Kunstmarkt Kunstmessen Frieze in London – Nicht mehr jung und hip

Die Kunstmessen Frieze und Frieze Masters in London sind kaum noch zu unterscheiden – und erwachsen geworden.
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Diskussion unter der Installation „Instruments for enquiring into the wind and the shaking earth“ von Andrea Galvani. Quelle: Tolga Akmen / Tolga Akmen / AFP
Auf der Frieze

Diskussion unter der Installation „Instruments for enquiring into the wind and the shaking earth“ von Andrea Galvani.

(Foto: Tolga Akmen / Tolga Akmen / AFP)

LondonWer in London neue Kunst entdecken will, tut sich auf den Frieze-Messen schwer. Sowohl Frieze als auch Frieze Masters zeigen zum Großteil entweder die Giganten der Zeitgenossen mit Arbeiten aus den 1980ern und 1990ern oder wiederentdeckte Künstler der 1960er- und 1970er-Jahre – und viele Frauen, wie von der Messe betont wird. Wir sind im Zeitalter der Wiederentdeckungen vergessener Künstler und Künstlerinnen angekommen; in der Vergeschichtlichung des Zeitgenössischen.

Um dem zu entgehen, sollte man das Auge zuerst auf die 1-54 lenken. Die Messe für zeitgenössische afrikanische Kunst im Somerset Haus hat sich seit einigen Jahren in London etabliert. Dort findet man auch junge und erschwingliche Positionen, die oftmals bei wenigen Tausend Pfund anfangen. Es gibt aber auch die Crème de la Crème der Künstler, die nun endlich beginnen, internationale Museen zu bespielen.

Das konzentrierte Format wie auch das klassische Ambiente lassen den Besuch zu einer Freude werden. Mit Galerien wie James Cohan und der Fotogalerie Yossi Milo aus New York wurden neue Teilnehmer gefunden, die das Niveau merklich anheben. Cohan verkauft wundervoll formale Wandobjekte des Äthiopiers Elias Sime, die dieser aus Computerabfall konstruiert (60.000 bis 80.000 US-Dollar), und zeigt attraktive kleinformatige Bronzen des Briten Yinka Shonibare (135.000 Pfund).

Bei Magnin A aus Paris findet man formal wie konzeptuell hervorragende Fantasie-Architekturmodelle von Bodys Isek Kingelez, mit denen er sich die Zukunft seines Landes Kongo ausmalte. Der Künstler hat zurzeit eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York, die noch bis Januar andauert.

Die junge Londoner Galerie Copperfield stellt den britisch-ghanaischen Larry Achiampong vor, dessen Arbeiten die Kolonisierung Afrikas mit westlichem Christentum hinterfragen. Bekannt geworden durch seine Teilnahme am Diaspora-Pavillon bei der letzten Biennale in Venedig und der Documenta 13, präsentiert die Galerie auch eine Serie als Teil des Skulpturenparks der Frieze, der in diesem Jahr mit starken Arbeiten überzeugt.

Die junge, südafrikanische Galerie smac stellt großformatige Papierarbeiten von Mongezi Ncaphayi vor, dessen abstrakte, an Landschaften erinnernde Kompositionen eine Poesie und Leichtigkeit evozieren, die man nicht immer mit afrikanischer Kunst verbindet (1.600 bis 2.900 Pfund).

„The Shaman“ (2018) bei der Galerie Kamel Mennour. Quelle: ADAGP Tatiana Trouvé Courtesy Kamel Mennour
Tatiana Trouvé

„The Shaman“ (2018) bei der Galerie Kamel Mennour.

(Foto: ADAGP Tatiana Trouvé Courtesy Kamel Mennour)

Auf der Frieze tut man sich hingegen schwer, etwas unter 10.000 Pfund zu finden. Die fehlende Preistransparenz, deretwegen man Preise immer mühsam erfragen muss, hilft dem Besucher nicht. Aber die teuren Stände müssen ja bezahlt werden, und so holen die meisten Galerien in Gruppenausstellungen ihre Starkünstler hervor.

Preis für den besten Stand

Sprüth Magers (Köln/Berlin/London) stellt einen Stand vor, der mit vier dezidierten Positionen verschiedene Künstler- und Preiskategorien überzeugend verbindet, was ihnen auch den Preis für den besten Stand auf der Frieze einbrachte. Marcel van Eedens Papierarbeiten kosten einzeln nur 2400 Euro, werden aber auch als Werkblöcke verkauft – eine Strategie, mit der die Galerie am Eröffnungstag alle Arbeiten verkaufte.

Auf der Frieze Masters bestach die Galerie mit ihrer klaren Präsentation deutscher Fotografie. Andreas Gurskys Ansicht der Dolomiten von 1987 fand schnell einen Liebhaber (680.000 Euro).

Eigen + Art zeigt neue Gemälde von Martin Eder, der zurzeit auch in der Galerie seines Freundes Damien Hirst zu sehen ist, mit dem er dann gerne einmal Arbeiten tauscht. Sie kosten im Kleinformat um die 40.000 Euro, im Großformat 140.000. Vielleicht täte man allerdings besser daran, das Geld in die Solo-Installation im gegenüberliegenden Stand bei ShanghArt zu investieren, die eine faszinierende Installation von Ouyang Chun mit Fotografien und 973 Bronzegüssen (180.000 US-Dollar) ausstellt.

Überraschend präsentiert auch White Cube eine Einzelposition mit Liu Wei aus Beijing in einer umfassenden Installation mit Stahlgittern statt der weißen Standwände, an denen Objekte und Gemälde hängen. An jungen Positionen vor allem in der Fokus-Sektion überzeugt ebenfalls das Spiel der Künstler mit verschiedenen Techniken.

„Night of the Long Knives I“ (2013) ist in der Sektion 1-54 zu finden. Quelle: Athi-Patra Ruga and WHATIFTHEWORL
Athi-Patra Ruga

„Night of the Long Knives I“ (2013) ist in der Sektion 1-54 zu finden.

(Foto: Athi-Patra Ruga and WHATIFTHEWORL)

Die Frieze hat in diesem Jahr zugelegt. Matthew Slotover, einer der Gründer, beschreibt die Messe als „gereift“. Das wäre kein Problem, aber der Wechsel der Gewichtung macht es immer schwerer, zwischen Frieze und Frieze Masters zu unterscheiden. Auf der Masters gibt es viele Positionen, die es auch auf der Frieze geben könnte, wobei das Schwergewicht von englischen Galerien mit englischen Künstlern überrascht (Dickinson mit Barbara Hepworth, Bernard Jacobson mit William Tillyer, Alan Cristea mit Howard Hodgkin).

Höhepunkte sind die Teilnahme von Ulrich Fiedler, dessen Stand seltene frühe Möbel und Textilarbeiten der Bauhausgeneration zeigt, wie auch Gagosians Stand mit Arbeiten des Surrealisten Man Ray. Die Präsentation geht mit der weltweiten Vertretung des Man Ray Trusts durch die Galerie einher.

Die Klientel wird immer exklusiver

Die Frieze ist nicht mehr jung und hip und bedient eine immer exklusivere Klientel. Das wirkt sich auch auf die Sponsoren aus. Die Deutsche Bank als Hauptsponsor wirbt in diesem Jahr mit ihrer Wohltätigkeitsversteigerung von mehr als 800 Künstlerinnenpostkarten aus Anlass der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag des Frauen-Wahlrechts.

Für je 200 Euro kann man sich eine „anonyme“ Postkarte kaufen, doch so mancher Bankkunde wird sich wissend einen kleinen Schatz schnappen. Die Hälfte der Arbeiten wird ab dem 5. Oktober online versteigert, die andere steht vorher exklusiv den Deutsche-Bank-Kunden in der Frieze-Lounge zur Verfügung.

Wollte man das Frieze-Thema der Social-Works-Sektion aufgreifen, in der Positionen von Künstlerinnen aufgezeigt werden, die radikal die politische Dimension von Kunst thematisieren wie Nancy Spero oder Sonia Boyce, hätte man sich überlegen sollen, die Auktion ganz in die Öffentlichkeit zu tragen. Vielleicht vor das Zelt – aber so bleibt man doch lieber unter sich.

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