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Kunstmarkt Wie eine Galerie in der Oberpfalz Instagram für sich entdeckte

Die Galerie Zink zog von Berlin in die Oberpfalz. Über die Sozialen Medien hält Michael Zink Kontakt zu Kunden. Einen noblen Showroom hat er trotzdem.
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Einst Scheune, heute Ausstellungshalle für Galerie Zink. Quelle: Erich Spahn
Galerie Zink

Einst Scheune, heute Ausstellungshalle für Galerie Zink.

(Foto: Erich Spahn )

Waldkirchen„Der Standort spielt heutzutage keine entscheidende Rolle mehr“, sagt der erfolgreiche Galerist Michael Zink. Nach zehn Jahren Berlin ist er 2016 ins Oberpfälzer Waldkirchen gezogen, in ein Dorf zwischen Regensburg und Nürnberg mit weniger als 30 Einwohnern. Im April hat er fernab von allen Kunstmetropolen einen Galerie-Neubau eingeweiht. Außen passt sich dieser mit Holzsprossen und Steinfassade an das ehemalige Pfarrhaus-Areal an. Innen verraten graue Sichtbetonwände den Willen zur Modernität.

Aus einer ehemaligen Scheune wurde der fotogene Showroom mit angeschlossenem Künstleratelier und Apartment. Die Schweizer Architekten Matthieu Robitaille und Tamara Henry haben eine architektonische Sprache gewählt, die auch in Miami, Peking oder London gesprochen wird.

Nirgendwo ist überall in einer digitalisierten Welt. Die Ausstellung mit neuesten, comic-haften Arbeiten des Spaniers Javier Callejas (bis 21. Juli) war schon vor der Eröffnung ausverkauft. Michael Zink nennt die kindlichen Figuren mit den riesenhaften Augen im Babygesicht Prototypen des Neopop und des Animationsmilieus. Dieser Stil ging vor Jahren von Japan aus in die Welt und bekam schnell eine globale Anhängerschaft.

Die Käufer bezahlten 2 .500 Euro für Zeichnungen. Die größeren Gemälde kosteten bis zu 35.000 Euro. Die kurzfristig gedruckten Serigrafien von drei Gemäldemotiven – in einer Auflage von 70 Stück je Blatt 2.800 Euro – waren ein Trostpflaster für die Vernissagegäste. Alle 210 Blätter sind inzwischen in Sammlerhand gewechselt.

„Im Fall von Calleja sind wir von der Realität überholt worden“, bemerkte Zink im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mit Realität meint er die Wirkung des digitalisierten Kunsthandels. Keine Galerie lebe mehr von Laufkundschaft, so der 50-Jährige. Das Geschäft wird vorher ausgelotet.

Galerist Michael Zink und Künstler Javier Callejas (r.) vor dessen mangaartigen Bildern, die sofort ausverkauft waren. Quelle: Erich Spahn
Begehrte Bilder

Galerist Michael Zink und Künstler Javier Callejas (r.) vor dessen mangaartigen Bildern, die sofort ausverkauft waren.

(Foto: Erich Spahn )

Die sozialen Medien sind heute das Schaufenster nach außen. Ausstellungsfotos zu posten heißt, mit Sammlern und Interessierten zu kommunizieren. In nur wenigen Minuten kann er beispielsweise Bilder des belgischen Zeichnungsstars Rinus Van de Velde, des Installationskünstlers Michael Sailstorfer oder Stills des tschetschenischen Videokünstlers Aslan Gaisumov, die alle zum Portfolio der Galerie gehören, um die Welt schicken.

„Manche Sammler habe ich noch nie in persona getroffen“, sagt der Galerist. Weltgewandte Käufer aus Asien, die um die 30 sind, sich ein Unternehmen aufgebaut haben und finanzkräftig sind, zählt er zu dieser Klientel. Mandarin spricht der gebürtige Oberpfälzer nicht. „Aber dann muss man sich eben mit jemandem zusammentun, der es kann.“

Die Galerie Michael Zink und ihre neue Verortung in ländlicher Idylle erzählt nicht nur vom Rückzug eines Kunsthändlers, der einst von Regensburg über München in die damals so verheißungsvolle Kunststadt Berlin aufbrach und von ihr enttäuscht wurde. „Zu Ausstellungseröffnungen kamen und gingen Besucher im Drei-Minuten-Takt, danach die große Leere, kein Gespräch, kein Interesse“, lautet das Resümee.

Die Entscheidung für die scheinbare Abgeschiedenheit reflektiert die Umbrüche auf dem Kunstmarkt. Das Prinzip Galerie in seiner traditionellen Form hat ausgedient. Schon jetzt macht der Begriff der „Post Gallery“ die Runde: Kunstvermittlung und Events ohne Galerie, in temporären Locations und auf einer starken Vernetzung basierend.

In Berlin schließen Galerien

Denn der finanzielle Druck auf kleinere Galerien wächst. Seit der Finanzkrise 2008 spaltet sich der Markt immer stärker in zwei Lager. Auf der einen Seite die Megagalerien wie Gagosian, Zwirner und Pace, die mit global gefragten Supernamen Geld, Aufmerksamkeit und Investitionsbereitschaft abschöpfen. Auf der anderen Seite die engagierten Programmgalerien, die Künstler entdecken, aufbauen, aber ab einem gewissen Bekanntheitsgrad an die großen Mitspieler verlieren. Etwa 40 bis 50 Prozent aller mittleren und kleinen Galerien operieren am Existenzminimum.

Barocke Üppigkeit mischt sich mit dem skurrilen Witz von James Ensor. c: VG Bild Kunst
Gregory Forstner „The Birthday Party – Le Cosmonaute“ von 2006 (Ausschnitt)

Barocke Üppigkeit mischt sich mit dem skurrilen Witz von James Ensor.

c: VG Bild Kunst

Und das, obwohl laut „Art Market Report“ von Art Basel und UBS 2018 weltweit in Galerien und Auktionshäusern Kunst im Wert von 67,4 Milliarden US-Dollar umgesetzt wurde. Das sind sechs Prozent mehr als im Jahr davor. Der Landesverband der Berliner Galeristen registrierte für diesen Zeitraum in der einst boomenden Metropole ein Galerieschrumpfen um 25 Prozent.

Der dicht getaktete, globale Messekalender ist eine kostenintensive Kommerzmaschinerie geworden. Auch Michael Zink hat in den letzten Jahren Kooperationen mit anderen Galerien realisiert, temporäre Projekträume in New York oder Brüssel bespielt und ist von Madrid und Paris weiter nach Miami und Rotterdam zu den wichtigen Messen für zeitgenössische Kunst gezogen.

Wichtig sind Erfahrung und Vernetzung

Ganz darauf verzichten wird die Galerie auch in Zukunft nicht. „Aber wer nicht ausschließlich Bluechip-Künstler zeigt, sondern Künstler aufbauen und vermitteln will, verliert zu viel Kraft mit dieser Hamsterrad-Mentalität.“ Man muss schon in einer gewissen Klasse mitspielen, um eine 1,5 Millionen Euro teure Investition in den Umbau zu wagen. Das Experiment Waldkirchen hätte ohne 25-jährige Galerieerfahrung und Vernetzung wohl keine Basis. Jetzt ist es sein Arkadien und der Ort, an dem seine Künstler sich ausprobieren können.

Javier Calleja beispielsweise hätte in seinem winzigen Atelier auf Malaga niemals großformatige Bilder malen können. Andererseits braucht Zink die Galerie, „um meine Künstler zu präsentieren und um Begegnungen mit Sammlern zu schaffen, die nicht nur mit dem Akt des Kaufens zu tun haben“. Er ist überzeugt, dass seine Kundschaft aus Lateinamerika und Europa den Umweg in die Provinz auf sich nehmen wird.

Das Timing für die nächste Ausstellungsvernissage am 6. September mit neuen Werken des 1975 geborenen Gregory Forstner (Preise ab 25.000 Euro) ist mit Bedacht gewählt. Der kosmopolitische Künstler wird gerade in der Fondation Fernet-Branca im elsässischen Saint Louis gefeiert. Seine grotesken Tierparabeln spielen an auf die Kunstgeschichte und die familiäre Verstrickung im Dritten Reich. Im Katalog heißt es zu seinen Bildern, dass Forstner in seinen Genreszenen „sowohl die herausfordernde und höhnische Art eines James Ensor würdigt als auch die verschwenderische Fülle der flämischen Altmeister wie Jan Steen oder Adriaen Brouwer“.

Forstner gehört schon mehr als zehn Jahre zum Stamm der Galerie Zink. Die kommende Ausstellung umfasst vorwiegend neue Gemälde. Ab August wird sie aufgebaut. Eine Blitz-Preview ist für Durchreisende schon möglich.

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