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Larry Gagosian "Ich weiß gar nicht, was loyal bedeutet"

Zwei Klagen gegen Larry Gagosian werfen ein Licht auf Verkaufspraktiken des weltweit mächtigsten Händlers für zeitgenössische Kunst. Unterdessen wechseln namhafte Künstler der Galerie zur Konkurrenz.
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Larry Gagosian bei der Eröffnung seiner Pariser Dependance im Oktober 2012 Quelle:

Larry Gagosian bei der Eröffnung seiner Pariser Dependance im Oktober 2012

New York Larry Gagosians Imperium übt große Faszination auf Beobachter aus. Nicht zuletzt weil sich der weltweit mächtigste Händler für zeitgenössische Kunst selten in die Karten schauen lässt. Aber zwei in New York erhobene Klagen erlauben einen Blick hinter die prächtige Fassade. Sie werfen ihm Missbrauch seiner Vertrauensposition, Manipulierung von Preisen, Verletzung der Treuepflicht und ungerechtfertigte Bereicherung vor. Im Gegenzug beantragte Gagosian bei Gericht, die Klage als unsubstanziiert abzuweisen. Die Galerie reagierte nicht auf die Bitte um Stellungnahme. Deutlich wird auch, wie leicht die in der Branche noch übliche Handschlagsmentalität zu Missverständnissen führen kann.

“Der Verkäufer befindet sich in einer schlimmen Notlage und braucht Cash. Wollen Sie ein grausames und beleidigendes Angebot machen?“, mit dieser E-Mail offerierte die Direktorin der Gagosian-Niederlassung in Beverly Hills im Sommer 2009 ihrem Kunden Roy Lichtensteins Gemälde „Girl in a Mirror“. Der New Yorker Finanzier bot nur zwei Millionen Dollar für das Bild des Pop Art-Künstlers, die auch akzeptiert wurden.

Klage der 94-jährigen Sammlerin

Klage wurde im Januar 2012 von der prominenten Sammlerin Jan Cowles, 94, erhoben. Sie beschuldigt Gagosian, das ihr gehörende Lichtenstein-Bild ohne ihre Zustimmung verkauft zu haben. Ihr Sohn Charles Cowles, der damals selbst als Kunsthändler in New York tätig war, hatte die Demenzkranke nicht vom Verkauf informiert. Die Klägerin behauptet weiterhin,  Gagosian habe mit dem Verkäufer Charles Cowles vereinbart, ihm mindestens 2,5 Millionen Dollar netto aus dem Verkauf zu geben. Gagosian hätten 500.000 Dollar für die Vermittlung zugestanden. Cowles aber habe nur 1 Million bekommen, den Rest habe sich die Galerie als Kommission genehmigt. Die Klage beziffert den Wert des Bildes dagegen auf 5 Millionen Dollar. Mittlerweile sind die Parteien über einen Vergleich im Gespräch, gab der Anwalt der Klägerin zur Auskunft.

Wert eines unvollendeten Werks

Aber es steht auch noch die Klage des bekannten Investors Ronald O. Perelman, 70, im Raum. Sein Reinvermögen wird vom Wirtschaftmagazin Forbes auf 13 Milliarden Dollar geschätzt. Perelman ist seit 20 Jahren guter Kunde und Freund Gagosians und hatte von ihm im Mai 2010 eine noch nicht ausgeführte Großskulptur „Popeye“ von Jeff Koons zu vier Millionen Dollar gekauft.

Nachdem sich aber die für Dezember 2011 versprochene Lieferung verzögerte, wollte Perelman das Werk wieder abstoßen. Er war überzeugt, das nicht fertige Werk sei inzwischen 12 Millionen Dollar wert. Mit einigen anderen Werken aus seiner Sammlung plus Bargeld tauschte er es bei Gagosian gegen andere Kunstobjekte ein. Perelman verklagt nun den Händler, den Tauschwert für die Koons-Skulptur mit 4,25 Millionen Dollar absichtlich niedrig angesetzt zu haben. Er habe eine geheime Übereinkunft mit Koons, die den größten Anteil des Wertgewinns dem Künstler zuspreche. Kess waren Gagosians Antworten bei der Zeugenbefragung. Auf Fragen zu Interessenkonflikten antwortete der manchmal als „Hai“ charakterisierte Händler: „Ich weiß gar nicht, was loyal bedeutet“. Die Galerie reagierte nicht auf die Bitte um Stellungnahme.

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