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Kunstmesse Fiac Kunstmarkt in Paris profitiert von der Angst vor dem Brexit

Die Pariser Kunstmesse Fiac ist schon zur Eröffnung ein kommerzieller Erfolg. Anerkannte Klassiker und angesagte Künstler finden schnell ihre Käufer.
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Ein Inkjet-Druck von 2019 in einer Dreierauflage. Quelle: Tobias Kaspar/Galerie Peter Kilchmann
Tobias Kaspar: „Four Women (white, black, violet)“

Ein Inkjet-Druck von 2019 in einer Dreierauflage.

(Foto: Tobias Kaspar/Galerie Peter Kilchmann)

Paris „Vierzehn Millionen Menschen spazieren jährlich durch den Tuilerien-Park des Louvre“, verkündete die Direktorin für kulturelle Veranstaltungen im Louvre, Dominique de Font-Réaulx, als sie die 22 Skulpturen und Installationen vorstellte, die die Kunstmesse „Fiac“-Galeristen im Tuilerien-Park aufstellen dürfen. „Der Louvre trägt also dazu bei, dass die Fiac die größte Messe der Welt ist“, setzt sie optimistisch hinzu.

Selbstverständlich sind die im Park und am Concorde–Platz aufgestellten Installationen verkäuflich. Unverkäuflich dagegen ist laut der Galeristin Victoria Miro der aufblasbare gelbe Kürbis von 10 x 10 x 10 Metern der betagten japanischen Pop-Meisterin Yayoi Kusama am Place Vendôme. Der erfreut die Passanten allerdings nur dann, wenn das Pariser Wetter sein Gebläse unbeschädigt lässt.

Hauptstandort der Fiac bleibt der angestammte Kuppel-Glasbau des Grand-Palais, wo 199 Galeristen aus 29 Ländern Kunst von der Klassischen Moderne bis zu Werken von 2019 zeigen. Die Messe erstreckt sich auch auf die Straße zwischen dem Grand und dem Petit Palais, wo weitere 38 verkäufliche Positionen zu betrachten sind. Die für den Verkehr gesperrte Straße ist laut der Fiac-Direktorin, Jennifer Flay, eine „Art Esplanade wie im Jahr 1900, als die beiden Palais zur Weltausstellung eröffnet wurden, wo die Besucher spielerisch und poetisch flanieren können“.

Abgesehen vom Volksfest-Ambiente und von Übertreibungen der Direktorinnen ist diese 46. Fiac bereits seit der Vernissage für geladene Gäste am Mittwochabend ein kommerzieller Erfolg. „Und das ist das Ausschlaggebende“, meint Benoît Sapiro (Galerie Minotaure, Paris) zufrieden lächelnd. Er verkaufte gleich drei Werke zu Beginn.

Thaddaeus Ropac (Salzburg/Paris/London) behauptet sogar, dass „die Renaissance von Paris gelungen ist. Bisher war die Londoner Frieze oft besser, aber wegen des Brexit ist Paris in diesem Jahr eindeutig führend“. Das beweisen seine frühen Verkäufe eines Robert Rauschenberg-Gemäldes für 1,7 Millionen Euro, je eines Bildes von Yan Pei-Ming und von Georg Baselitz sowie einer Skulptur von Antony Gormley für 400.000 Pfund.

Das Markenzeichen der Künstlerin sind große, schwarze Punkte, mit denen sie ihre Bilder und Skulpturen überzieht. Die Japanerin hat einen gepunkteten Riesenkürbis am Place Vendôme installiert. Vertreten wird das Werk von den Galerien Ota Fine Arts, David Zwirner und Victoria Miro. Quelle: YAYOI KUSAMA Photography Noriko Takasugi
Yayoi Kusama

Das Markenzeichen der Künstlerin sind große, schwarze Punkte, mit denen sie ihre Bilder und Skulpturen überzieht. Die Japanerin hat einen gepunkteten Riesenkürbis am Place Vendôme installiert. Vertreten wird das Werk von den Galerien Ota Fine Arts, David Zwirner und Victoria Miro.

(Foto: YAYOI KUSAMA Photography Noriko Takasugi)

Fast entspannt wirkt Max Hetzler (Berlin/Paris). Er konnte bereits ein großes Gemälde von Albert Oehlen von 2011 für 800.000 Euro abgeben, dazu eine Skulptur von Rebecca Warren. Hetzler gelang es, eine kleine Ausstellung von Glenn Brown im Musée Delacroix zu platzieren. Mitten unter den Arbeiten von Eugène Delacroix hängen die unheimlichen Bilder Browns. Das adelt den Künstler, dessen Preise bei 200.000 Euro starten.

Bei den auf die Moderne und die Nachkriegskunst ausgerichteten Galerien konnte Applicat-Prazan (Paris) mit dem Verkauf eines großen, späten Gemäldes von Hans Hartung für 280.000 Euro punkten. Hartung trifft man an mehreren Ständen an, da das Museum für moderne Kunst der Stadt Paris gerade eine üppige, sehr gut aufbereitete Schau von Hartung bietet.

Gmurzynska aus Zürich und New York entschied sich für einen Schwerpunkt für Roberto Matta. Dafür kommen die besten Arbeiten sowie ein Picasso-Porträt seines Sohnes Claude von 1948 aus dem Nachlass der letzten Frau von Matta. Mathias Rastorfer, Miteigentümer der Galerie, erwähnt im Gespräch mit dem Handelsblatt einige Verkäufe und Interesse für das Matta-Museumsformat im Zentrum des Gmurzynska-Standes.

Alle wollen das Gleiche

Die genannten Verkäufe sind symptomatisch für den aktuellen Kunstmarkt, denn die großen Namen der Kunstgeschichte sowie die anerkannten noch lebenden Künstler und die – meist durch Kunstpreise in den Fokus gerückten — Newcomer finden rasch ihre Käufer. „Das Problem ist, dass alle das Gleiche wollen“, kommentiert schmunzelnd der Kunstberater Christophe Langlitz.

Der Megagalerist Larry Gagosian löst das Problem, indem er den Marktstar Urs Fischer in der Pariser Galerie und der Dependance am Flughafen Le Bourget zeigt. Dagegen soll sein Fiac-Stand eine Hommage an die „Künstler der französischen Riviera“ sein.

Dazu wurden die Fresken von Jean Cocteau imitiert, der einst die Villa Santo Sospir auf der Halbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat für seine Gönnerin, Madame Weisweiler bemalte. Gagosian, der Kunst zu Millionenpreisen verkauft, zeigt nun ganz bescheiden Krüge und Teller in nummerierter Auflage von Pablo Picasso. Die werden meist für Preise unter 50.000 Euro gehandelt.

Generell ist der Rundgang über diese Fiac für alle Chinesen, US-Sammler oder Deutschen wesentlich angenehmer als im Vorjahr. Besonders im Bereich der Entdecker-Galerien sieht man weniger Videos, weniger billige Provokation, weniger Sex und Trash.

Die derzeitige Vertreterin Frankreichs bei der Biennale in Venedig, Laure Prouvost, ließ es sich dennoch nicht nehmen, eine Art Stehlampe aus prallen Brüsten vor einem immensen Frauen-Gemälde im Petit Palais zu platzieren (Galerie Nathalie Obadia, Paris/Brüssel).

Im Gegensatz zu dieser sinnlich-feministischen Position nimmt der frisch gekrönte Marcel Duchamp-Preisträger Eric Baudelaire den Brexit zum Anlass für eine konzeptuelle Arbeit. Die Berliner Galerie Barbara Wien bietet sie für 80.000 Euro an. Baudelaire befragte dafür sämtliche englische adelige und nicht-adelige Abgeordnete, wohin sie nach dem „Verlassen Europas“ gingen. Die teils geharnischten Antworten: „Die EU ist nicht Europa, die Schweiz existiert sehr gut mitten in Europa ohne EU...“ sind gerahmt und hängen aneinander gereiht. Frau Wien hofft auf eine solide Privatsammlung oder eine Institution für das „work in progress“, denn es kommen laufend weitere Antworten.

Für den Kunstmarkt im allgemeinen, die Galeristen und die in England lebenden Sammler im besonderen bedeutet der Brexit eine Bedrohung. Davon profitiert im Moment der Standort Paris. Viele Groß- und Megagalerien haben bereits Filialen an der Seine. David Zwirner erobert von New York aus zusehends die Kunstwelt und eröffnet in dieser Woche 800 Quadratmeter-Räume im Pariser Viertel Marais. Der Ort wurde jahrelang vom Avantgarde-Galeristen Yvon Lambert bespielt. Victoire de Pourtalès führt nun die Pariser Galerie David Zwirner gemeinsam mit der langjährigen Direktorin der New Yorker Galerie Zwirner, Justine Durrett.

Eigene Abteilung für Künstlernachlässe

Zwirner weist auf das „enorme Potenzial“ der in Frankreich lebenden Sammler hin und erzählt, dass er Anfang Oktober zehn Leute beim Pariser Dinner für Jeff Koons kennenlernte, die er noch nie gesehen hatte. Die Pariser rätseln jetzt, ob Zwirner wie Ropac wirklich persönlich in der Stadt anwesend sein oder wie Gagosian durch Abwesenheit glänzen wird.

Zwirner zählt zu den Stammgaleristen von Jeff Koons. Dessen mehr als 60 Tonnen schwere „Tulpen-Bouquet“-Skulptur wurde nach heftiger Polemik um ihren Standort kürzlich im Park hinter dem Petit Palais von der deutschen Metallverarbeitungsfirma Arnold installiert.

Gerüchten zufolge plant auch die ursprünglich Schweizer Galerie Hauser & Wirth ein Standbein in Paris. Neben Filialnetzen haben diese „Haifisch“-Galeristen auch gemeinsam, Nachlässe von anerkannten verstorbenen Künstlern zu übernehmen. Ropac hat dafür eine eigene Abteilung gegründet. Bemerkenswert, denn noch vor kurzem waren alle ausschließlich auf extrem erfolgreiche Zeitgenossen erpicht. Doch wer kommerziell und ästhetisch zweigleisig fährt, verdient mehr. Das zeigt auch deren guter Absatz auf der Fiac.

Mehr: Auktionen für zeitgenössische Kunst: Lesen Sie hier über die Stimmung in London im Schatten des bevorstehenden Brexits.

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