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Leipziger Dirigent Kurt Masur „Wir brauchen Mäzene statt Sponsoren“

Er war Chef des Gewandhausorchesters und der New Yorker Philharmoniker und spielte eine Schlüsselrolle bei der Wende 1989. Regina Krieger und Regine Müller trafen den 87jährigen Dirigenten Kurt Masur in Leipzig.
24.05.2015 - 15:16 Uhr Kommentieren
Der Maestro dirigiert 2003 in „seinem“ Gewandhaus in Leipzig ein Jugendorchester. Quelle: dpa
Kurt Masur am Pult

Der Maestro dirigiert 2003 in „seinem“ Gewandhaus in Leipzig ein Jugendorchester.

(Foto: dpa)

Leipzig Leipzig, Goldschmidtstraße 12. Hier lebte Felix Mendelssohn Bartholdy bis zu seinem Tod 1847. Heute ist das Haus ein Museum und Sitz der Mendelssohn-Stiftung. Kurt Masur verbindet viel mit dem Komponisten des „Sommernachtstraums“: Beide waren Gewandhaus-Kapellmeister, und der Maestro ist nun die treibende Kraft der Stiftung. Zurück aus New York, wo er die Wintermonate über lebt, diskutiert Masur im Rollstuhl sitzend. Ungeachtet seiner Parkinson-Erkrankung agiert er sehr dynamisch – und mit dem ungebrochenen Charisma eines Künstlers mit großem gesellschaftlichen und politischen Einfluss.

Herr Masur, warum ist klassische Musik wichtig?
Sie löst etwas aus. Sie bringt die Menschen dazu, sich zu fragen, was sie fühlen. Zum Beispiel bei Beethovens Fünfter Symphonie. Oder warum sie Mahler so berührt. Musik kann zum Tanzen schön sein, zum Marschieren leider auch, aber sie kann auch Menschen im Innersten anrühren, an etwas erinnern, sie öffnen.

Warum engagieren Sie sich ausgerechnet in der Bach-Stadt Leipzig so sehr für Felix Mendelssohn Bartholdy?
Wir haben uns entschlossen, mit Nachdruck darauf zu bestehen, dass der Name Mendelssohn an die Stelle rückt, die er eigentlich verdient. Einen „Elias“ kann man sehr wohl an die Seite der „Missa Solemnis“ von Beethoven stellen. Warum soll Mendelssohn heute noch unter seiner jüdischen Herkunft leiden und daran, dass seine Musik in der Nazizeit sogar verboten war? Die Rolle, die Mendelssohn in der Musikgeschichte nicht nur als Komponist gespielt hat, ist eminent.

Wie würden Sie sie beschreiben?
Er war derjenige, der viele der musikalischen Aktivitäten, die bis heute Leipzig prägen, erfunden hat. Er hat dirigiert und damit ein Beispiel gegeben, denn das war vor ihm gar nicht üblich. Da spielten die Orchester überwiegend ohne Dirigenten. Die Sinfonien wurden geleitet vom Konzertmeister, und nur wenn sie Glück hatten, blieben die Musiker zusammen.

Musik braucht Sponsoren. Ist es schwieriger geworden, die zu finden?
Eigentlich brauchen wir Mäzene statt Sponsoren. Und zwar in dem Sinne, wie es damals mit dem Gewandhaus angefangen hat: Das erste bürgerliche Orchester haben die Leipziger Bürger gegründet. 16 Kaufleute, Beamte und Händler bezahlten 16 Musiker, das war 1743, vor 275 Jahren! Vorher gab es ja nur Hofkapellen, die der Repräsentation und dem Amüsement des Adels dienten. Hier war es Bürgerstolz, der ein Orchester für die Stadtgesellschaft gründete. Da ging es damals schon um die Fragen: Wie können wir Abos verkaufen, und wie können wir die Leute interessieren?

Sie wünschen sich Mäzene. Sind die heute ganz ausgestorben?
Privates Mäzenatentum gab es schon in Deutschland. Zum Beispiel Werner Otto, dem im Berliner Schauspiel der Werner- Otto-Saal gewidmet ist. Das war ein Mensch, der das Wort Mäzenatentum noch begriffen und gelebt haben. Wovon wir heute reden, ist Sponsoring.

Sie waren viele Jahre in den USA als Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker. Gibt es Ideen, die man von dort importieren kann?
Dort läuft es viel besser. Es ist heute nicht mehr so im Bewusstsein der Menschen verankert, dass es zum guten Ton gehört, Kultur zu unterstützen. Heute sponsert man Sport, weil der die größte Reichweite hat.

Nicht streng, aber fordernd
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