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Kunstmarkt Paris überbietet sich mit Kunstmarkt-Ereignissen

Die Messe für außereuropäische Kunst überzeugt mit einem niveauvollen Angebot. Dagegen fehlen der Biennale Paris internationale Top-Galerien.
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Eine Kota-Reliquiar-Figur bei der Galerie Olivier Larroque. Quelle: Galerie Olivier Larroque
Geheimnisvoll

Eine Kota-Reliquiar-Figur bei der Galerie Olivier Larroque.

(Foto: Galerie Olivier Larroque)

Paris Weil Paris Power und Potenz am Kunstmarkt beweist, reisen die internationalen Interessenten begeistert an. Dank der beiden Standbeine, dem „Parcours des Mondes“, der weltweit führenden Messe für außereuropäische Kunst, die mit 65 Anbieten in Saint-Germain-des-Près die Besuchermassen bis 15. September anzieht und der – alljährlich stattfindenden — „La Biennale de Paris“ (bis 17. September) im Grand Palais mit ihren 70 Ausstellern, bietet die französische Hauptstadt ein weit gefächertes Angebot.

Ein Riesendinner im Musée du Quai Branly, das die Gesellschaft der Museumsfreunde am 9. September ausrichtete, markierte den Start. Tags darauf startete der „Parcours des Mondes“, der ein qualitativ noch besseres Niveau bietet als in den vergangenen Jahren – weil die Händler die besten afrikanischen und ozeanischen Stücke für Paris reservieren, wie ein belgischer Sammler betonte. Was den Marktplatz Paris als Top-Ort für Tribal Art etabliert.

Besser als erwartet

Seit 2015 stellen auch auf Asiatika oder Archäologie spezialisierte Galerien im Rahmen des „Parcours des Mondes“ aus. Erwähnenswert ist eine ozeanische Tatana-Maske des 19. Jahrhunderts aus Neu-Irland, die 1906 in einem Londoner „Katalog ethnographischer Stücke“ beschrieben wurde (Galerie Patrik Fröhlich, Zürich, 48.000 Euro). Bemerkenswert ist die hohe prozentuale ausländische Beteiligung am „Parcours des Mondes“. Viele Händler kommen aus London, Brüssel oder den USA und ziehen ihre Kunden mit nach Paris. Der Nachteil der Messe, dass man von einer Galerie zur anderen marschieren muss, hat zugleich den Vorteil, dass deren Besuch gratis ist.

Ganz im Gegensatz zur ehemaligen Luxus- und Antiquitäten-Schau „La Biennale Paris“ , deren Eintritt ins Grand Palais 35 Euro kostet. Marktbeobachter erwarteten für diese 63. Ausgabe ein Desaster. Gemessen daran ist die aktuelle Messe besser als erwartet. Denn seit der Antiquitäten-Verband im Jahr 2017 beschloss, aus der bisher alle zwei Jahre stattfindenden „Biennale des antiquaires“ eine jährliche Messe zu machen, die paradoxerweise weiterhin Biennale heißt, sind viele der besten Händler ausgeschieden.

Keine deutsche Galerie dabei

Man fürchtet bereits um den Weiterbestand der Veranstaltung, deren Organisation und Zulassungsmodalitäten dringend professionellen Organisatoren übergeben werden müssten. Zum Beispiel stellt keine deutsche Galerie auf der „Biennale Paris“ aus. Unter anderem, weil die Standkosten 870 Euro pro Quadratmeter betragen und Ambiente und Service dem nicht entsprechen. Der langjährige Leiter der „Biennale des antiquaires“, der China-Galerist Christian Deydier, plante eine echte Biennale-Messe, ist mit dem Vorhaben aber gescheitert. Pünktlich zum Messebeginn teilte Deydier mit, dass er resigniert hat und eine Galerie in Hongkong eröffnet.

Im Vorfeld dieser Messe trat im Juli einer der Leiter der Expertenkommission zurück, weil er mit der Zulassung einiger (zivil- oder strafrechtlich angeklagter) Händler nicht einverstanden war. Die Experten hatten sicher keinen einfachen Job, denn einige Stände sind übervoll, besonders im Bereich „Neue Talente“, wo zwölf Galeristen je zehn Quadratmeter füllen.

Die Galeristen Guillaume Léage und Daniel Gervis kombinieren historisches Mobiliar mit Gemälden von Hans Hartung. Quelle: Favori Paris, VG Bild-Kunst
Harmonische Bezüge

Die Galeristen Guillaume Léage und Daniel Gervis kombinieren historisches Mobiliar mit Gemälden von Hans Hartung.

(Foto: Favori Paris, VG Bild-Kunst)

Wie auf vielen Messen drängt auch bei „La Biennale Paris“ ein Trend zur zeitgenössischen Kunst, symbolisiert durch eine 200 Quadratmeter-Installation des im Juli verstorbenen Carlos Cruz-Diez aus transparenten bunten Platten, die die Brüsseler Galerie Patinoire Royale aufgestellt hat. Sie und der Ehrengast der Messe, der Staat Bahrein, retten die Veranstaltung finanziell. Bahrein durch die Mietkosten für 350 Quadratmeter, gefüllt mit fragwürdigen Gemälden und Objekten.

Internationale Top-Galerien fehlen, trotz des neuen Untertitels „The Universelle Art Fair“. Abgesehen von der auf Archäologie ausgerichteten Phoenix Ancient Art (New York, Genf). Phoenix hat die ganze Sammlung des 87 jährigen Chemie-Nobelpreisträgers von 1980, Walter Gilbert, am Stand. Der US Biochemiker erzählt, dass er diese innerhalb von 25 Jahren auf Auktionen und in Galerien erwarb und sie, nach Erstellung eines Katalogs, noch zu Lebzeiten über die Galerie Phoenix verkauft.

Dekorativer Historismus

Einen kostbaren Katalog editiert auch die Bremer Galerie Neuse, die sich einen sensationellen Auftritt in der Galerie Aveline gegenüber vom Elysée-Palast leistet. Unter dem Motto „Die Apotheose des Genies“ hat der Edeldekorateur François-Joseph Graf die Räume so verwandelt, dass die erlesenen Historismus-Objekte in dem dunkelbraunen Ambiente optimal zur Geltung kommen.

Der Bogen spannt sich von dem für die Pariser Weltausstellung von 1900 hergestellte Prunkstück von Eugenio Bellosio „L‘Apothéose du Génie“ über ein Ebenholz-Intarsien-Kabinett von Ferdinand Barbedienne für die Londoner Weltausstellung von 1862 bis hin zu goldglänzenden, emaillierten Glasvasen von Philippe Joseph Brocard. Für die Herstellung seiner in den 1870er Jahren gefertigten Moschee-Glaslampen imitierte er die syrische Technik des 13./14. Jahrhunderts.

Gelegentliche Provenienzlücken

Die Galeristen Achim Neuse und Volker Wurster berichten, dass sie seit 35 Jahren diese für Fürsten, Könige und Weltausstellungen gefertigten Gegenstände sammeln. Die Provenienzen weisen gelegentlich Lücken auf, aber oft befanden sich die Exponate in deutschsprachigen Familien.

Ursprünglich aus Italien kommen dagegen die von der Galerie G. Sarti präsentierten 31 Madonnen – Gemälde aus den Jahren 1330 bis 1530. Sie vollziehen die Entwicklung der Darstellung der Gottesmutter innerhalb dieses Zeitabschnitts nach. Gegenüber von Sarti liegt die auf edles Mobiliar des 18. Jahrhunderts spezialisierte Galerie Léage. Guillaume Léage und Galerist Daniel Gervis fanden harmonische Bezüge zwischen den Kommoden von Léage und den Zeichnungen und Gemälden von Hans Hartung, die Gervis aus seiner Privatsammlung beisteuert. Der wiederentdeckte Hartung hat aktuell eine Schau in Shanghai in der Galerie Perrotin und bekommt ab 1. Oktober eine üppige Ausstellung im Museum für Moderne Kunst der Stadt Paris.

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