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Lenny Kravitz Reisetagebuch eines Streuners

Lenny Kravitz ist nicht nur ein erfolgreicher Rockmusiker. Er fotografiert auch mit Leidenschaft, vor allem Menschen. Wem er weltweit begegnete, erzählt eine Ausstellung in Wetzlar.
Update: 24.05.2019 - 17:48 Uhr Kommentieren
Die stark geschminkte
Lenny Kravitz

Die stark geschminkte "LOLA" ist eine flüchtige Erscheinung.

(Foto: Lenny Kravitz)

Wetzlar„Fly Away“ heißt einer der bekanntesten Songs von Lenny Kravitz. „Ich will abhauen, ich will wegfliegen wie eine Libelle“, singt der US-Musiker darin. Seit 30 Jahren tourt Kravitz mit seinen Rockballaden um die Welt, ein Wanderer, der sich auch musikalisch schwer in eine Kategorie pressen lässt.

Kravitz‘ Songs gelten als altmodisch im positiven Sinne, erinnern mit ihren Soul- und Reggae-Einflüssen an die 60er- und 70er-Jahre, als die Globalisierung noch Verheißung war, nicht Bedrohung. „Ich bin ein Streuner. Ich bin immer unterwegs – ein freier Geist, offen“, sagt Kravitz, der mit 15 Jahren sein New Yorker Elternhaus verließ, um die Welt dort draußen zu entdecken.

Wer sich nicht nur musikalisch auf Kravitz’ Weltsicht einlassen will, für den bietet sich ab diesem Freitag in der Leica-Galerie Wetzlar die Chance. „Drifter“, „Streuner“, heißt die Ausstellung, in der Kravitz eine Auswahl seiner Schwarz-Weiß-Fotografien präsentiert, alle aufgenommen mit einer Leica-Kleinbildkamera.

Kuratorin Karin Rehn-Kaufmann, die alle 22 weltweiten Leica-Galerien betreut, kennt Kravitz seit Jahren. 2015 hatte sie seine erste Fotoausstellung „Flash“ kuratiert, in der Kravitz mit einem besonderen Blick überraschte. Der Musikstar wird, wohin er auch kommt, fotografiert. Bei „Flash“ drehte Kravitz den Spieß um, zückte seine Kamera und schoss zurück: Paparazzi, Gaffer, Fans, niemand war davor gefeit, auf seinem Film zu landen.

Im Vergleich dazu ist die jetzige Ausstellung deutlich intimer. „Lenny zeigt uns die Welt, wie er sie sieht“, erklärt Rehn-Kaufmann. „Drifter ist ein sehr persönliches Reisetagebuch.“

Lenny Kravitz

"ELIAS" spielte selbstvergessen an der Hafenmauer, als der Künstler sein Objektiv auf ihn richtete.

(Foto: Lenny Kravitz)

Das ewige Unterwegssein, es scheint Kravitz nichts auszumachen. „Ich habe gelernt, mich dort zuhause zu fühlen, wo ich gerade bin. Mein Zuhause trage ich in meinem Herzen.“

Kravitz hat Wohnsitze in New York, Paris, den Bahamas – seine „spirituelle Basis“, wie er sagt, Heimat seiner Mutter –, aber sie spielen in „Drifter“ keine Rolle. Auch seine Tochter Zoë, die in New York lebt, ist auf den Aufnahmen nicht zu sehen. Stattdessen sind es Bilder von unterwegs. Kravitz zeigt uns Hotelzimmer und -lobbys, Modenschauen und Waschräume, Flussufer und fast immer Menschen.

Sein fotografischer Blick ist schwarz-weiß, aber nicht melancholisch, nah dran, aber nicht voyeuristisch. Die Menschen haben Namen, heißen Dan oder Elias, und bleiben doch Unbekannte.

Ein Junge spielt am Flussufer, ob er Kravitz erkennt, ist offen. Mit „L’ange“, „Engel“ ist ein weiblicher Akt in einem Stadtpalais betitelt, doch die Frau dreht dem Betrachter den Rücken zu. Lola, eine stark geschminkte Diva mit Federkragen, wendet sich halb ab, bereit zum Aufbruch. Man möchte ihr folgen in die große Stadt, in der Kravitz‘ Aufnahmen spielen, in der Männer High-Heels tragen und Frauen ihre Geheimnisse wahren.

Kravitz ist ein Freigeist, das zeigen seine Aufnahmen. Fotografie nennt er „magisch“, seine großen Vorbilder sind die Fotografen Mark Seliger, einer der wichtigsten lebenden amerikanischen Portraitkünstler, und der Franzose Jean-Baptiste Mondino, der als Regisseur von Musikvideos für David Bowie, Madonna oder Sting bekannt wurde. Mondino sagt von sich selbst: „Ich bin nicht interessiert an meinem Ego, sondern an meinem Echo.“

Mit „Drifter“ könnte sich das nun auch Lenny Kravitz auf die Fahnen schreiben. Seine neuen Bilder zeigen nicht mehr die Welt, die ihn begafft, sondern die Realität aus seinen Augen. Der Betrachter darf ihn begleiten beim Streunern, für einen Augenblick jedenfalls.

„Drifter“ ist bis zum 25. August zu sehen und zeigt 40 Fotografien aus den vergangenen 15 Jahren. Pro Bild sind rund 15 limitierte Abzüge vorgesehen zu Preisen zwischen 2.000 und 12.000 Euro.

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