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Kunstmarkt Auktionen in Paris bringen mehr als eine Milliarde Euro ein

Die Umsätze der Pariser Auktionshäuser sind 2018 leicht zurückgegangen, liegen aber weiterhin auf hohem Niveau. Marktführer Christie‘s verlor seine Spitzenposition.
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Paris Mit einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro im Vorjahr signalisieren die Pariser Auktionshäuser Stabilität. Ihre Jahresbilanz liegt knapp unter der des Jahres 2017.

Die stattliche Summe von 1,2 Milliarden Euro als Gesamtumsatz aller Pariser Auktionshäuser beweist die statistische Stabilität des Auktionsmarktes in der Seine-Stadt. Im Verhältnis zum Jahr 2017 verzeichnete man eine Reduzierung um rund 100 Millionen Euro. Die 62 im Versteigerungs-Gebäude Hôtel Drouot vereinigten Auktionshäuser setzten 376 Millionen Euro mit 1.078 Versteigerungen um. Erfreut stellt man fest, dass die Damen und Herren des Drouot-Verbands endlich die anachronistische Tradition der Nettopreise aufgegeben haben.

Wie in den letzten Jahren führen die internationalen Häuser das Pariser Ranking an. Sotheby‘s platziert sich mit 251,4 Millionen Euro vor der Konkurrenz. Rechnet man die Oldtimer-Auktion von RM Sotheby‘s dazu, die 23,8 Millionen Euro einfuhr, ergibt das 275,2 Millionen Euro für die Pariser Sotheby‘s Niederlassung. Sie feiert ihre fünfzigjährige Präsenz in Frankreich und ihre zwanzigjährige Auktionstätigkeit in Paris.

Immobilien und Yachten im Portfolio

Christie‘s war drei Jahre lang Marktführer in Paris, verlor aber 2018 die Spitzenposition, denn das Haus von François Pinault versteigerte in Paris „nur“ für 234,3 Millionen Euro. Das sind 108 Millionen Euro weniger als im Jahr davor. Vermutlich privilegiert der in London residierende Christie‘s CEO, der Franzose Guillaume Cerutti, den New Yorker beziehungsweise Londoner Markt und verlagert die Spitzenware dorthin.

Das rein französische Auktionshaus Artcurial gibt 195,3 Millionen Euro Auktionsumsatz bekannt, was eine leichte Verbesserung im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Der imposante Sitz des Hauses Artcurial, direkt am Rond Point der Avenue des Champs Elysée gelegen, wurde durch die Demonstrationen und Ausschreitungen der Gelbwesten im Dezember in seiner Tätigkeit eingeengt. Das ist kein allzu großes Problem, denn für die Gruppenstrategie des Generaldirektors Nicolas Orlowski hat das Auktionshaus Artcurial nur eine untergeordnete finanzielle Bedeutung.

Artcurial gehört zur Luxusgruppe, die ein breites Spektrum bedient: Sie besitzt die Rennpferde-Auktionsfirma Arqana (mit dem Aga Khan) in Deauville und die Immobilienfirma John Taylor, welche ab Anfang dieses Jahres in Monaco die „John Taylor Yachting“ lanciert. Für die Yacht-Verkäufe und Vermietungen stützt man sich auf das in Monaco gut eingeführte Unternehmen Seaminds. Die Flugzeughersteller-Familie Daussault ist übrigens Hauptaktionär von Artcurial.

Die Auktionshäuser Pierre Bergé & Associés setzten 44 Millionen Euro um; Tajan folgt mit 37,2 Millionen Euro, wogegen Piasa mit 29 Millionen Euro weit unter dem Ergebnis des Jahres 2017 lag. Bonham‘s versteigerte wie immer Gebrauchtwagen und Oldtimer in Paris ohne die Ergebnisse bekanntzugeben. Schätzungsweise liegen sie bei 15 bis 20 Millionen Euro.

In dieser Preiskategorie rangiert der Pariser Höchstzuschlag des vergangenen Jahres, eine chinesische Vase Yangcai mit dem Stempel des bedeutenden Kaisers Qianlong, für die Sotheby‘s sensationelle 16,2 Millionen Euro einkassierte. Angeblich befand sich die Vase jahrzehntelang in einer Schuhschachtel.

Der Altmeistermarkt dünnt aus

Der zweithöchste Pariser Jahresauktionspreis geht ebenfalls auf das Erfolgskonto von Sotheby‘s für ein Gemälde von Kazuo Shiraga, „Takao“ von 1959. Es setzt mit 8,7 Millionen Euro einen neuen Auktionsweltrekord und hebt das Jahresergebnis der Abteilung für zeitgenössische Kunst auf 82,9 Millionen Euro an. Ein frühes Bild des kanadischen Malers Jean-Paul Riopelle profitiert von der in Quebec begonnenen und nun in der Bretagne in der Stiftung Leclerc laufenden Ausstellung des Malerpaars Joan Mitchell und Jean-Paul Riopelle. „Forestine“ von 1954 wurde mit 4,3 Millionen Euro bewertet (Sotheby‘s).

8,3 Millionen Euro war einem Käufer das starke Kolorit von Nicolas de Staël, „Fleurs“ bei Christie‘s wert. Artcurial kam unterdessen mit einer im dunklen Farbduktus gehaltenen Entdeckung von Vincent van Gogh, „Netzflickerinnen in den Dünen“ von 1882, auf sieben Millionen Euro.

Der früher in Paris so florierende Altmeistermarkt dünnt sich nahezu erschreckend aus. Allerdings konnte Christie‘s mit einem bezaubernden, feinsinnigen Frauenporträt „Gesicht einer Heiligen“ von Bernardino Luini aufwarten. Es erzielte 1,2 Millionen Euro. Kein Vergleich mit dem Weltrekord für ein Gemälde in Höhe von 450,3 Millionen Dollar. Denn einige Kunsthistoriker meinen, Luini hätte 80 Prozent des „Salvator Mundi“ gemalt, dagegen sollen bloß 20 Prozent von Leonardo da Vincis Hand stammen.

Im Hôtel Drouot, wo sich die Manuskript- und Buchversteigerungen der Sammlung Aristophil infolge einer immensen Betrugsaffäre über mehrere Jahre hinziehen, sorgte ein illuminiertes Stundenbuch, ein „Livre d‘ heures de Rome“ mit 4,3 Millionen Euro für den höchsten Preis. Den Hammer schwang Jean-Claude Aguttes.

Letzterer setzte sich überdies mit einem Marketing-Gag in Szene, als er im Eiffelturm ein Dinosaurier-Skelett für zwei Millionen Euro versteigerte. Mehrmals verzeichneten die üblicherweise von Binoche & Giquello organisierten Auktionen mit Diplodokus, Allosaurus und anderen Millionen Jahre alten Tierskeletten Zuschläge von 1,4 Millionen Euro.

Bei den Sammlerautos lagen die besten Zuschläge bei 3,3 Millionen für einen Bugatti Chiron von 2017 (RM Sotheby‘s) beziehungsweise 3,1 Millionen Euro für einen Mercedes Benz 300 SL Roadster von 1963 bei Artcurial. „Die Preise für Sammlerautos stiegen von 2005 bis 2015 rasant an“, erklärt Matthieu Lamour, Direktor von Artcurial Motorcars, „aber seither stagnieren sie“.

Umsatzplus für Onlineauktionen

Alle französischen Versteigerer kämpfen um Auktionen von Sammlungen berühmter Namen, die als Zugpferde dienen. Für das Inventar von Pierre Bergés vier Häusern setzte sich diesmal Sotheby‘s mit allen Kräften ein und machte Bergés Nachlass mit 27,4 Millionen Euro zur höchst dotierten Sammlung des Vorjahres. Wie oft bei Hausrats-Auktionen fanden sämtliche Lose Abnehmer.

Noch ein Wort zur Entwicklung der Onlineauktionen, die von Jahr zu Jahr größere Umsätze verzeichnen. Drouot verbesserte ihren wertmäßigen Umfang um zehn Prozent auf 9,4 Millionen Euro. Christie‘s Live konnte das Gemälde „Peinture 97 x 130 cm, 5 juin 1962“ des 99-jährigen Pierre Soulages für 2,6 Millionen Euro im Netz versteigern.

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