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Kunstmessen In New York buhlen die Messen Frieze und Tefaf um die Gunst der Sammler

Zwei Messen in New York locken Kunstfreunde: Auf der Frieze sind vergessene Künstler neu zu entdecken. Die Tefaf punktet mit Einbindung von Design.
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Die fünfteilige „Black Twill Collection“ des dänischen Glaskünstlers gibt es auf dem Stand von Adrian Sassoon auf der Tefaf New York Spring 2019. Quelle: Tefaf New York Spring 2019
Tobias Møhl

Die fünfteilige „Black Twill Collection“ des dänischen Glaskünstlers gibt es auf dem Stand von Adrian Sassoon auf der Tefaf New York Spring 2019.

(Foto: Tefaf New York Spring 2019)

New YorkFrieze New York hat bei ihrem achten Auftritt offenbar auf die Schaltfläche Neustart gedrückt. Die Messe hatte eine Generalüberholung auch sehr nötig. Im letzten Mai heizte sich das Zelt auf über 30 Grad auf, und VIPs suchten schnell das Weite. Die Messe entschädigte Händler mit mindestens 1.000 Dollar oder bis zu zehn Prozent der Standgebühr, aber die Reputation hatte gelitten.

Dabei ist schon die zeitraubende Anfahrt zum abgelegenen Veranstaltungsort auf Randall’s Island ein großes Handicap. Diese Faktoren trieben sicher weitere Blue Chip-Händler, darunter die Galerien Pace, Almine Rech, Marian Goodman, Sprüth Magers, Matthew Marks und Skarstedt in die Arme des Konkurrenten Tefaf New York Spring (The European Art Fair), der sich vor drei Jahren in der elegant ausstaffierten Armory an Park Avenue des Topmarktes für moderne und zeitgenössische Kunst und Design annahm. Frieze füllte die Range mit jungen Ausstellern, vielen aus China, aber auch einigen nachgewachsenen New Yorker Galerien. Der eine oder andere Teilnehmer, wie etwa Nino Mier (Los Angeles/ Köln), kam von der abgesagten Messe NADA (New Art Dealer Alliance) herüber, die sich auf ihre Dezember-Ausgabe in Miami konzentrieren will.

Auch Frieze hatte schon versucht – allerdings vergeblich - sich in der einträglicheren Moderne zu profilieren. Erfolgreich ist sie seit vier Jahren aber bei der Entdeckung von vergessenen oder unterbewerteten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Dieser stetig gewachsene Sektor „Spotlight“ ist vor allem bei Museumskuratoren ein Hit.

In diesem Jahr decken 33 Händler, von insgesamt 190, ein sehr breites Spektrum ab. Galerie Kornfeld (Berlin) präsentiert dem internationalen Publikum die grell-farbigen Gemälde Elvira Bachs, die in den 1980ern als Star der „Jungen Wilden“ gefeiert wurde. Gleich in den ersten Stunden konnten drei an ein chinesisches Museum verkauft werden. Sammler aus New York und Hongkong griffen ebenfalls zu.

Ausgerechnet im Bereich „Spotlight“ ist die internationale Marlborough Gallery zu finden. Sie bot Red Grooms (81) riesige Stoffskulptur „The Bus“ (1995) an, einen begehbaren New Yorker Linienbus samt fast lebensgroßen humorvoll geschilderten Passagieren. Auch er wurde in den ersten Stunden bei 550.000 Dollar verkauft.

Hank Willis Thomas installierte vor dem Rockefeller Center von New York seine zeichenhaften Großskulpturen. Quelle: Timothy Schenck. Courtesy of Timothy Schenck/Frieze.
Kunstobjekte sollen Neugierde wecken

Hank Willis Thomas installierte vor dem Rockefeller Center von New York seine zeichenhaften Großskulpturen.

(Foto: Timothy Schenck. Courtesy of Timothy Schenck/Frieze.)

Pariser Künstlerkreise sind immer noch eine gute Quelle. Die Galerie Loevenbruck hat Akte des haitianischen Malers und Poeten Roland Dorcély aus den 1950ern und 1960ern, die mit dicken schwarzen Umrisslinien etwa an Julian Opie oder Tom Wesselman erinnern (20.000 bis 30.000 Dollar). Sie wirken sehr frisch. Auch der Exiliraner Bijan Saffari lebte in Paris. Zeichnungen seiner schwulen Clique und Selbstporträts aus der frühen 1980ern sind bei der Teheraner Galerie Dastan’s Basement zu finden.

Die Messe beeindruckt in diesem Jahr vor allem mit neuen wohldurchdachten Initiativen. Eine nach dem Essay Aldous Huxleys zum Meskalinkonsum „The Doors of Perception“ getitelte Ausstellung bietet in über 300 eng gehängten Arbeiten einen guten Überblick über internationale Art Brut-Kunst. Nicht alle sind verkäuflich. „Wir sind die Homogenität leid, jede Messe sieht ja genau wie die nächste aus“, erklärt Loring Randolph ( Artistic Director, Americas im zweiten Jahr) ihre Entscheidung.

20 Großskulpturen sollen Neugier wecken

Mitten in Manhattan soll die neue Initiative „Frieze Sculpture at Rockefeller Center“ Neugier wecken. Hier stehen 20 Großskulpturen im Dialog mit einem der prominentesten und belebtesten Platze der Stadt (noch bis zum 28.6.). Mehr oder weniger erfolgreich, denn die traurige Parade von 50 schwarzbraunen Jutefahnen des jungen Ghanaers Ibrahim Mahama (vertreten von White Cube, London), die Dutzende stets munter wehende Flaggen der UNO-Mitgliedsstaaten ersetzen, irritierten schon den einen oder anderen Touristen. Sie wollen auf die extreme Ungerechtigkeit in der weltweiten Verteilung von Einkommen und Ressourcen verweisen.

Gelungen ist auch der Tribut an die schwarzamerikanische Galeristin Linda Goode Bryant (69), die in ihrer Galerie JAM („Just Above Midtown“) mitten in Manhattan in den 1970er-Jahren Konzeptkunst farbiger Künstler anbot. Aus vielen sind Stars geworden. Eine Museumsausstellung zum Thema wird übrigens im Herbst 2022 vom MoMA geplant. Hier auf Frieze kann man sie bei zehn Händlern, die heute Bryants Künstler vertreten, eindecken.

Hauser & Wirth zeigt neue Fotocollagen von Lorna Simpson. Sie sind aber bereits alle verkauft. Stimmungsvolle Fotoarbeiten von Ming Smith, die den ganz normalen New Yorker Straßenalltag und auch ihre Freundin Grace Jones festhalten, bietet Karen Jenkins-Johnson (San Francisco) (bis zu 375.000 Dollar) an.

Beim schon lange auf historische afroamerikanische Kunst spezialisierten Michael Rosenfeld (New York) hängen drei geheimnisvoll leuchtende dunkle späte Gemälde von Norman Lewis (1,8 Millionen Dollar). Viele Galerien berichteten am Ende des sehr gut besuchten VIP-Tages (Mittwoch) von guten Verkäufen im Bereich bis zu etwa einer halben Million Dollar an Museen und Sammler aus der ganzen Welt.

konnte die Galerie Ropac auf der Frieze New York schnell verkaufen. Die über zwei Meter hohe Kreidezeichnung war mit 600.000 Dollar ausgepreist. Quelle: Galerie Ropac; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Robert Longos „Untitled (Rose, November 22, 2017)“

konnte die Galerie Ropac auf der Frieze New York schnell verkaufen. Die über zwei Meter hohe Kreidezeichnung war mit 600.000 Dollar ausgepreist.

(Foto: Galerie Ropac; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Die am Freitag eröffnende Tefaf sieht zwölf neue Namen unter insgesamt 93 Teilnehmern. Und obwohl die Stände in der Armory bekanntlich klein sind, können einige Galerien eine makellose Visitenkarte abgeben. So der gleich prominent am Eingang platzierte Helly Nahmad (New York) mit raren kubistischen Bildern und Zeichnungen von Picasso, Leger und Gris. Eykyn McLean (New York) beeindrucken mit bester Pop-Art. Eines der Starangebote halt Dickinson (London/New York) bereit. Die Galerie kann eine ganze amerikanische Sammlung vermitteln und macht mit hervorragenden Beispielen ab den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts Appetit.

Auch David Zwirner führt seinen letzten Coup vor: die exklusive Vertretung der Familie Klee, die zum ersten Mal mit einer kommerziellen Galerie zusammenarbeitet. „Seine zahlreichen Facetten sollen einer neuen Generation von Sammlern und Künstlern nahegebracht werden“, wünscht sich Enkel Aljoscha Klee. Ersteilnehmer Pace Gallery ruft die langjährige Repräsentanz von Jean Dubuffet mit Werken der Jahre 1965 bis 1981 in Erinnerung. Auch drei Performances des „lebendigen Gemäldes“ „Coucou Bazar“, das 1973 im Guggenheim Museum uraufgeführt wurde, sind geplant.

Im Trend: südamerikanische Moderne

Viel südamerikanische Moderne wird angeboten, nicht nur bei Spezialisten wie Bergamin & Gomide (Sao Paolo) oder Leon Tovar (New York). Bei Gladstone (New York/ Brüssel) sind unter anderem zwei besonders schöne Kleinformate des Brasilianers Alfredo Volpi aus den 1960ern auf hellem Sackleinen präsentiert.

Auch Patrick Derom (Brüssel) brachte einiges mit. „In den letzten Jahren schärfte sich in Nordamerika das Bewusstsein für die Wichtigkeit der 1950er- und 1960er-Jahre in Lateinamerika“, so Gilles Marquenie von der Galerie, „diese Kunst hat Qualiät und Frische“.

Und bei Zeitgenossen-Galerien breitet sich offenbar der Trend aus, ins 20. Jahrhundert zurückzugreifen. Petzel (New York) Simon Lee (London/Hongkong/ New York) und auch Sean Kelly (New York/Taipei) kombinieren Aktuelles mit Picasso oder Surrealisten.

Über allem schwebt, nicht zu übersehen, Natalija Gontscharowas riesiges Bühnenbild für die Premiere von Diaghilews Ballett „Le Coq d’Or“ (1914), das eine volkstümlich vereinfachte Ansicht von St. Petersburg in leuchtenden Gelbtönen zeigt. Von Galerie Gmurzynska unter der Decke im Exerziersaal aufgehängt, setzt es auf die große Gontscharowa-Retrospektive im Sommer in Tate Modern (um 1,5 Millionen Dollar).

Schön ist auch immer zu beobachten, wie Galerien auf die Herausforderung der denkmalgeschützten Raume reagieren. Tina Kim (New York) ließ alles mit einer sehr kompliziert konstruierten cremefarbenen Samtverschalung verkleiden. Bei Nilufar (Mailand) schätzt man dagegen die gemütliche Atmosphäre der Mahagonivertäfelung und addiert Mailänder Chic. Wie etwa in dunkelgrünen Samt neu gepolsterte Sessel „Concha“ und „Curva“ des Brasilianers Joaquim Tenreiro. Und auch der 41-jährige Hernan Bas (bei Lehman Maupin, New York/ Hongkong/Seoul) antwortet in seiner aktuellen Gemäldeserie auf das Design im Stil der Neo-Renaissance.

Kurz vor Beginn der Messe gab die Tefaf übrigens eine neue Eigentümerstruktur bekannt. Sie erwarb die 49 Prozent Beteiligung vom Mitgründer von Tefaf New York, der New Yorker Kunstberatungs- und Investmentfirma Artvest Partners. Artvest managte die Messe für die ersten zwei Jahre, hatte danach als Minderheitsgesellschafter weiterhin einen Sitz im Vorstand gehalten.

Frieze New York, Randall’s Island Park, New York, bis 5. Mai 2019, Fr. 11 bis 19 Uhr, Sa. und So. bis 18 Uhr

Tefaf New York Spring, Park Avenue Armory, 643 Park Avenue, New York, bis 7. Mai, Fr. und Sa. 11 bis 20 Uhr, So. und Die. bis 18 Uhr, Mo. bis 20 Uhr

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