Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kunstszene Berlin Berlin Art Week: Empfehlungen für den Kunstmarathon

Das Kunst- und Ausstellungsangebot der Berliner Museen, Galerien und Messen hat fast durchweg hohes Niveau. Besonderheiten der Berlin Art Week.
10.09.2020 - 10:50 Uhr Kommentieren
Flirrende Farbmuster in der Galerie Max Hetzler. Quelle: Bridget Riley; Galerie Max Hetzler Berlin, Paris, London
Bridget Riley

Flirrende Farbmuster in der Galerie Max Hetzler.

(Foto: Bridget Riley; Galerie Max Hetzler Berlin, Paris, London)

Berlin Die Berliner Kunstszene kann durchatmen. Die Zeit des Schlechtredens ist vorbei. Auch wenn die zurückgezogenen Flick-Leihgaben das Museumsbild überschatten, so zeigt doch die Berlin Art Week mit ihren Präsentationen in 20 Kunsthäusern, 13 Privatsammlungen und 10 Projekträumen wieder deutlich Flagge, und das mit gesteigertem Qualitätswillen.

Wie immer ist an diesem dicht gefüllten Wochenende auch bei bester Kondition nicht alles zu bewältigen. Wer den Markt durchwandern will, kann sich an die „Positions“-Messe halten. Er kann die 48 Galerien durchstreifen, die sich zum auf den Herbst verschobenen Gallery Weekend formiert haben. Oder er kann die zweite von der König Galerie organisierte Messe besuchen.

Die ist gut überschaubar und von besserer Qualität als ihre Vorgängerin im Juni, die als Kampfansage an die Corona-Depression und als Antwort auf die Auktionen 2,5 Millionen Euro eingespielt hat. Dieses Format, bei dem 20 Prozent der Verkaufserlöse an den Galeristen gehen, hat nach Königs Worten bewiesen, „dass es auch ohne eine große Messe geht. Die Kosten sind geringer und der Markt profitiert, wenn man die richtige Ware hat“.

Ware ist auch in dieser Verkaufsschau reichlich vertreten. Über 300 Arbeiten von rund 200 Künstlern werden im Austausch von Exponaten bis zum 20. September gezeigt. Das Angebot spannt sich von Farbzeichnungen von Walter Dahn für 700 Euro bis zum Großformat von Georg Baselitz im „Remix”-Stil der Jahre 2001/2002 für 725.000 Euro. Im Altarraum hängt dicht an dicht junge deutsche Malerei zu weniger elitären Preisen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die am Weekend beteiligten Galerien und ihre unabhängigen Kollegen fahren starke Werke auf. Es sieht so aus, als habe gerade die Corona-Periode den Qualitätswillen antizyklisch beflügelt. So ist beispielsweise die in allen drei Galeriestandorten von Max Hetzler gezeigte Bridget Riley-Ausstellung eine Retrospektive mit Großformaten geworden, obwohl sie nur 18 Bilder enthält, von denen nur vier zu Preisen ab 650.000 Euro käuflich zu erwerben sind. Nach der großen Übersichtsausstellung in der Londoner Hayward Gallery ist diese Schau eine eindrucksvolle Hommage an die Meisterin flirrender Flächenmuster. (Bis 24. Oktober)

    Die 2019 entstandene Installation „Muddy Haim“ nimmt den Lifestyle auf's Korn. Quelle: Annik Wetter, Genf
    Sylvie Fleury

    Die 2019 entstandene Installation „Muddy Haim“ nimmt den Lifestyle auf's Korn.

    (Foto: Annik Wetter, Genf)

    Auch die Ausstellung zum 90. Geburtstag von Gotthard Graubner bei Wolfgang Werner ist eine konzentriert gehängte Würdigung des 2013 verstorbenen rheinischen Künstlers. Werke der früheren Schaffensphase wurden mit großen Farbraumkörpern der späteren Zeit zusammengeführt, deren Preise bei 360.000 bis 690.000 Euro liegen. (Bis 31. Oktober)

    Dreihundert Meter weiter am Fasanenplatz hat die Schweizer Performance- und Objektkünstlerin Sylvie Fleurie die Galerie Mehdi Chouakri besetzt, eine Schau, die sich in der Zweigstelle Mommsenstraße fortsetzt (Preise 32.000 bis 70.000 Euro). Die Ausstellung „Shame“ wartet mit ironischen Referenzen an die Konsumwelt und an Starkünstler auf. Sie liefert mit einer aufblasbaren Gummiskulptur ein poppiges Selbstporträt, lässt Frauenhände eine Tiffany-Basketball zerquetschen und in blauem Autolack schimmernde Beine als feminines Lock- und Warnsignal aus der Wand ragen. (Bis 31. Oktober)

    Politiker im Großformat

    Ein Künstler der subtilsten Art ist der Italiener Nicola Samori, der seine neuen Arbeiten in der Galerie Eigen und Art zeigt und eine so treue Fangemeinde hat, dass 90 Prozent der Exponate verkauft sind (zu Preisen von 14.000 bis 80.000 Euro). Samori bezieht sich auf die Kunst des 17. Jahrhunderts.

    Die meisten der hier ausgestellten Gemälde sind auf grauen Marmorgrund aufgetragen, ein Material, aus dem auch zwei virtuos mit Hammer, Meißel und Skalpell ausgearbeitete Skulpturen (ein Johanneskopf und ein verwundeter Torso) geschaffen sind. Ein Porträt wirkt wie ein caravaggistisches Schattenbild, ein großes Blumenstück auf Kupfer spielt mit den Flecken und Schraffuren, die der Zufall bei der Bearbeitung schafft. Der kunsthistorische Background verführt in allen diesen Arbeiten zu neuem Sehen. (Bis 31. Oktober)

    Die neuen Fotoarbeiten von Andreas Gursky bei Sprüth Magers sind kontrastreiche Werke. Es gibt eine Serie mit Schweinen im heugefüllten Stall, einen Blick auf den fast ausgetrockneten Rhein, die fast konstruktivistische Architekturfotografie eines Baumarkts und die monumentale Seitenansicht eines Kreuzschiffs. Führende deutsche Politiker*innen figurieren in zwei Großformaten, die Machtverteilung und Machthistorie personifizieren. Eines davon, „Politik II (Politics II)“, entstanden 2020 , ist käuflich für 750.000 Euro. (bis 14. November).

    Es gibt noch mehr Spannendes und Charaktervolles an diesem Gallery Weekend zu sehen. Esther Schipper, die in ihrem Hauptraum eine technoide Installation von Philippe Pareno zeigt, die mit aufwändigem Licht- und Tonprogramm lockt, hat den von Blain/Southern verlassenen Galeriesaal angemietet und zeigt hier bemalte Riesenbronzen von Ugo Rondinone, die wie farbig gefasste Naturmonumente wirken. Als Nonnen und Mönche bezeichnet der Künstler sie und spricht damit die meditative Aura an, die diese statuarischen Bildwerke vermitteln. (Bis 17. Oktober)

    Überzeugende Bildwirkung mit Tiefgang schafft die Ausstellung „Jungle Memory“ von Andreas Greiner bei Dittrich & Schlechtriem, in der der ökologische Künstler die Idee des gefährdeten Waldes in einer Videoarbeit aus tausenden überblendeten Fotografien magisch heraufbeschwört (50.000 Euro, bis 31. Oktober).

    „Positions“-Messe mit neuem Gesicht

    Von den Protagonisten der jungen Malerei, die immer wieder neu im Marktfokus steht, ist der Amerikaner Brandon Lipchik, der in der Galerie Grunenberg seine zweite Einzelausstellung hat, einer der besten. Die zartfarbige Transparenz seiner früheren Arbeiten ist in kräftigen, den Bildraum füllenden Kompositionen aufgegangen. Sie nutzen die Drohnen-Perspektive der Computer-Ästhetik, um visionäre Figurationen zu schaffen, die nicht zuletzt von politischen Ereignissen in USA geprägt sind. (Bis 24. Oktober)

    Die Messe „Positions“ hat sich mit der Ausdehnung auf zwei Hallen ein neues, gut überschaubares Gesicht gegeben. Am breiten Spektrum der Beiträge hat sich nichts geändert. Papierarbeiten, die stärker als die Fotografie vertreten sind, erscheinen hier in deutlich gehobener Qualität. Altgediente Galerien heben das Niveau. Zu ihnen gehören Nothelfer mit exemplarischer Graphik von Eduardo Chillida und Richard Serra (ein Großformat für 25.000 Euro) und Haas mit markanten Landschaftstuschen von Jakob Mattner (je 7800 Euro).

    Bei Rothemund hängen Macke-Zeichnungen, die bis 89.000 Euro notieren. Auch die Zeichnungen von Gerhard Altenbourg bei Brusberg sind mehr als eines Blickes würdig. Ein interessantes Programm farbiger Künstler hat die an zwei Stellen vertretene Artco Galerie. Die hier hervorstechenden exotischen Fotocollagen der Kolumbianerin Raquel van Haver (8500 Euro) haben bereits in holländischen Ausstellungen reüssiert. (Bis zu 13. September in Hangar 3-4 des Flughafens Tempelhof)

    Mehr: Szene-Club Berghain: Die Antwort der Künstler auf den Lockdown

    Startseite
    Mehr zu: Kunstszene Berlin - Berlin Art Week: Empfehlungen für den Kunstmarathon
    0 Kommentare zu "Kunstszene Berlin: Berlin Art Week: Empfehlungen für den Kunstmarathon"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%