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Lehr Kunstauktionen Die erste Live-Versteigerung nach dem Lockdown ist ein voller Erfolg

Saalbieter verhelfen der Berliner Auktionatorin Irene Lehr zu einem unerwartet hohen Erlös. Voraussetzung waren intelligente Vorkehrungen gegen die Ansteckungsgefahr.
29.04.2020 - 11:59 Uhr Kommentieren
Das 2002 geschaffene Gemälde
Norbert Bisky

Das 2002 geschaffene Gemälde "Kamerad 2346" erzielte 70.400 Euro inkl. Aufgeld (Ausschnitt).

(Foto: Irene Lehr; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Berlin Es geht ja doch! Die mit Spannung erwartete erste Kunstauktion unter Corona-Bedingungen war ein durchschlagender Erfolg. Das kleine Berliner Auktionshaus Dr. Irene Lehr in Berlin erlebte die erfolgreichste Veranstaltung in der 25-jährigen Unternehmensgeschichte. „Ich wollte nicht in vorauseilendem Gehorsam eine Verschiebung auf mich nehmen“, erklärt Irene Lehr nach der Versteigerung.

Das Szenario war durchaus befremdlich. Statt wie sonst in einem Hotel, wurden die 475 Lose hauptsächlich deutscher Kunst von der Klassischen Moderne bis heute in den betriebseigenen Räumen verhandelt. 20 Stühle wurde für angemeldete Bieter in zwei Zimmern im Erdgeschoss aufgestellt, mit behördlicher Genehmigung und unter Einhaltung der Abstandsvorschriften. Per Internet-Stream wurde die Auktionatorin im ersten Stock auf die Wände projiziert, während ein Mitarbeiter im Durchgang saß,, die Saalgebote aufnahm und per Funk weitergab.

Während im Büro 15 Telefone besetzt waren, kamen im Saal nie mehr als ein Dutzend Bieter zusammen. Gleichwohl waren die Anwesenden für mehr Umsatz verantwortlich als Telefone und Internetbieter.

So gingen alle Top-Lose an Saalbieter. Allen voran Günther Förgs auf 150.000 Euro geschätzte monumentale fünfteilige Wandinstallation „Metro 3“ aus dem Besitz des gleichnamigen Handelskonzerns. Schon die ersten beiden Versionen waren hier zuvor für 340.000 und 390.000 Euro verkauft worden. Diesmal trug der junge Berliner Sammler Stavros Efremidis CEO, Godewind Immobilien AG, mit einem Gebot über 460.000 Euro (ohne Aufgeld) den Sieg über einige Händler im Saal und am Telefon davon.

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    Der Handel hatte überhaupt wenig Chancen an diesem Tag. Sämtliche Top-Zuschläge gingen an Privat. Auch bei einem der ersten Gemälde, das A.R. Penck nach seiner Übersiedlung in den Westen 1980 geschaffen hatte, war er mit einem Gebot über 205.000 Euro (Taxe 80.000) erfolgreich. Dasselbe gilt für das Gemälde „Sandhaufen, dithyrambisch“ von Markus Lüpertz von 1966/67, für das der Privatsammler 100.000 Euro (50.000) genehmigte.

    Eines der ersten Gemälde, das der Künstler nach seiner Übersiedlung in den Westen schuf, erhielt ein Gebot von über 205.000 Euro. Geschätzt war das
    A.R. Penck

    Eines der ersten Gemälde, das der Künstler nach seiner Übersiedlung in den Westen schuf, erhielt ein Gebot von über 205.000 Euro. Geschätzt war das "o.T." betitelte, mit Acrylfarben auf Leinwand gemalte Werk auf 80.000 Euro.

    (Foto: Irene Lehr; VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

    Bei Hermann Glöckners „Drei gefaltete weiße Papiere auf Blau“, einer kleinen und untypisch dunklen, aber frühen Collage mit Lack aus dem Jahr 1934 allerdings unterlag Efremidis. Aus einem Bietgefecht ging ein anderer Saalbieter mit dem Rekordgebot von 130.000 Euro als Sieger hervor.

    Internetbieter waren fast ausschließlich im drei- und vierstelligen Bereich aktiv und erfolgreich. Im Verlauf der Auktion wurden 92 Prozent der Lose zugeschlagen. Die hohe Quote ist für das Haus nicht ungewöhnlich. Der Erlös hingegen schon. Netto wurden 2,5 Millionen Euro erlöst, das ist fast das Doppelte der unteren Schätzpreissumme. Die Nachfrage nach Kunst ist ohne Zweifel vorhanden. Schwierig wird es erst im weiteren Verlauf des Jahres, weil den Auktionshäusern durch die Ausgangsbeschränkungen die Zeit für die Akquise fehlt.

    Online only-Auktion nicht riskiert

    Irene Lehr ist dem Ergebnis entsprechend froh über ihre Entscheidung, die Auktion auch unter den gegebenen Umständen durchgeführt zu haben: „Ich wollte erst verschieben, wenn es wirklich notwendig ist. Schon aufgrund des Feedbacks zum Katalog Mitte März habe ich gemerkt, dass das eine gute Entscheidung war.“ Denn schon rechtlich ist eine Internet-Versteigerung nur dem Namen nach eine Auktion: „Ich hätte bei den teuren Stücken keine reine Online-Auktion riskiert, weil dann das Fernabsatzgesetz gegriffen hätte.“ Und das schreibt zwingend eine Rücknahme innerhalb von zwei Wochen vor.

    Mehr: Online only: Eine neue App vereinfacht das Geschäft mit Kunstauktionen im Internet

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