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Kunstmarkt Das koloniale Erbe belastet das „Africa Museum“ in Belgien

In Tervuren bei Brüssel hat das „Africa Museum“ eröffnet. Die Ausstellung bleibt allerdings umstritten – und die Präsentation der Sammlung enttäuscht.
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Die drei Meter hohe Kopfskulptur „New breath, or Burgeoning Congo“. Quelle:  RMCA, Tervuren, photo Jo Van de Vijver
Aimé Mpane

Die drei Meter hohe Kopfskulptur „New breath, or Burgeoning Congo“.

(Foto:  RMCA, Tervuren, photo Jo Van de Vijver)

TervurenNeuerdings wird das neue Museum vereinfachend kurz „Africa Museum“ genannt, aber einfach ist an dem Projekt ansonsten gar nichts. Denn die Wiedereröffnung des früheren „Kongo-Museums“ im Park des Brüsseler Vororts Tervuren traf mitten in der europaweiten Restitutionsdebatte über afrikanische Kulturgüter natürlich auf besonders reges kritisches Interesse.

Die Neu- und Umbauten des vor 120 Jahren vom belgischen König Leopold II. gegründeten Museums sind ohne Zweifel gelungen, aber die Präsentation der vielseitigen, meist aus der Kolonialzeit stammenden Sammlungen enttäuscht.

„Wir wurden oft als das letzte Kolonialmuseum der Welt bezeichnet“, erklärte Generaldirektor Guido Gryseels die Institution, die aber gleichzeitig nicht nur „Africa Museum“, sondern immer noch „Königliches Museum für Zentralafrika“ (KMZA) heißt. So wie der Name des Museums bleibt auch die inhaltlich-ideologische Ausrichtung ambivalent.

Obwohl Gryseels seit seiner Ernennung im Jahr 2001 die Neuorientierung des als koloniales königliches Propagandainstrument konzipierten Museums plante. Die zusätzlichen Bauten, die während der fünfjährigen Schließung entstanden, bieten den Besuchern 11.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, ein Restaurant und den Museumsshop.

Eigentlich sollte ein neues Konzept für das gesamte Museum entstehen, das heißt, eine inhaltliche Veränderung und eindeutige Distanzierung von der kolonialen Vergangenheit war gewünscht. Der Diskurs tendiert zwar zur ideologischen Neupositionierung, die Realität hinkt aber gewaltig nach. Die Dauerausstellung wurde vom 80-köpfigen wissenschaftlichen Museumsteam überdacht und teilweise neu präsentiert.

Die thematische Anordnung in den Sälen ist aber oftmals verwirrend. Denn so leicht kann ein Team nicht über den kolonialen Schatten springen, wie der Direktor behauptet. Das Haupthindernis stellt der Denkmalschutz dar, der die Gebäude, die riesigen illustrativen Fresken in den Sälen und sogar die Vitrinen betrifft. Was vor der Schließung des Museums als zwar unzeitgemäß, aber charmant-verstaubt erschien, erweist sich als museale Zwangsjacke, die eine didaktisch überzeugende Neupräsentation behindert.

Eine völlige Neupositionierung wäre nur unter Verzicht auf den bedeutenden naturhistorischen Teil des Museums möglich gewesen. Das stand nicht zur Diskussion. Der Gründerkönig Leopold II. wollte die Fauna und Flora Kongos, die er lange Zeit als sein Privateigentum ausgebeutet hatte, in Brüssel-Tervuren zeigen: vom Elefanten über Krokodile bis zu Löwen, Vögeln und Palmen. Als speziell belgischen, surreal-humoristischen Gag darf man wohl verstehen, dass jetzt viele Tiere auf (und nicht in) den Vitrinen stehen.

Gut präsentiert ist die älteste Holzmaske der Menschheitsgeschichte (8. oder 9. Jahrhundert). Die afrikanischen Masken, Elfenbeinschnitzereien und ethnischen Gebrauchsgegenstände sind auf viele Vitrinen verteilt. Ein einziger Saal konzentriert sich auf dieses Kulturgut, weil seine Provenienzen nicht immer geklärt sind.

Der König kommt nicht

Ein Novum ist die Einbindung zeitgenössischer afrikanischer Künstler, darunter der gut drei Meter hohe Kopf aus Holzlatten von Aimé Mpane, der im früheren Rotunden-Eingang steht.

Der belgische König Philippe gab im Vorfeld bekannt, dass er wegen der ungeklärten Restitutionsfragen nicht zur Eröffnung erscheine. Was Direktor Gryseels allerdings dem Handelsblatt gegenüber mit „mangels möglicher Sicherheitsvorkehrungen“ wegen der Verspätung der Anordnung der Exponate herunterspielt.

Übrigens ist die Zufahrt mit der Straßenbahn von Brüssel aus erheiternd und erstaunlich, denn nach den Villenvierteln fährt die Tram einfach durch den Wald, bis sie zum Park von Tervuren, dem ehemaligen Jagdrevier der Herzöge von Brabant, gelangt.

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