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Kunstmarkt Warum ein US-Investor seine Gemälde auf Europa-Tournee schickt

Mark Fehrs Haukohl hat in florentinische Barock-Gemälde investiert, als sich nur wenige Kunstliebhaber dafür interessierten. Seine Sammlung ist einzigartig.
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Der Barocksammler vor Felice Ficherellis Bild „Der heilige Sebastian wird von der heiligen Irene gepflegt“. Quelle: Arp Museum
Mark Fehrs Haukohl

Der Barocksammler vor Felice Ficherellis Bild „Der heilige Sebastian wird von der heiligen Irene gepflegt“.

(Foto: Arp Museum)

BonnAlles hat mit einem Schneesturm in New York begonnen: Als Mark Fehrs Haukohl an einem Januarmorgen vor 40 Jahren in seine Winterstiefel schlüpfte, ahnte er noch nicht, dass er an diesem Tag den Grundstein zu einer einzigartigen Sammlung legen würde.

Der damals junge Mann kämpfte sich durch das Schneetreiben zum Auktionshaus Parke-Bernet (heute Sotheby´s). „Zu meiner Überraschung saßen in der Auktion nur 30 Leute“, erinnert sich Haukohl. So gelang es ihm, sein erstes florentinisches Barock-Gemälde von Taddeo Zuccaro zu ersteigern.

Seine Leidenschaft für die italienische Barockmalerei war entflammt. Inzwischen verfügt der Börseninvestor über die wohl größte Sammlung florentinischer Barockmalerei außerhalb Italiens.

Das Sammeln war für Haukohl allerdings von Beginn an weit mehr als Liebhaberei. Der heute 68-Jährige hatte das Ziel klar vor Augen, eine einzigartige Sammlung aufzubauen.

„Meine Familie sammelt in sechster Generation Kunst“, erklärt Haukohl, der früher Geschäftsführer beim New Yorker Vermögensverwalter Salomon Smith Barney war und heute als Chef von „The Vero Group“ das Familienvermögen verwaltet. Bereits sein 1836 von Mannheim nach Milwaukee ausgewanderter Urgroßvater sammelte Gemälde, dessen Nachfahren seltene Bücher oder moderne Kunst.

Stillleben mit Fischen, Früchten und Blumen. Quelle: Arp Museum
Giuseppe Recco

Stillleben mit Fischen, Früchten und Blumen.

(Foto: Arp Museum)

Auch Haukohl hatte zunächst eher Interesse an der Kunst des 20. Jahrhunderts. Sein erstes, bereits im Alter von 15 Jahren erstandenes Werk sei eine Zeichnung von Salvador Dalí gewesen, sagt er. Rund ein Jahrzehnt später lernte Haukohl den surrealistischen Maler kennen, als er einen Winter lang mit ihm Tür an Tür im New Yorker St. Regis Hotel wohnte. Ausgerechnet Dalí riet ihm, den Aufbau seiner Barock-Gemäldesammlung anzugehen. „Zieh das konsequent durch“, habe Dalí ihm empfohlen, erinnert sich Haukohl.

Mit dem kühlen Blick des Investors

Doch neben diesen Anekdoten räumt Haukohl ein, dass er die Sammlung auch mit dem kühlen Blick des erfolgreichen Investors aufgebaut habe. „Als Investor braucht man den richtigen Instinkt das zu kaufen, was gerade nicht Mode ist.“ Und Haukohl entdeckte in den 1970er-Jahren, dass sich relativ wenige Kunstliebhaber für die Florentiner Meister des 17. Jahrhunderts interessierten. „Man konnte qualitativ hervorragende Bilder zu günstigen Preisen kaufen.“ Und die sind heute ein Vermögen wert.

Nachdem sie in mehreren nordamerikanischen Museen zu sehen gewesen war, schickte Haukohl seine Sammlung im vergangenen Jahr auf Europa-Tournee. Nach einem Zwischenstopp in Augsburg ist eine Auswahl seiner Gemälde nun bis zum 8. September im Arp Museum Rolandseck bei Bonn zu sehen. Weitere Stationen der Ausstellung sind unter anderem das Musée National d’Histoire et d’Art in Luxembourg (1. Oktober 2020 bis 14. Februar 2021) und der Palais des Beaux-Arts in Brüssel (Juni bis September 2021).

„Wir zeigen die Bilder gezielt nicht in den großen Museen der Metropolen, sondern in Häusern, die solche Gemälde nicht in ihren eigenen Sammlungen haben“, erklärt Haukohl. Und er bringt die Bilder bewusst zurück nach Europa.

Joseph und Potiphars Frau. Quelle: Arp Museum
Giovanni Battista Caracciolo

Joseph und Potiphars Frau.

(Foto: Arp Museum)

„Ich möchte zeigen, dass die Florentiner Meister vom 16. bis zum 18. Jahrhundert einen größeren Einfluss auf die europäische Kunstgeschichte hatten, als bislang bekannt.“ Als Mitbegründer des Medici Archive Research Project in Florenz fördert er auch die Erforschung der Epoche.

Das Herzstück der Haukohl Family Collection sind Gemälde der Künstler-Familie Dandini, die generationsübergreifend im Dienst der Herrscher-Dynastie der Medici stand. Dazu gehören Allegorien, religiöse Motive, Genreszenen und Porträts.

Die Bilder präsentieren die Florentiner Lebenswelt zur Zeit des Barocks. Es sind die starken Gefühle und die Mimik der Gesichter, die die Malerei dieser Zeit prägten. Im Vordergrund stand die Körperlichkeit der Figuren. Dazu gehören auch drastische Darstellungen von Gewalt. Im Gemälde von Onorio Marinari, das die Enthauptung des Holofernes durch Judith darstellt, spritzt zum Beispiel das Blut.

Sinnlichkeit versprüht hingegen Felice Ficherellis „Heiliger Sebastian“. Während ihm die Heilige Irene den Pfeil aus dem Arm zieht, schaut er entrückt gen Himmel.

Doch was fasziniert ausgerechnet einen Börseninvestor, der heute im texanischen Houston lebt, an dieser barocken Üppigkeit? „Es ist das Drama“, sagt Haukohl und weist auf die Gemälde voller Gewalt und Pathos. „Sind das nicht alles Dinge, die wir heute auch wieder sehen?“

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