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Kunstmarkt in der Pandemie Renaissance für übersehene Sammelgebiete

Im Lockdown erwerben Sammler Altmeister, Grafik und Skulpturen zu Höchstpreisen, nachdem sie lange im Abseits der allgegenwärtigen zeitgenössischen Kunst standen.
04.02.2021 - 14:05 Uhr Kommentieren
Mit 5,6 Millionen Pfund wurde das Ölgemälde zum teuersten Altmeister-Stillleben (Ausschnitt). Quelle: Christie‘s Images 2021
Jan Davidsz de Heem „Prunkstillleben“

Mit 5,6 Millionen Pfund wurde das Ölgemälde zum teuersten Altmeister-Stillleben (Ausschnitt).

(Foto: Christie‘s Images 2021)

Berlin Seit den späten 1990er-Jahren prägt die zeitgenössische Kunst das globale Kunstmarktgeschehen. In dem Maße, in dem Werke des Impressionismus und der Klassischen Moderne aber Mangelware wurden, stiegen die Preise für Gegenwartskunst, die damit auch zur Spekulationsmasse wurde.

So manches andere solide Sammelgebiet geriet dabei in ein unverdientes Abseits, weil die Rekordpreise von Gerhard Richter bis Peter Doig alle Publizität schluckten. Und die in Online-Auktionen vermarkteten Luxusobjekte von Schmuck und Handtaschen bis Armbanduhren den Blick auf das singuläre Kunstwerk verstellen.

Dabei sind es doch Altmeistergemälde, Altmeisterzeichnungen und Altmeisterskulpturen, die seit dem Beginn der Pandemie eine ungewohnt starke Anziehungskraft und Marktpräsenz entwickeln. Das gilt nicht nur für die in Live-Auktionen ausgebotenen Toplose, sondern selbst für digital offerierte Mittelware.

Auch bei Spitzenstücken der Grafik und Islamika zeigt sich, dass der Kunstmarkt in Corona-Zeiten eine Bandbreite wiedergewonnen hat, die der Mainstream allzu lange verdrängt hatte.

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    Blicken wir auf Altmeistergemälde, ist der jüngste Geschmackswandel prägend: Bestimmte Motive wie etwa das Bauerngenre, Seestücke und Flusslandschaften sind ins Abseits gedrängt. Aber auch hier gibt es inzwischen Ausnahmen, wenn die angebotenen Werke eine strahlende Provenienz oder Bilderbuch-Charakter haben.

    So wurde das Breitformat mit einer Weinernte des Flamen David Teniers d.J., das aus britischem Adelsbesitz stammte, im Dezember 2020 bei Sotheby’s für 3,6 Millionen Pfund versteigert. In derselben Auktion erlöste eine der charaktervollsten Landschaften von Jacob van Ruisdael 983.000 Pfund. Beide Zuschläge haben in etwa die Höhe der unteren Schätzungen.

    Sotheby’s verschaffte dem Verkäufer einen stolzen Spekulationsgewinn (Ausschnitt). Quelle: Sotheby‘s
    Aert de Gelder „Bildnis eines jungen Mannes, der seinen linken Arm auf eine Balustrade stützt“

    Sotheby’s verschaffte dem Verkäufer einen stolzen Spekulationsgewinn (Ausschnitt).

    (Foto: Sotheby‘s)

    Es ist eine der Haupttendenzen der Corona-Phase, dass Käufer sich in breiter Front an den unteren Taxen orientieren und bei zu hoch geschätzten Werken Abstinenz üben. Das war der Fall bei einem Bankettstillleben des Haarlemer Meisters Willem Claesz Heda. In der jüngsten New Yorker Januar-Auktion von Sotheby’s hatte es den unerhörten Schätzpreis von 2,5 bis drei Millionen Pfund – und ist durchgefallen.

    Das Bild war 1991 für 1,4 Millionen Dollar von dem Londoner Händler Richard Green ersteigert worden, was schon damals ein Hochpreis war. Ein etwas dunkleres Stillleben desselben Malers ebenfalls mit einem mit Wein gefüllten Römer, umgestürzter Silbertazza und Zitrone hatte in der Dezember-Auktion von Sotheby’s 163.800 Pfund eingespielt. Der gravierende Unterschied: In dem zurückgereichten Gemälde figurierten statt einer Pastete Austern.

    Starker Markt für Porträtmalerei

    Trotz dieses einen Rücklaufs erleben seit einem guten Jahr hochkarätige Stillleben eine erstaunliche Markt-Renaissance. Allen voran das am 15. Dezember bei Christie’s zum Rekordpreis von 5,6 Millionen Pfund versteigerte Prunkstillleben von Jan Davidsz de Heem – der höchste Preis, der je für ein Altmeister-Stillleben geboten wurde. Aber auch 2,2 Millionen Dollar für ein 1698 datiertes Blumenstück der Amsterdamerin Rachel Ruysch und 2,2 Millionen Dollar für eine Blumenvase von Ambrosius Bosschaert d.Ä. sind Preise, die von einer neuerlichen Aufwertung makelloser Werke dieser Gattung künden.

    Seit fünf Jahren hat die Porträtmalerei eine starke Marktposition. Letzte Woche konnte Sotheby’s mit Sandro Botticellis Bildnis eines jungen Mannes 92 Millionen Dollar umsetzen (siehe Seite 55). Schon zuvor hatten Werke niederländischer Meister immer wieder Überraschungspreise erzielt. So erlöste im Januar bei Sotheby’s das als „Schule von Haarlem“ katalogisierte Ovalbildnis eines Kavaliers, das mal als Frühwerk von Frans Hals, mal als Arbeit des Zeitgenossen Willem Buytewech galt, statt der maximal erwarteten 90.000 Dollar aufwertende 390.600 Dollar.

    8,8 Millionen Dollar für die Skulptur „Herbst“ von Vater und Sohn Bernini illustrieren den starken Markt für italienische Skulpturen (Ausschnitt). Quelle: Sotheby's
    Pietro und Gian Lorenzo Bernini

    8,8 Millionen Dollar für die Skulptur „Herbst“ von Vater und Sohn Bernini illustrieren den starken Markt für italienische Skulpturen (Ausschnitt).

    (Foto: Sotheby's)

    Auch abgesicherte Porträts des Rembrandt-Kreises werden immer teurer. So kam das Bildnis eines Mannes mit Federhut von Govaert Flinck im Oktober bei Christie’s mit 1,4 Millionen Dollar auf das Doppelte der Schätzung. Bei Sotheby’s erreichte vergangene Woche Aert de Gelders Bildnis eines jungen Mannes, der seinen linken Arm auf eine Balustrade stützt, 927.500 Dollar. Dessen Einlieferer erzielte einen stolzen Spekulationsgewinn. Er hatte das attraktive Bildnis im November 2019 bei Van Ham für 148.350 Euro brutto ersteigert.

    Bei den Handzeichnungen liegen die Meister der italienischen Renaissance und des Barock nach wie vor vorn. Der höchste Preis des letzten Jahres waren die im Januar bei Sotheby’s für Andrea Mantegnas aus Berliner Privatbesitz stammende Federzeichnung „Der Triumph von Alexandria“ erlösten 11,6 Millionen Dollar. Doch auch die französischen Zeichnungen, an der Spitze Watteau und Fragonard – von dem die Rötelzeichnung einer Sitzenden am 28. Januar bei Christie’s 1,1 Millionen Dollar erlöste –, sind stärker denn je gefragt.

    Wunschdenken im Kunsthandel

    Dass Werke italienischer Bildhauer aus Renaissance und Barock den Markt der Skulptur dominieren, ist schon lange so. Sotheby’s Auktion der Sammlung Hester Diamond hat dies vergangene Woche mit den 8,8 Millionen Dollar für die Skulptur „Herbst“ von Vater und Sohn Bernini und Zuschlägen über 500.000 Dollar für Reliefs von Lorenzo Ghiberti und Aurelio Lombardo bewiesen. Dessen Vater Antonio Lombardo schuf um 1410 das Marmorrelief „Tod der Lucretia“. Es hatte im Juli 2020 bei Christie’s überraschende 3,7 Millionen Pfund eingespielt, und das bei einer Höchsttaxe von 800.000 Pfund.

    Dass die Malerei des 19. Jahrhunderts auf breiter Front wieder Zuspruch findet, ist immer noch Wunschdenken des Handels. Aber es gibt in der Corona-Ära Preisüberraschungen für Künstler, die ihre starke Marktposition verloren hatten. Als Carl Spitzwegs Kleinformat „Justitia“ im Mai 2020 bei Neumeister für 698.500 Euro von einem deutschen Sammler ersteigert wurde, war das der Hochpreis für ein restituiertes Gemälde, das Geschichte geschrieben hatte.

    Noch erstaunlicher ist der Spitzenpreis von 1,2 Millionen Dollar, den Spitzwegs romantisches Gemälde „Der Hexenmeister“ im Oktober 2020 bei Christie’s erzielte. Auch dieses Bild, das lange in der Sammlung Oetker hing, war 2019 den Erben eines jüdischen Sammlers restituiert worden.

    Zu den Hochpreisobjekten, die im Schlagschatten des Lockdowns den Markt belebten, gehört auch Edvard Munchs ikonische Lithografie „Madonna“ in einem dreifarbigen Exemplar, die im Oktober bei Sotheby’s für brutto zwei Millionen Dollar zugeschlagen wurde.

    Zeit, um Preis und Wert abzuwägen

    Meistergrafiken von Albrecht Dürer wurden mehrfach zu Preisen zwischen 100.000 und 200.000 Dollar abgesetzt, und bei der modernen Grafik reüssierte neben Picasso vor allem Jasper Johns. 1,2 Millionen Dollar konnte Sotheby’s im Oktober für das Set „Cicada“ von 1981 einnehmen.

    Auch der Markt islamischer Kunst läuft nach wie vor mehr als zufriedenstellend, und das, obwohl Sotheby’s seine für November angekündigte Versteigerung exzeptioneller Stücke aus dem L.A. Mayer Museum islamischer Kunst in Jerusalem kurzfristig absagen musste.

    Dafür konnte das Haus in der Parallelauktion für eine smaragd-besetzte Goldflasche der Mogul-Ära um 1800 den Top-Preis von 983.000 Pfund erzielen. In Christie’s erster Live-Auktion nach dem Lockdown im Juli wurde ein mit Goldfarbe illuminiertes persisches Koran-Manuskript aus dem 15. Jahrhundert mit dem Rekordpreis von brutto sieben Millionen Pfund bedacht. Im Oktober wurden im selben Haus zwei superb eingelegte Kerzenleuchter des 14. Jahrhunderts mit 1,1 und 1,4 Millionen Pfund bewertet.

    Solche Zuschläge zeigen, dass der Markt auch in der Pandemie in Bewegung bleibt. Sammler haben mehr Zeit, sich auf Objekte ihrer Wahl zu konzentrieren und deren Preise abzuwägen. Das hält den Hunger auch in Krisenzeiten und in Marktsparten wach, die weniger stark im Scheinwerferlicht stehen.

    Mehr: Rückblick auf den Kunstmarkt 2020: Aktionshäuser sind die Gewinner in der Krise

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