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Kunstmarkt Diese Zwillingsschwestern malen ihre Werke nur gemeinsam

Irina und Marina Fabrizius haben ihre ganz eigene Art von Kunst entwickelt. Sie haben großen Erfolg damit – und wollen nun ins Museum of Modern Art.
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Das Zwillingsdasein ist Teil ihres Erfolgsgeheimnisses. (Foto: Ben Hermanni)
Marina (r.) und Irina Fabrizius

Das Zwillingsdasein ist Teil ihres Erfolgsgeheimnisses.

(Foto: Ben Hermanni)

DüsseldorfMein und Dein gibt es im Leben von Irina und Marina Fabrizius (37) nicht mehr. Nur noch das Wir und das Unser. Früher war das anders, da durfte die eine der anderen nicht ins Bild malen. Nur ihre Ölfarben nutzten sie gemeinsam. Heute malen sie ihre Bilder zusammen. Immer. „Wir haben unser Ego als Künstlerinnen aufgegeben“, sagt Marina Fabrizius. „Für uns ist es selbstverständlich, von unseren Bildern zu sprechen.“

Wenn Irina die stark verdünnte Ölfarbe auf die Leinwand aufträgt und ihre Zwillingsschwester sie mit schnellen Pinselstrichen auf dem Leinenstoff verteilt, ist es beinahe, als würde nur eine Künstlerin an dem Werk arbeiten. In der Kunst sind die Düsseldorfer Zwillingsschwestern zu einer Einheit verschmolzen. „Meine Schwester hat die gleiche Handschrift wie ich und sieht das Bild so, wie ich es sehe“, sagt Irina Fabrizius. „Malte sie allein, würde das identische Bild entstehen.“

Doch genau das ist nicht möglich, zumindest nicht in der Größe von zwei mal zwei Metern oder zwei mal anderthalb Metern, in der die beiden Künstlerinnen arbeiten. Sie haben eine Art von Kunst entwickelt, die sie beide braucht. Ihre großformatigen Darstellungen von abstrakten Landschaften entstehen in einer aufwändigen Lasurmalerei, in der sich 16 bis 20 Farbschichten überlagern. Ohne vier Hände, die parallel an einem Bild arbeiten, wäre sie in dieser Perfektion nicht möglich, denn die Farbe würde zu schnell auf der Leinwand auftrocknen.

Aus dieser Einheit haben die Schwestern ihr Markenzeichen gemacht. Seit ihrem Abschluss an der Düsseldorfer Kunstakademie 2015 behaupten sie sich unter ihrem Label „Fabrizius hoch zwei“ auf dem Kunstmarkt – auch, weil sie ein Novum durchgesetzt haben: Sie sind die ersten Absolventinnen in der 250-jährigen Geschichte der traditionsreichen Akademie, die ihre Abschlussarbeit gemeinsam eingereicht haben. Die Tagesschau und sogar die BBC berichteten damals über das Werk der Meisterschülerinnen von Professor Herbert Brandl.

Das Zwillingsdasein ist Teil ihres Erfolgsgeheimnisses

Ein Besuch in ihrem Atelier in einem alten Industriegebäude im Düsseldorfer Süden. Die Schwestern öffnen die Tür zu ihrem Reich. Sie sind gleich gekleidet, schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, schwarze Strickjacke, grobe Schuhe. Nur einige helle Farbspuren zeugen davon, dass es sich um Arbeitskleidung handelt. Beide sind sorgfältig geschminkt, tragen Perlohrstecker und die blonden Haare zum Knoten aufgesteckt. Sie zu unterscheiden ist nicht leicht.

Die Maltechnik der Schwestern ist auf vier Hände angelegt. (Foto: Ben Hermanni)
Hand in Hand

Die Maltechnik der Schwestern ist auf vier Hände angelegt.

(Foto: Ben Hermanni)

Marina Fabrizius ist einige Zentimeter größer als ihre Schwester und hat ein Muttermal auf der Wange – immerhin. Die Zwillinge reden lebhaft über ihre Kunst, und auch im Gespräch bilden sie eine Einheit. Die eine vervollständigt die Sätze der anderen.

Verschränkt die eine die Arme vor der Brust oder schlägt die Beine übereinander, folgt die andere kurze Zeit später in ihrer Gestik. Den beiden ist klar, dass ihr Zwillingsdasein Teil ihres Erfolgsgeheimnisses ist. „Wir ziehen die Menschen dadurch an, dass wir zu zweit sind, aber wir halten ihr Interesse durch unsere aufwändige Malerei“, sagt Marina Fabrizius.

25.000 bis 30.000 Euro zahlen Sammler inzwischen für einen Fabrizius, ihr erstes Bild haben die Schwestern für 900 Euro verkauft. Etwa 60 Prozent der Käufer sind Unternehmer, 40 Prozent Privatleute – meist aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Klar, ein zwei Meter großes Bild braucht die richtigen Räume. Den Platz haben die Fabrizius-Zwillinge selbst nicht, in ihrer gemeinsamen Düsseldorfer Dachgeschosswohnung hängt kein einziges eigenes Werk.

Vertreten werden die Künstlerinnen von der niederländischen Galerie Etienne, die ihre Werke vom 17. bis 22. April 2019 auch auf der Messe KunstRAI in Amsterdam zeigen wird. Sie soll die Fabrizius-Schwestern in den USA bekannter machen, ein großes Ziel der Künstlerinnen für die nächsten Jahre.

Schönheit und technische Perfektion erschaffen

Im Gespräch schütteln Irina und Marina Fabrizius den Kopf darüber, wie viele ihrer Künstlerkolleginnen und -kollegen arbeiten, über das Unperfekte, Improvisierte, Schnelle, Provokante. Die Schwestern wollen Schönheit und technische Perfektion erschaffen. „Wir fühlen uns wohl in der Malerei, wenn sie so perfekt wie möglich ist“, erklärt Irina Fabrizius. Das braucht Zeit, ein Werk entsteht in sechs bis acht Monaten.

Die verschiedenen Pinsel und Farben sind griffbereit sortiert. (Foto: Ben Hermanni)
Im Atelier

Die verschiedenen Pinsel und Farben sind griffbereit sortiert.

(Foto: Ben Hermanni)

Mehr als 30 Bilder schaffen die Zwillingsschwestern nicht pro Jahr – und schon das setzt ein hohes Maß an Disziplin und Fleiß voraus. Manche Sammler warten deshalb Monate auf ein Werk. Die Schwestern arbeiten täglich von 9 bis 18 oder 19 Uhr an ihren Bildern, sie machen höchstens zwei Wochen Urlaub pro Jahr. Nur die Wochenenden halten sie sich inzwischen frei, auch zugunsten ihrer Partner.

Ihr Atelier, zwei Räume nebeneinander, von denen einer zum Trocknen der Werke und der andere zum Arbeiten dient, spiegelt diesen Wunsch nach Perfektion: Die unzähligen Pinsel sind in Bechern sortiert, ebenso wie die Farbtuben. In der Mitte des Raumes stehen zwei weiße Sofas, vor den Fenstern hängen weiße Gardinen. Nur die vielen Farbspritzer an der Gardine, die der Staffelei am nächsten hängt, erzählen von der künstlerischen Arbeit.

Das Weiße, Helle zieht sich durch das Werk von Irina und Marina Fabrizius. Die Lichtlinien und -kreise, die allein durch das Weiß der Leinwand entstehen, sind zu ihrem Markenzeichen geworden. Es sind farbintensive Bilder, etwa in Rot- oder Blautönen, in deren Mittelpunkt immer das Licht steht.

Transparentere statt starke Farben

Der amerikanische Maler Mark Rothko zählt zu den großen Vorbildern der Schwestern, „weil er sich als Erster zu sagen getraut hat, dass Farbe Emotion ist“, erklärt Marina Fabrizius. Das empfinden die Künstlerinnen ähnlich. Weil sich ihre Stimmung verändert hat, wollen sie in den kommenden ein, zwei Jahren weg von den starken Farben, hin zu transparenteren, zarten Tönen wie Weiß, Grau und Rosa.

Woher ihre Faszination für das Licht kommt, erklären die Schwestern mit ihrer Herkunft: In ihren ersten neun Lebensjahren sind sie in Kasachstan groß geworden, bevor ihre Eltern mit ihnen nach Deutschland auswanderten. In ihrem kleinen Heimatdorf in der kasachischen Steppe nahmen sie das Sonnenlicht, das am Morgen und am Abend die Landschaft in Farbe tauchte, besonders intensiv wahr. Und ihre Mutter war es, die ihnen früh die Liebe zum Malen mitgab: indem sie ihnen Stifte und Papier schenkte, um die quirligen Zwillingsschwestern zu beschäftigen.

Von Anfang an waren die Schwestern unzertrennlich – und das machten sie auch der Düsseldorfer Kunstakademie von Anfang an klar. In ihren Bewerbungsmappen mischten sie ihre Bilder und schrieben auf die Mappen „Unzer-“ und „-trennlich“. Damit konnten sie sich durchsetzen: 2006 nahmen sie ihr Studium auf, in einem abgeschiedenen Atelier unter dem Dach. Selbst ihre Dozenten, darunter auch Akademieleiter Markus Lüpertz, konnten ihre Werke oft nicht auseinander halten.

Es dauerte aber noch, bis die Zwillinge in der Kunst wirklich zusammenfanden. Erst als Irina Fabrizius beim Malen von Schatten zu einer winterlichen Landschaft nicht weiterkam und schon erwog, ein Stück von dem Holzbild abzuschneiden, griff ihre Schwester ein und malte das Bild fertig.

Das war der Schlüsselmoment für ihr gemeinsames Werk. „Ich war überwältigt davon, dass meine Schwester das Bild genau so gemalt hat, wie ich es mir vorstellte“, erzählt Irina Fabrizius. Seitdem haben sie kein Werk mehr getrennt voneinander geschaffen. „Im Schatten gefunden, im Licht vereint“, nennen sie dieses Erlebnis, wohlwissend, dass die Geschichte auch ihrer Marke Fabrizius hilft.

Die Schwestern wissen aber auch, dass sie voneinander abhängig sind. Würde eine von beiden sich gegen die Kunst entscheiden, wäre das das Ende von Fabrizius². Das schafft Druck – und führt manchmal zu Konflikten. Die beiden Schwestern sind nun mal auch eine Wirtschaftsgemeinschaft, jede erwartet hundert Prozent von der anderen. „Wir können uns keine Faxen erlauben“, sagt Marina Fabrizius.

Doch nach einem Streit raufen sie sich meist schnell wieder zusammen – auch weil sie ein großes Ziel eint: irgendwann im Museum of Modern Art in New York ausgestellt zu werden. „Das ist für einen Künstler das, was für einen Musiker die Carnegie Hall ist.“

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