Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kunstmesse Rundgang über die Tefaf in Maastricht – Ein Eldorado für Altmeister

Museumsreife Skulpturen und ein konkurrenzloses Angebot an Altmeistern sind in Maastricht zu entdecken. Was ist fair bewertet, was zu teuer?
Kommentieren
Kenner untersuchen eine Kollektion von Trinkspielen in Schiffsform. Quelle: TEFAF/Loraine Bodewes
Auf dem Stand der Galerie Kugel

Kenner untersuchen eine Kollektion von Trinkspielen in Schiffsform.

(Foto: TEFAF/Loraine Bodewes )

MaastrichtDer Kunstmarkt steht weltweit in einer Umbruchphase. Ein neues Käuferverhalten, das von digitalen Einflüssen geprägt ist, fundamentaler Geschmackswandel und ein stärkeres Preisbewusstsein der Kunstkonsumenten fordern programmatische Erneuerung. Davon sind Auktionen, Galerien, aber stärker denn je auch die Kunstmessen betroffen. Die Maastrichter Tefaf reagiert mit der Verjüngung ihres Programms durch die Aufnahme renommierter Händler aus den Bereichen moderner und zeitgenössischer Kunst.

Das allein bringt noch keine große Veränderung. Im Umfeld der starken Neuen, darunter Pace, Sprüth-Magers, Gmurzynska (seit 17 Jahren wieder vor Ort) gibt es hier noch immer zu viel zweitrangige Händler, die das Gesamtbild verwässern. Das gilt auch für die Altmeister-Abteilung, die seit der Messegründung 1988 deutlich an Substanz verloren hat, nicht zuletzt deshalb, weil altgediente Händler wie Johnny van Haeften, Otto Naumann und Richard Feigen abgetreten sind.

Mehr als Füller wirken einige italienische Galerien mit mittelmäßigen Werken. Dennoch ist das Gesamtpotential der hier ausgestellten Altmeistergemälde konkurrenzlos. Wie immer gibt es in diesem Bereich Bilder, die überteuert sind oder zu fairem Preis angeboten werden.

Zu den Exponaten italienischer Renaissancekunst, die auch einen höheren Preis haben könnten gehört der kleine dreiteilige Hausaltar von Gian Francesco Mainari, der bei Benappi (London) mit 380.000 Euro beziffert ist und mit Kreuztragung, Kreuzigung und Kreuzabnahme in feiner, dichter Malerei mantuanischer Prägung eine Augenweide ist.

Eines der besten Goldgrundbilder der Messe, das Andachtsbild der Maria mit Kind von Paolo Veneziano, das bei Haboldt (Amsterdam, Paris) für angemessene 1,4 Millionen Euro hing, war in den ersten Messestunden an einen Privatsammler verkauft.

Mit 575.000 Euro ist der große Domenico Feti „David mit dem Haupt Goliaths“ am Gemeinschaftsstand von Amells und Adam Williams (New York) keineswegs überteuert. Die früheste Version dieses Hauptwerks des mantuanischen Hofmalers besitzt die Dresdner Gemäldegalerie. Bei anderen Werken angesagter Maler aus dem Dunstkreis Caravaggios gibt es ein starkes Preisgefälle.

Ein figurenreiches Bacchanal des Franzosen Simon Vouet ist bei Stair Sainty (London) mit 3,1 Millionen ausgepreist, während bei Benappi ein „Konzert“ des weniger prominenten Jean Ducamps für 320.000 Euro zu haben ist. Bei Sanct Lucas (Wien) hängt ein Matthias Stomer mit drei Charakterköpfen (Christus vor dem Hoehepriester) im angenehmen Wohnzimmerformat für 450.000 Euro, während bei Lilian (Amsterdam, Genf) das große „Emmausmahl“, das im Dezember 2018 bei Sotheby's 262.000 Pfund erlöste, jetzt für 900.000 Euro zu haben ist.

Auch auf dieser Messe gibt es wieder genug Exponate, die frisch aus den Auktionen stammen. Paradebeispiel ist bei Koetser (Zürich) ein Winterlandschaft mit Eisläufern von Hendrick Avercamp, die erst im April bei Christie's als Werkstattbild für 50.000 Dollar versteigert wurde und jetzt nach erfolgreicher Analyse als authentisches Werk des Kampener Meisters gilt.

Das Doppelporträt mit Selbstbildnis hat absoluten Museumsrang. Für die auf Leinwand gemalte Rarität werden 3,5 Millionen Euro erwartet. Quelle: TEFAF/  Galerie Canesso
Hans von Aachen

Das Doppelporträt mit Selbstbildnis hat absoluten Museumsrang. Für die auf Leinwand gemalte Rarität werden 3,5 Millionen Euro erwartet.

(Foto: TEFAF/ Galerie Canesso)

Die Preisvorstellung liegt bei 1,6 Millionen Euro. Bei de Jonckheere (Genf) wartet ein ungewöhnliches Cranach-Sujet auf Kunden. Das kleine Tafelbild mit der Verspottung Christi kommt aus einer Christie's-Auktion vom Juli letzten Jahres, in der es 488.750 Pfund erlöste und jetzt für 1,2 Millionen Euro angeboten wird.

Von absolutem Museumsrang ist ein Doppelporträt des seltenen Manieristen Hans von Aachen bei Canesso (Paris), ein lustbetontes Selbstbildnis mit Laute spielender Donna Venusta, das 3,5 Millionen Euro kostet. Es erscheint geradezu als Vorbild ähnlich sinnenfroher Doppelporträts der niederländischen Caravaggisten.

Rarität aus schwarzem Marmor

Einen starken Auftritt haben in diesem Jahr Skulpturen. Eines der herausragenden Barockexemplare ist die Elfenbeingruppe des Laokoon von Leonhard Kern bei Kugel (Paris), die für 2,3 Millionen Euro offeriert wird, ein Preis, der keine Luft mehr nach oben lässt. Ähnlich definitiv beziffert ist bei Katz (London) das polychrome Terracotta-Rundrelief eines Laureaten von Andrea della Robbia, das 2017 in Christie's New Yorker „Exceptional Sale“ 895.000 Dollar erlöste und jetzt 1,7 Millionen Euro kostet.

Während die am Stand der Tommaso-Brüder (London) meist zugeschriebenen Skulpturen in diesem Jahr enttäuschen, wartet die Pariser Galerie Heim mit einer kunsthistorischen Rarität auf. Hier stehen, fast unauffällig im hinteren Teil der Koje zwei Mohren mit Adler und gebändigten Löwen des Barockbildhauers Giovanni Campi. Pendants dieser Statuen in schwarzem Marmor stehen in der römischen Villa Borghese. Der Preis von 7 Millionen Euro ist museumsreif.

Dagegen wirkt die 1 Million Euro, die Sam Fogg (London) für das um 1470 entstandene Madonnenrelief des auch als Meister der Marmor-Madonnen bekannten Toskaners Gregorio di Lorenzo verlangt, geradezu preiswert. Mit 480.000 Euro ausgepreist ist bei Böhler das subtil ausgearbeitete Marmorrelief mit dem Idealporträt einer jungen Frau von Simone di Niccolo Bianco (um 1520).

Es lässt sich kaum leugnen, dass der von der Erbengeneration geprägte Geschmackswandel auch das Kunstgewerbe-Angebot in Maastricht beeinflusst. Es gibt so gut wie keine Barockmöbel mehr. Der Akzent liegt auf geradlinigem Klassizismus der Louis seize-Periode. Die von Meissen-Porzellan überquellende Koje von Röbbig (München) ist eine Apologie gegen den zu Glattform und Glattdekor neigenden Trend. Eine neue Sammlerschicht wird gesucht für stark farbige Majoliken des 16. Jahrhunderts aus Urbino und Lyon, die eine Wand bei Quénetain (London, Paris) zieren.

Im Silberbereich konkurrieren Kugel und Neuse (Bremen) mit einer Kollektion von Trinkspielen in Schiffsform. Den absoluten Knüller bietet der Londoner Silberhändler Koopman mit dem vergoldeten „Schild des Achill“ nach einem Enwurf des britischen Klassizisten John Flaxman, der 1984 bei Sotheby's für 484.000 Pfund unter dem Hammer war und jetzt 5 Millionen Pfund kosten soll.

Werke auf Papier finden guten Anklang. Im ersten Stock, wo die Spezialhändler auftreten, dominiert zwar die Moderne, aber es gibt rote Punkte bei Altmeistergraphik und die Londoner Handlung Day and Faber konnte ihre mit 28.000 bis 72.000 Euro notierenden Ölskizzen von Thomas Farnley absetzen. Ein Prachtbeispiel der figurativen Aquarell-Fantasien von Emil Nolde aus den frühen dreißiger Jahren ist bei Utermann (Dortmund) für angemessene 290.000 Euro zu haben. Hier hängen weitere Werke, die aus Privatsammlungen wieder direkt in den Galeriekreislauf zurückgeflossen sind.

Frühdrucke von Dürer zeigt David Tunick (New York), darunter als besondere Rarität einen ersten Druckzustand der Eisenradierung „Landschaft mit Kanone“, die mit 225.000 Dollar notiert. Museale Rembrandt-Radierungen hängen bei Rumbler (Frankfurt), allen voran die „Landschaft mit viereckigem Turm“ in einem tonigen Exemplar, das wie eine Tuschzeichnung wirkt (130.000 Euro).

Hier gibt es aber auch Altmeister-Graphiken herausragender Druckqualität, die sich an neue Sammler richten, darunter die duftigen Pan-Szenen von G. Castiglione (4.000 bis 9.000 Euro) oder der Kupferstich der „Fortitudo“ von G. Raimondi mitsamt seiner im Gegensinn gedruckten Nachempfindung von H. Hopfer (3.000 und 2.000 Euro).

Die Abteilung moderner Kunst ist reich an zweitrangigen Legers, späten Picasso-Werken und Arbeiten aller Schaffensphasen von Jean Dubuffet. An vielen Ständen sind Werke der abstrakten Ecole de Paris eingemischt, was auf Belebung dieses Sektors schließen lässt. Das beste Kirchner-Gemälde der Messe hängt bei Bailly (Genf, Paris): ein Stilleben mit Lampe in kühner Diagonalkomposition (6 Millionen Euro).

Eines der frühen Max Liebermann-Motive aus der holländischen Periode stellt eine lebendig wirkende Mädchengruppe in eine lichte Baumlandschaft. Dieser von Daxer und Marschall (München) für 1,2 Millionen offerierte „Sonntagnachmittag in Laren“ gehört zu den Messe-Exponaten, deren Preis nicht fragwürdig ist.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Kunstmesse: Rundgang über die Tefaf in Maastricht – Ein Eldorado für Altmeister"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote