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Kunstmesse Art Genève Sonntags werden die besten Geschäfte gemacht

Genf hat internationales Flair und eine aktive Kunstszene. Davon profitiert die Art Genève. Sie hat sich von einer kleinen Regionalveranstaltung zu einer Kunstmesse mit Ambition entwickelt.
30.01.2020 - 14:40 Uhr Kommentieren
Die 1988 entstandene, vierteilige Mischtechnik hängt am Stand von Hauser & Wirth (Ausschnitt). Quelle: Estate Günther Förg, Suisse; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Foto: Bernhard Strauss
Günther Förg „Areuse“

Die 1988 entstandene, vierteilige Mischtechnik hängt am Stand von Hauser & Wirth (Ausschnitt).

(Foto: Estate Günther Förg, Suisse; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Foto: Bernhard Strauss)

Genf In den neun Ausgaben ihres Bestehens hat sich die Art Genève von einer kleinen Regionalveranstaltung mit eher experimentellen Präsentationen zu einer Messe entwickelt, die selbst vielen Art Basel-Teilnehmern einen Teil der Schweiz und Frankreichs erschließt, den sie sonst nur schwer erreichen.

Die Mega-Galerie Hauser & Wirth ist jetzt zum zweiten Mal dabei. Erst, könnte man meinen, denn das ursprünglich aus Zürich stammende Imperium betreibt mittlerweile drei Standorte in der Schweiz.

„Wir kommen gerne nach Genf“, erklärt Florian Berktold aus Zürich, der kürzlich zum Partner aufgestiegen ist. „Die Messe hat sich entwickelt und etabliert. Das Publikum kommt gerne hier her und wir schätzen die Beziehungspflege. Genf ist international und hat eine sehr aktive Kunstszene.“

Während die Galerie bei ihrem Einstand letztes Jahr einen Fokus auf Kunst von Frauen hatte, ist in diesem Jahr ein Querschnitt durch das Programm und die Handelsabteilung zu sehen, von einem neuen Leuchtkasten Rodney Grahams bis zu einem fast abstrakten Aquarell Maria Lassnigs.

Für Urs Meile, der Galerien in Luzern und Peking führt, ist es sein erster Auftritt in Genf. „Ich habe in den letzten Jahren häufiger mit Kollegen und Sammlern gesprochen, die meinen, dass man hier auch Dinge sieht, die an großen Messen nicht unbedingt gezeigt werden“, erklärt er. „Wir haben bis dato wenig Verbindungen zur Westschweiz. Die Kontakte sind hier auf einer kleineren Messe einfach persönlicher.“

Auch Meile zeigt eine größere Auswahl, unter anderem ein expressives, ungegenständliches Großformat der 26-jährigen Rebekka Steiger zu moderaten 17.000 Franken. Eine Soloshow richtet der Schweizer Galerist dem 1940 geborenen Qiu Shihu aus, dessen monochrom weiße Leinwände 70.000 bis 170.000 Franken kosten.

Viele gerade kleinere Galerien sind schon seit fünf Jahren dabei, als die Messe größere Ambitionen zu entwickeln begann. Christine König aus Wien gehört zu ihnen. Sie fühlt sich hier gut aufgehoben: „Genf ist der perfekte Ort für mich in der Schweiz, weil es hier jüngere Sammler gibt, die sehr gebildet sind - und auch die Mittel haben - und überdies verstehen, dass nicht nur Theater und Oper zu ihrem Lebensstil gehören, sondern auch die Bildende Kunst.“

Die
Louise Bourgeois

Die "Untitled" betitelte Skulptur entstand 1947 aus bemalter weißer Bronze und Stahl. Es gibt sie in sechs Exemplaren, zuzüglich einem Künstlerexemplar.

(Foto: The Easton Foundation, Hauser & Wirth; VG Bild-Kunst, Bonn 2020; Foto: Christopher Burke)

„Mit unserem engagierten und kritischem Programm, sozusagen zwischen 'Politik und Poesie' ziehen wir genau dieses Publikum an“, ergänzt König. Gerade im jungen Segment sei Kontinuität gefragt, doch die zahle sich aus: „Das Interessante ist, dass diese jüngeren Sammler um die 40 nicht nur jedes Jahr wieder kommen und auch während des Jahres unser Galerieprogramm verfolgen. Sie bringen jedes Jahr Freunde und Bekannte mit, die sich ebenso von uns beraten lassen.“

Mitgebracht hat die österreichische Galeristin unter anderem Ira Svobodovàs (Jahrgang 1986) Architektur andeutende geometrische Abstraktionen. Sie kosten in größerem Format 6.000 Euro.

Auch Alex Reding aus Luxemburg kennt die Messe seit Jahren und ist wieder einmal zufrieden mit der Eröffnung. Seine Galerie Nosbaum Reding hat nach wenigen Stunden sowohl ein Relief von Stephan Balkenhol für 68.000 Franken als auch Landschaftszeichnungen des Luxemburgers Nuno Lorena für Preise zwischen 3.500 und 5.000 Franken verkauft - alles an Einheimische.

Viele Aussteller haben schon am Eröffnungsabend zumindest die Standkosten wieder eingespielt. Dabei ist nach einhelliger Meinung der Sonntag der verkaufsstärkste Tag. Denn das überwiegend regionale Publikum kauft privat für die eigenen vier Wände und möchte seine Entscheidungen daher in Ruhe abwägen.

Das Angebot der Art Genève ist zumeist recht konventionell. Was sie über den Durchschnitt hinaushebt, sind die Sonderformate, die oft einen nicht-kommerziellen Charakter haben. So finden sich neben zahlreichen Stiftungen Off-Spaces, wie in diesem Jahr Fragile aus Berlin mit Soundinstallationen oder das Kunstfestival Art d'Egypte aus Kairo. Es gewährt einem westeuropäischen Publikum einen seltenen Einblick in die ägyptische Kunstszene.

Ein sympathisches Zeichen der berühmten Schweizer Diskretion ist die Sonderschau mit Arbeiten von David Shrigley, die auch einem größeren Kunstverein oder Museum gut anstehen würde. Als Quelle wird schlicht „eine Privatsammlung“ angegeben, deren Name auch auf Nachfrage nicht in Erfahrung zu bringen ist. Nur, dass sie in Genf beheimatet ist und dass ihr Eigentümer mehrere Künstler in vergleichbarem Umfang sammelt.

Statt der Design-Messe PAD, deren hiesige Ausgabe noch kitschiger ausgefallen war als die Mutter in London, ist in diesem Jahr die Video-Messe Loop aus Barcelona zu Gast.

Für die Zukunft hat Direktor Thomas Hug Expansion im Sinn. Nach der erfolgreichen Etablierung der artmonte-carlo im Jahr 2016 peilt er jetzt eine Messe in Moskau an, ein schwieriges Terrain, an dem sich schon einige Messeveranstalter die Zähne ausgebissen haben: „Dieses Jahr werden bei Art Moscow curated im Architekturmuseum Arbeiten von 25 Galerien zu sehen sein. Im Jahr darauf wird es eine eher eine traditionelle Messe in der Manege vor dem Kreml geben.“

Mehr: Deloitte Kunst-Report: Lesen Sie hier, warum Kunst als Anlage ein großes Thema bleibt

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