher des französischen Jugendstils mit den Marken des Goldschmieds J.-P. Brateau und des Emailleurs Paul Grandhomme. Er wurde für 150.000 Euro vom Handel übernommen. Ausnahmslos belgische Käufer begeisterten sich für die Bilder einheimischer Symbolisten, die bis 55.000 Euro erlösten und wie schon die Berliner Symbolismus-Ausstellung zeigte, ein Magnet des Zeitgeschmacks sind.

Mehr: Auktion bei Lempertz: Waschzeug für die Geliebte: Kunstgewerbliche Raritäten zum Angeben

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