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Kunstmarkt in New York Zwischen Notverkäufen und Schnäppchen

Manchem Galeristen zieht die Coronakrise den Boden unter den Füßen weg. Andere handeln weiter und spekulieren mit der preiswert eingekauften Ware.
07.04.2020 - 18:20 Uhr Kommentieren
Stille herrscht am Hauptsitz von Christie's in New York. Quelle: imago images/UPI Photo
Rockefeller Center New York

Stille herrscht am Hauptsitz von Christie's in New York.

(Foto: imago images/UPI Photo)

New York Während New York auf den Höhepunkt einer Gesundheitskatastrophe zusteuert, bleibt der Kunsthändler Edward Tyler Nahem nüchtern. „Ich kann derzeit keine Panik im Markt sehen, obwohl die wahrscheinlich angesagt wäre“, sagte der New Yorker Händler dem Handelsblatt.

Das Gespräch führte der Händler über die „Facetime“-App von seinem zweiten Wohnsitz in den Hamptons. Denn auch Nahem musste, wie alle in der Stadt, seine Galerieräume Mitte März vorübergehend schließen. Es sei wohl auch noch ein bisschen verfrüht, Schlüsse zu ziehen, meint er, „aber es ist deutlich ruhiger geworden“. Transaktionen gebe es zwar immer noch, manche seien allerdings schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie eingefädelt worden.

Seit 35 Jahren tummelt sich Nahem vor allem auf dem lukrativen Sekundärmarkt für hoch gehandelte Bluechip-Künstler. Aber der Erfolg seiner vor wenigen Wochen eröffneten ersten New Yorker Ausstellung von abstrakten Gemälden Kenneth V. Youngs mit Preisen zwischen 60.000 und 350.000 Dollar ist noch ungewiss.

Young gehörte der sogenannten Washington Color School der 1960er- und 1970er-Jahre an, die gerade durch ihren internationalen Shootingstar Sam Gilliam wieder in aller Munde ist. Werke waren reserviert worden, doch „die Krise hat uns den Boden unter den Füßen weggezogen“, ergänzt Nahem. Fast jeder in der Branche suche jetzt nach alternativen Wegen, die Geschäfte weiterzuführen.

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    Auch Nahem richtete gerade einen digitalen „Viewing Room“ ein. Der 71-Jährige gehört jedoch eher zur „alten Schule“. Er setzt auf persönliche Anrufe statt Mails. „Ich bin kein Freund dieser überall und wahllos ausgesandten Mails. Sie können leicht ein wenig unsensibel herüberkommen“, sagt er. 

    Der New Yorker Kunsthändler hat einen
    Edward Tyler Nahem

    Der New Yorker Kunsthändler hat einen "Viewing Room" eingerichtet. Er musste seine Galerie wie viele andere vorübergehend schließen.

    (Foto: Galerie Edward Tyler Nahem)

    Dagegen investieren Kollegen wie etwa Fergus McCaffrey kräftig in ihren digitalen Auftritt. Rechtzeitig Mitte März konnte er seine Galerie „FM Virtual“ freischalten. Nach New York, Tokio und St. Barth sei es ihre „vierte Niederlassung“. Sie simuliert Ausstellungen von Skulpturen und Gemälden in einer perfekt ausgeleuchteten riesigen Galerie. Besucher können sich alles in fünf verschiedenen Sprachen, darunter Mandarin, Französisch, Deutsch und Japanisch, erklären lassen.

    Auch Christie’s und Sotheby’s ergänzen ihre gut eingeführten Online-Auktionen neuerdings durch öffentlich zugängliche digitale „Viewing Rooms“ für ihre Privatverkäufe. Denn gehandelt wird weiterhin. Da mag der eine oder andere Sammler eine Liquiditätskrise erleiden. Andere Marktteilnehmer sind jedoch auf der Suche nach Schnäppchen.

    Preise bis zu 35 Prozent gesunken

    „Ich führe ständig Gespräche mit Sammlern, die privat verkaufen, und anderen, die wertvolle Werke erwerben möchten“, beschreibt die New Yorker Kunstberaterin Christine Minas ihre Erfahrungen. Aber alles wickle sich derzeit etwas langsamer und umständlicher ab. Internationale Transporte sind erschwert und auch teurer, die diskreten Präsentationsräume der Kunstlager stehen nur eingeschränkt oder gar nicht mehr zur Verfügung. Gute Fotos oder Facetime-Konsultationen müssen oft als Qualitätskontrolle herhalten.

    Mit sehr langem Atem greift derzeit der legendäre New Yorker Financier Asher Edelman, unter anderem Gründer von ArtAssure, einer Firma für Kunstdarlehen, illiquiden Sammlern unter die Arme. Edelman bot Mitte März sofort über eine breit gestreute Mail an, mit Unterstützung von Investoren Bluechip-Werke von der Moderne bis hin zu gut etablierten zeitgenössischen Künstlern zu Preisen anzukaufen, die 30 bis 35 Prozent unter denen des Vormonats liegen. Seitdem seien ihm etwa 50 Werke angeboten worden, ergänzt der Geschäftsmann.

    Ob die vom Lockdown betroffenen Werke der Ausstellung verkauft werden, ist ungewiss. Quelle:  Adam Reich, Courtesy of Edward Tyler Nahem
    Kenneth V. Young „Triptych Miles Davis“ 1972

    Ob die vom Lockdown betroffenen Werke der Ausstellung verkauft werden, ist ungewiss.

    (Foto:  Adam Reich, Courtesy of Edward Tyler Nahem)

    Gerade noch besuchte Edelman einen Sammler, der sich von drei Werken im Wert von zehn Millionen Dollar trennen wollte. „In vier Monaten werden sie vielleicht nur noch 50 Prozent wert sein“, schätzt er. Bisher habe er keine konkreten Pläne, sie weiterzuverkaufen. „Vielleicht bringe ich sie in drei bis vier Jahren auf den Markt, wenn meiner Meinung nach diese Rezession vorbei ist. Großartige Kunst wird immer großartige Kunst bleiben“, unterstreicht der gewiefte Financier.

    Einige Anlagekategorien jedoch, wie etwa Münzen oder Wein und Spirituosen, erfreuen sich nun steigender Nachfrage. Gerade kündigten Christie’s und Sotheby’s dafür zusätzliche Online-Auktionen an.

    Sammelgebiete mit einem verlässlichen Markt

    Lark Mason, der iGavelauctions.com, ein auf Asiatika spezialisiertes Online-Auktionshaus, erfolgreich seit 2003 betreibt, bringt es auf den Punkt: „In diesen unsicheren Zeiten ziehen sich Sammler auf sichere, alternative Anlagemöglichkeiten zurück. Dazu gehören handliche Dinge, die sich leicht transportieren lassen, oder auch gut etablierte Sammelgebiete. Das sind Dinge, die sie verstehen, auf die sie zugreifen können und die einen verlässlichen Markt haben.“ Zum Beispiel Juwelen und Uhren oder chinesische Kunst für Käufer auf dem chinesischen Festland, aber auch im Westen.

    Mehr: Art Market Report: Der Kunstmarkt geht in eine ungewisse Zukunft

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