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Kunstmesse Arco: Madrid schlägt die Brücke nach Lateinamerika

Spaniens führende Messe für zeitgenössische Kunst setzt auf peruanische Künstler. Für den obligatorischen Skandal der Arco sorgt jedoch der Spanier Santiago Sierra.
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Der argentinische Künstler nimmt mit seiner Assemblage die abendländisch-christliche Zivilisation aufs Korn. Das 55 Zentimeter hohe Werk wird in einer Zehner-Edition angeboten. Quelle: KOW
León Ferrari

Der argentinische Künstler nimmt mit seiner Assemblage die abendländisch-christliche Zivilisation aufs Korn. Das 55 Zentimeter hohe Werk wird in einer Zehner-Edition angeboten.

(Foto: KOW)

Madrid Das seit 1994 etablierte Konzept der Arco in Madrid, ein Gastland einzuladen, hat eine spannende Wandlung erfahren. Auf Spaniens führender Messe für zeitgenössische Kunst präsentieren sich in diesem Jahr nicht die Galerien des aktuellen Gastes Peru. Stattdessen stehen peruanische Künstler im Mittelpunkt des Interesses. 15 Galerien zeigen in einer kuratierten Zone 24 Positionen von Künstlern aus Peru, die nicht unbedingt auch dort leben.

Nur sieben Aussteller stammen aus Peru. Barbara Thumm aus Berlin ist gleich mit zwei Künstlern dabei: Teresa Burga und Antonio Paucar.

Die Kuratorin Sharon Lerner vom MALI (Museo de Arte de Lima) unternimmt den Versuch, peruanische Kunst in den Diskurs über internationale, aktuelle Tendenzen einzuspeisen: historische und aktuelle weibliche Positionen, LGBT [Sammelbezeichnung für Personen, die nicht heterosexuell sind, Lesbian Gay Bi Trans] und andere aktivistische Themen. Das passt zu den Programmen, die zurzeit in vielen zeitgenössischen Institutionen gefahren werden. Auch große private Sammlungen stocken in diesem Bereich auf. LGBT und andere Minderheiten, Rassismus, Dekolonisierung und Feminismus gehören seit einiger Zeit zu den großen Themen in der zeitgenössischen Kunst. Viele Künstler und Kuratoren verstehen sich ausdrücklich als Aktivisten.

Programm für Madrid

Dass Madrid seine Funktion als Brückenkopf zu Lateinamerika auch jenseits des Länderschwerpunkts immer noch behauptet, bestätigt Martin Janda aus Wien. Er ist kein Dauergast, sondern nutzt die Arco projektbezogen. Dieses Jahr zeigt er in der Sektion „Dialogos“ mit Tania Pérez Córdova und Alessandro Balteo-Yazbeck zwei Künstler aus Mexiko und Venezuela.

In den ersten Stunden der Eröffnung habe er hauptsächlich Lateinamerikaner an seinem Stand begrüßt, erklärt Janda. Darunter seien immer wieder neue Gesichter, das mache die Arco so attraktiv für ihn.

Viele europäische Aussteller betonen den lateinamerikanischen Teil ihres Programms und fahren hier zumeist gut damit.

Was wäre die Arco ohne einen Skandal! Santiago Serra ist immer für einen publicityträchtigen Aufreger gut. War es letztes Jahr die vermeintliche Zensur einer Fotoserie unter anderem mit spanischen Separatisten bei der einheimischen Galeristin Helga de Alvear, setzt der Künstler jetzt noch einen drauf.

Bei der Galerie Prometeo aus Mailand steht eine vier Meter hohe Skulptur des spanischen Königs. Der Käufer verpflichtet sich vertraglich, die mit 200.000 Euro ausgepreiste Arbeit zu verbrennen und den Akt zu dokumentieren. So kann man auch die Grenzen der Kunst ausloten.

Teresa Burga wird schon lange von der Galerie Thumm vertreten. Hier abgebildet ist die mit Faserstift und Kugelschreiber geschaffene Papierarbeit „El Huerto, 17/julio/2018“ aus der Serie „Dibujos viendo bien“ (2018). Quelle: Galerie Barbara Thumm
Teresa Burga

Teresa Burga wird schon lange von der Galerie Thumm vertreten. Hier abgebildet ist die mit Faserstift und Kugelschreiber geschaffene Papierarbeit „El Huerto, 17/julio/2018“ aus der Serie „Dibujos viendo bien“ (2018).

(Foto: Galerie Barbara Thumm)

Bei dieser Art Publicity drohen Inhalte und Nachrichten in den Hintergrund gedrängt zu werden. Dabei gibt es Einiges zu berichten. Nicht zuletzt steht bei der Arco ein Stabwechsel an. Carlos Urroz, der die seinerzeit stark schlingernde Messe 2010 übernommen hatte, zieht sich zurück. Bereits Ende 2018 wurde bekannt gegeben, dass die neue Direktorin die bisherige Nummer Zwei, Maribel Lopez, seine Nachfolgerin wird.

Urroz glaubt, dass bei öffentlichen Ämtern personelle Wechsel in bestimmten Abständen notwendig sind. Denn die Arco gehört über die Messegesellschaft IFEMA der Region und der Stadt Madrid. Zudem möchte er selbst gerne wieder mehr mit Künstlern arbeiten. Wir haben den Übergang acht Monate vorbereitet“, erklärt er. „Diese Kontinuität war mir sehr wichtig, weil die Kunst und das Gastland im Vordergrund stehen. Vor allem handelt es sich nicht um eine Krise, sondern um einen evolutionären Prozess.“

„Märkte brauchen Stabilität“

Lopez ist in Deutschland keine Unbekannte: Sie hatte ab 2007 eine Galerie in Berlin, bis Urroz sie 2010 als Commercial Director nach Madrid holte. Eine Revolution sei von ihr nicht zu erwarten, erklärt sie: „Es gibt nichts, was mich prinzipiell an der Messe stört. Wäre das der Fall, hätte ich schon vorher dafür gekämpft. Es geht um Kontinuität. Märkte brauchen Stabilität.“

Das Prinzip der Ländereinladung, das schon seit 2015 mit einer thematisch kuratierten Sektion abwechselt, will Lopz allerdings überdenken: „Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob die Idee der nationalen Repräsentanz noch in die Zeit passt, oder ob man nicht eher Städte und Regionen betrachtet.“

Was Galeristen sich erträumen

Von der aktuellen Konstruktion profitiert Barbara Thumm, die jetzt zwei Stände bespielt, ihren regulären und den kuratierten peruanischen. Dort kosten Kunstwerke zwischen rund 8.000 und 80.000 Euro. Was die Galerie auch auszeichnet, ist die lange Zusammenarbeit mit insgesamt vier peruanischen Künstlern. Damit nimmt sie in Europa eine Vorreiterrolle ein, die sich jetzt auszahlt.

„Mit Fernando Bryce arbeite ich schon seit mehr als 20 Jahren, mit Teresa Burga seit acht Jahren“, führt Thumm aus. „An Lateinamerika interessierte mich schon immer das Konzeptuelle, und die historische Verbindung zur europäischen Moderne.“ Welche Auswirkungen die Erweiterung des Kanons über den westlichen Horizont hinaus für sie und die Preise ihrer Künstler bedeute? „Das, was sich die Galeristen so erträumen“, sagt sie und lächelt verschmitzt.

Arco Madrid, Feria Internacional de Arte Contemporáneo, Messehallen IFEMA, bis 3. März 2019

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