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Kunstmesse Die Art Düsseldorf zeigt junge Kunst in alten Industriekathedralen

Wer am Ende des Jahres noch Geld übrig hat, kann es auf der „Art Düsseldorf“ ausgeben. Die Kunstmesse im Böhler Areal hat an Qualität zugelegt.
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Die Bodenarbeit ist von Christoph Ruckhaeberle. Quelle: Art Düsseldorf; Sebastian Drueen
Blick in den Stand von „Sorry We‘re closed“

Die Bodenarbeit ist von Christoph Ruckhaeberle.

(Foto: Art Düsseldorf; Sebastian Drueen)

DüsseldorfDie Mischung kommt gut an. Wenn junge Kunst auf alte Industriearchitektur stößt, strömen die Besucher. Das hatte das Debüt der neuen Herbstmesse „Art Düsseldorf“ bereits 2017 bewiesen. Die zweite Ausgabe läuft bis 18. November in aufgegebenen Werkshallen der Stahlindustrie.

Die Kunstmesse im Böhler Areal hat sich gesteigert, was Anspruch und Präsentation betrifft. Umso mehr, als kurz vor dem Start, wie berichtet, der Rückzug des Minderheitsgesellschafters MCH aus der Schweiz, der unter anderem die „Art Basel“ veranstaltet, bekannt wurde.

Die Art Düsseldorf setzt auf große Namen und verzichtet auf gewagte Experimente. Wer als Sammler oder Vertreter einer Corporate Collection am Ende des Geschäftsjahres noch Geld übrig hat, dürfte am hippen Stadtrand von Düsseldorf fündig werden. Diesmal sind 40 nationale und internationale Galerien mehr dabei als bei der Erstauflage.

Klarheit in der Kaltstahlhalle

Gerade die zweite, kleinere Kaltstahlhalle hat an Qualität und Klarheit deutlich hinzugewonnen. Nach dem Übergang aus der Alten Schmiedehalle trifft der Besucher links auf kleinere Stände, wo elf junge Galerien ausbreiten, was angesagt ist in Warschau oder Istanbul. Rechter Hand trifft er auf die großzügigen Stände von Krinzinger aus Wien, Johann König aus Berlin und Bo Bjerggaard aus Kopenhagen.

Eigen + Art überraschen dort mit neuen Namen. Die Ukrainerin Lada Nakonecha lockt den Betrachter an, weil sie in ihren Überzeichnungen von Fotos zum Hitler-Stalin-Pakt die Hände superplastisch herausstellt (3.200 Euro). Stef Heidhus überzeugt mit einer minimalistischen, formal ausbalancierten Wandskulptur aus Metall und Gummischnur (5.200 Euro).

Wie global der Kunstmarkt von jeher ist, sieht der Besucher bei der Tina Keng Gallery aus Peking. Sie stellt die großen, kissenartigen Lackbilder von Su Xiabai aus. Der chinesische Maler hatte in den 1980er-Jahren in Düsseldorf studiert und die ästhetischen Errungenschaften von Gotthard Graubners duftigen Kissenbildern mit chinesischer Lacktradition verbunden.

Der Bezug zur Kunstakademie von Düsseldorf und der innovativen Kunstszene, die das Rheinland seit den 1960er-Jahren zum Blühen bringt, ist auch in der Alten Schmiedehalle zu sehen. In der Koje der Galerie Bastian aus Berlin hängt ein Filzanzug von Joseph Beuys als Showstopper nach außen.

Die Galerie Werner aus Berlin und New York zieht mit einer Mischtechnik von Sigmar Polke, die den Keilrahmen verkehrt herum benutzt, den Blick auf sich. Thomas Ruffs Schwarz-Weiß-Fotogramme von 2013 funkeln wie Diamanten. Das Großformat aus einer Viereredition soll am Stand der New Yorker Galerie David Zwirner 85.000 Euro kosten.

Axel Vervoordt aus Antwerpen hat – wie zu erwarten – einen großen Wandteppich aus Metallschrott von El Anatsui mitgebracht. Als weltweit gefragte Mischung aus sozialem Projekt (denn der Künstler bezahlt die Dosensammler) und schön schimmerndem Kunstwerk notieren diese Stücke längst sechsstellig.

Die Glocken „Forever Mi“ und das Betonbild „Jardin exotique“ von Latifa Echakhch. Links eine matte Skulptur von Anish Kapoor, rechts das Relief „Tree hut group n°4“ von Tadashi Kawamata. Quelle: Art Düsseldorf, Foto: Sebastian Drueen, VG Bild-Kunst Bonn 2018 für Kapoor
Bei Kamel Mennour

Die Glocken „Forever Mi“ und das Betonbild „Jardin exotique“ von Latifa Echakhch. Links eine matte Skulptur von Anish Kapoor, rechts das Relief „Tree hut group n°4“ von Tadashi Kawamata.

(Foto: Art Düsseldorf, Foto: Sebastian Drueen, VG Bild-Kunst Bonn 2018 für Kapoor)

Überraschender ist die Metallskulptur von Peter Buggenhout, die rüde und zart zugleich wirkt. Rau, weil aus unbrauchbarem Altmetall, fragil, weil sie kunstvoll mit Dreck überzogen ist. Buggenhout wird in Deutschland von der Konrad Fischer Galerie vertreten. Doch Düsseldorfs prominenteste Galerie verzichtet auf eine Teilnahme. Ihre Künstler, etwa Thomas Ruff und Wolfgang Tillmans, sind gleichwohl auf der Messe vertreten, bei Vervoordt und David Zwirner.

Eine Riesenwelle macht Aljoscha bei Beck & Eggeling. Seine dynamische Skulptur aus Plexiglas schwappt quasi über die Wand und kostet 70.000 Euro. Dem neuesten Tipp aus Frankreich widmen Carlier Gebauer eine One-Man-Show. Die skurrilen Figurationen von Vincent Gicquel, kürzlich in der Sammlung François Pinault zu sehen, kosten bis zu 14.000 Euro. Andreas Schmittens aus Kleve bekannte Großvitrine „Spectators Choice“ mit stuhlartigen Objekten (35.000 Euro) ist ein Hingucker bei Schönewald.

Auf Frauenpower trifft der Besucher hingegen bei Priska Pasquer. Die Künstlerin Ulrike Rosenbach persönlich zielt neben Warhols Marlon Brando mit erhobener Waffe auf den Betrachter. Auf neue Jacquardstoffbilder von Edith Dekyndt stößt man am Stand von Karin Günther. Ihren Reiz entfalten sie durch entfernte Schussfäden (17.500 Euro). Kadel Willborn kontrastieren Stühle von Art & Language mit Lackbildern von Helmuth Dorner (rund 50.000 Euro).

Nachdenkliches findet sich bei Kamel Mennour. ‚Wem schlägt die Stunde‘, mag der Pariser fragen. Denn er breitet zwei zerschlagene Glocken aus Lübeck von Latifa Echakhch aus, deren kleinere bei 35.000 Euro notiert. ‚Was ist die Zeit‘, fragt „Idol“, eine Arbeit aus Dutzenden von Uhrzeigern von Alicja Kwade, für die Mennour netto 42.000 Euro erwartet.

Wenn alles gut läuft und die angekündigten Sammlergruppen aus Belgien, der Schweiz und den Niederlanden anreisen und auch kaufen, wenn ferner die hiesigen Sammler an 90 Ständen beherzt zugreifen, dann schafft es Messe-Co-Gründer Walter Gehlen vielleicht, die junge Herbstveranstaltung zu halten. Die Termine für 2019 und 2020 ließ der Optimist schon mal verkünden.

Art Düsseldorf, Böhler Areal, Düsseldorf, bis 18. November 2018, Do. Eröffnung 16 bis 20 Uhr, Fr. 12 bis 19 Uhr, Sa. und So. 11 bis 19 Uhr. Der Katalog steht online unter https://app.art-dus.de/

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