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Schild vor dem Eingang zum Grünen Gewölbe

Das Residenzschloss hat seit Mittwoch wieder geöffnet, die Sammlung bleibt aber auf unbestimmte Zeit geschlossen.

(Foto: dpa)

Kunstraub in Dresden „Im Nachhinein werden die Schwachstellen offenbar“

Der Juwelendiebstahl von Dresden entfacht eine Diskussion über den mangelnden Schutz wertvoller Kulturgüter. Kunstrecht-Experte Jochen Kissling sieht Nachbesserungsbedarf.
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Düsseldorf Jochen Kissling ist spezialisiert auf Kunstrecht und arbeitet bei der Düsseldorfer Kanzlei Dr. Ganteführer, Marquardt & Partner. Sie berät Kunstsammler, Künstler und Galeristen, darüber hinaus auch Museen, Stiftungen (etwa die Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf oder die Stiftung Stadtgedächtnis in Köln), Auktionshäuser und Kunstversicherer.

Herr Kissling, der Diebstahl in Dresden erschüttert nicht nur die Kunstwelt. Wie blicken Sie als Anwalt auf dieses Verbrechen?
Vordergründig handelt es sich um ein Verbrechen, bei dem anders als bei manchen Einbruchdiebstählen zum Glück keine Personen zu Schaden gekommen sind. Aber es stellt natürlich einen ungeheuerlichen Eingriff in das Kulturgut unseres Landes dar, der mit keinem Geld aufzuwiegen ist.

Immer wieder kommt es zu spektakulären Kunstdiebstählen, zuletzt auch im Berliner Bode Museum. Schützt Deutschland seine Kulturgüter nicht ausreichend?
Das lässt sich so pauschal nicht beantworten. Deutschland ist so reich an schützenswerten Kulturgütern, dass es gar nicht möglich ist, einen vollumfassenden Schutz zu bieten. Das gilt erst recht, wenn Kunstschätze der Öffentlichkeit an historischer Stelle präsentiert werden sollen.

Im Nachhinein werden natürlich die Schwachstellen offenbar. Hier könnte aber auch ein strukturelles Problem solcher öffentlichen Sammlungen bestehen, die auf Versicherungsschutz durch erfahrene Kunstversicherer verzichten. Denn der Kunstversicherer verlangt hinreichende Sicherungskonzepte, die über die eigenen Anforderungen von öffentlichen Sammlungen häufig hinausgehen.

„Den kulturellen Schaden kann eine Versicherung nicht aufwiegen.“
Jochen Kissling

„Den kulturellen Schaden kann eine Versicherung nicht aufwiegen.“

Gibt es Länder, die dieses Problem besser im Griff haben? Was machen sie möglicherweise besser oder was müsste passieren, um das Risiko solcher Diebstähle zu verhindern?
Am 14. September in diesem Jahr wurde die Plastik „America“, eine eingebaute Toilette aus 18-karätigem Gold von Maurizio Cattelan, aus dem Bienheim Palace im Vereinigten Königreich gestohlen. Auch dieser spektakuläre Raub hat sofort Diskussionen über zu laxe Sicherheitsstandards entfacht.

Wir reden hier also über kein deutsches Problem. Man muss auch sehen, dass sich viele schützenswerte Kulturgüter in Privatbesitz mit teilweise deutlich geringerem Schutzniveau befinden. Ein absoluter Schutz ist leider nicht erreichbar.

Welche Chancen gibt es Ihrer Erfahrung nach, das Diebesgut zurückzuerlangen?
Die gestohlenen Kunstschätze sind nach allgemeiner Einschätzung wegen ihrer Bekanntheit auf dem europäischen Kunstmarkt unverkäuflich. Wenn es sich um einen Auftragsdiebstahl eines Privatsammlers handelt und die Werke womöglich unerkannt ins Ausland verbracht werden, dann dürfte es schwer werden, die Kunstschätze zurück zu erlangen. Sie tauchen dann einfach im Markt nicht mehr auf.

Wie können Museen solche Kunstwerke versichern, deren immaterieller Wert ja weit über den materiellen Wert hinausgeht?
Eine Versicherung kann nur den materiellen Verlust ersetzen. Den kulturellen Schaden, den Dresden, der Freistaat Sachsen und letztlich wir alle hierdurch erleiden, kann eine Versicherung nicht aufwiegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr: Nach dem Jahrhundert-Diebstahl von Dresden dürften viele deutsche Museen nun in puncto Sicherheit nachbessern. Doch für Museen ist das eine schwierige Sache.

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