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Kunstmarkt Die Art Düsseldorf punktet mit Überschaubarkeit

Die Macher der Kunstmesse vertrauen bei ihren Ausstellern meist auf bekannte Namen. Auf Experimente verzichten sie lieber. Schauplatz ist das Fabrikareal Böhler.
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ist mit den weißen Figuren von Naufus Ramírez-Figueroa ein Hingucker besonderer Güte. Quelle: Art Düsseldorf; Foto: Sebastian Drüen
Der Stand von Mendes Wood DM, Proyectos Ultravioleta und Sies & Höke

ist mit den weißen Figuren von Naufus Ramírez-Figueroa ein Hingucker besonderer Güte.

(Foto: Art Düsseldorf; Foto: Sebastian Drüen)

Düsseldorf Der fantastischste Stand bei der dritten Ausgabe der Kunstmesse „Art Düsseldorf“ (bis 17.11.) ist wieder einmal Sies + Höke gelungen. Diesmal liefert Malerberserker Jonathan Meese der Düsseldorfer Galerie eine betretbare Bodenarbeit, die zunächst wild gekleckst wirkt. Ein Irrtum, man muss nur die richtige Perspektive einnehmen. Dann erkennt der Besucher, dass der Künstler eigens für die Messe „einen sich biegenden, feuerroten Drachen mit dünner Farbe gegossen hat“, sagt Nina Höke.

An den Wänden darum hängen zwei weitere, eher brave Drachenbilder von Meese für je 50.000 Euro. Und etwas weiter weg ein Farbfoto des sehr angesagten Julius von Bismarck, auf dem der nahende Waldbrand und das Löschpulver die abgebildeten Tannennadeln in ein totes Gelb verwandelt haben (22.000 Euro).

Alexander Sies und seine Frau Nina Höke sind so etwas wie Platzhirsche. Denn sie sind durch Kooperationen an zwei weiteren Ständen beteiligt. Besonders gelungen ist der Auftritt von Naufus Ramírez-Figueroa. Der 41-jährige Guatemalteke wird von Mendes Wood DM, Proyectos Ultravioleta und Sies + Höke vertreten. Vor grünem Hintergrund sind weiße Figuren platziert, die wie in Traumsequenzen ein Massaker an der indigenen Bevölkerung reflektieren. Damals hatten Minenarbeiter wegen eines Staudamms weichen müssen. Die kleinen Ensembles kosten zwischen 12.000 und 22.000 Dollar ohne Mehrwertsteuer.

Legendäre Galeristin

Juana de Aizpuru ist Erstausstellerin auf der Art Düsseldorf und hat dafür, so sagt sie, auf die „Frieze“ in London verzichtet. Die spanische Galeristinnenlegende mit dem feuerroten Schopf setzt sich sehr für ihre deutschen Künstler ein: Georg Herold, Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Markus Oehlen. Für ein großes unikates Foto einer für Wolfgang Tillmans eher untypischen Blumensinfonie in Gelb verlangt Aizpuru 100.000 Dollar netto.

Cristina Guerra aus Lissabon hat ebenfalls Verbindungen in die deutsche Kunstszene. Sie vertritt die Konzeptkünstlerin Sabine Hornig. Deren Fotografien bilden auffällige Strukturen ab oder legen die Schichten unsere (Industrie-)Geschichte durch Sandwichaufnahmen frei. Das in einer Sechserauflage edierte große Farbfoto zur Nähmaschinenfabrik „Pfaff“ kostet 25.300 Euro.

Zu finden ist das mit Pigment auf Nessel gearbeitete Bild bei Petra Rinck. Quelle: Foto: Achim Kukulies
Jörn Stoya „Père Lachaise, hello goodbye II“

Zu finden ist das mit Pigment auf Nessel gearbeitete Bild bei Petra Rinck.

(Foto: Foto: Achim Kukulies)

Abgesehen von einer einfallslosen, vielleicht noch unfertigen Hängung bei Axel Vervoordt und bei Tina Keng gibt sich die junge Herbstmesse mit nur knapp 100 Galerien selbstbewusst und aufgeräumt. Fast durchgängig setzen die Aussteller auf bekannte Namen und etablierte Größen. Zu Experimenten ist zurzeit niemand aufgelegt. Zu wichtig sind die Verkäufe.

Messemitgründer Walter Gehlen ist zufrieden: „Wir haben ein gesundes Fundament geschaffen, die Art Düsseldorf inhaltlich weiterzubringen.“ Er hat dafür Partnerschaften mit Privatsammlern in der Region geschlossen, die als Rhineland Independent auftreten. Gehlen hat, befördert durch die strategische Partnerschaft mit den britischen Messemachern Sandy Angus und Tim Etchells, Sammler in Japan getroffen. So konnte er den Sammler Daisuke Miyatsu als Talkgast gewinnen. Gehlen hat sich in Polen umgeschaut und junge polnische Galerien auf einen Gemeinschaftsstand eingeladen.

Blüten aus Gartenschaufeln

Die Galerien David Zwirner, Rupert Pfab und Ludorff sind nicht mehr mit dabei. Dafür haben sich Rüdiger Schöttle und die Galerie nächst Sankt Stephan für einen Auftritt im kunstsinnigen Rheinland entschieden.

Die Galerie Liang aus Taipeh lockt mit Objekten aus deutsch-chinesischen Wörterbuchseiten und Goldmalerei unter Plexiglas. Die Serie aus Vasen von Jam Wu soll 36.500 Euro kosten.

Beck & Eggeling feiern dieses Jahr 25-jähriges Jubiläum. Deshalb sind inmitten von zeitgenössischer Kunst Heinz Macks Gemälde „Blaue dynamische Struktur“ von 1959 (570.000 Euro brutto) und seine florale Stele von 1964 die Augenfänger. Deren Blätter hat Mack ganz praktisch aus kleinen Gartenschaufeln gebildet (230.000 Euro brutto).

Knoell aus Basel hat das teuerste Gemälde der Messe in ein Seitenkabinett gehängt. Alberto Giacometti akzentuiert in dem Küchenstillleben von 1949/50 seine typischen Braun- und Grautöne – ganz außergewöhnlich – mit roten und gelben Linien. Das von ihm selbst hochgeschätzte Bild soll 3,8 Millionen Euro kosten. Mitgebracht hat es der junge Galerist, weil einst Werner Schmalenbach, Gründungsdirektor der Kunstsammlung NRW, hiesige Sammler von Giacomettis Bedeutung überzeugte.

Laminierte Plastiktüten am Stand der Galerie Rehbein. Quelle: Thomas Rehbein Galerie, VG Bild-Kunst
Anna Lena Grau „Medusen“

Laminierte Plastiktüten am Stand der Galerie Rehbein.

(Foto: Thomas Rehbein Galerie, VG Bild-Kunst)

Die meisten Kunstwerke liegen im vier- bis fünfstelligen Bereich, wie etwa Wim Wenders’ Fotografien aus den USA und Erika Hocks Objekte, die kunstvoll zwischen Bild und Skulptur changieren.

Aeneas Bastian hat seinen Stand mit Wenders’ Lichtbildern klug rhythmisiert. Einem über vier Meter langen Shopfrontfoto aus Montana, das ohne Menschen auskommt und so melancholisch wirkt wie die Bilder von Edward Hopper, antworten stimmungsvolle Landschaftspolaroids. Die „Street-Front“ im XXL-Format in einer Sechserauflage liegt bei 42.800 Euro brutto. Mit 2.400 Euro brutto wenden sich die Polaroids an Einsteiger.

Cosar HMT ermöglicht den bildartigen Objekten der aufstrebenden Erika Hock einen großen Auftritt. Ihre Arbeiten aus der Serie „Salon Tactile“ bestehen aus mehreren Reihen farbiger Fäden, die sich beschwingt im Wind bewegen, wenn jemand vorbeigeht (bis 8.500 Euro).

Zukunft des Schmelahauses

Petra Rink setzt auch auf Farbe. „Père Lachaise, hello goodbye II“ von Jörn Stoya kombiniert kraftvolle Pigmentrechtecke auf Nessel (7.700 Euro). Für eine unbetitelte Skulptur färbt Jugoslav Mitevski den Beton taubenblau (3.400 Euro).

Weit über die Messe hinaus weist eine Nachricht, die zwei ihrer Aussteller zusammenbringt. Die Kunstsammlung NRW hat verkündet, wer das für ein Museum ungeeignete Wohn- und Geschäftshaus von Alfred Schmela mieten wird. Ab Sommer 2020 werden Vater und Sohn Mayer mit ihren geschäftlich getrennten Galerien das denkmalgeschützte Schmelahaus bespielen.

Hans Mayer wird dabei mit seinen älteren Künstlern die Kunstgeschichte in den Fokus rücken. Max Mayer will die Künstler seiner Generation nach vorne bringen, auf dass auch sie in die Kunstgeschichte eingehen.

Mehr: Frieze und Frieze Masters: Lesen Sie hier zum Vergleich, wie die Londoner Prestigemessen für zeitgenössische Kunst aufgestellt waren

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