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Leverkusen Rettungsbemühungen um Museum Morsbroich kommen nur schleppend voran

Streit um Parkplätze im Landschaftsschutzgebiet und Bürokratie gefährden den Plan zur Erhaltung von Museum und Schloss Morsbroich.
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Das Ensemble mit Schloss, Park,
Schloss Morsbroich

Das Ensemble mit Schloss, Park, "Zubau", Kinderspielplatz und Parkplatz nach dem Plan des Architekturbüros Hermann Kaufmann ZT aus der Vogelperspektive.

(Foto: archprodesign)

LeverkusenOberbürgermeister Uwe Richrath steht unter Druck. Dass der ehemalige Direktor des Museums Morsbroich, Markus Heinzelmann, noch ein Dreivierteljahr Salär erhielt nach seiner eigenen Kündigung, sei „kommunalaufsichtlich nicht zu beanstanden“ gewesen, sagt Leverkusens OB auf Nachfrage des Handelsblatts.

Warum sich aber die Stadt mit der Wiederbesetzung der Stelle so lange Zeit lässt, kann Richrath, Leiter einer erst Anfang 2019 eingesetzten „Personalfindungskommission“, nicht plausibel machen.

Bayer, das Weltunternehmen in Leverkusen, hat eine 2,5 Millionen Euro-Spende in den Bau einer Kindertagesstätte gesteckt. Es habe sich dabei um „eine zweckgebundene Spende“ des Unternehmens gehandelt, verteidigt sich Richrath. Im Stillen mag sich der OB gedacht haben, dass Morsbroich nächstes Mal zum Zuge kommt.

Doch Bayer ließ die schöne Gelegenheit verstreichen, zumindest einen Teilbetrag aus dem Verkaufserlös der Mars-Statuette dem Not leidenden Ensemble zukommen zu lassen. Appelle, das Museum längerfristig zu unterstützen und dies mit einer Imagekampagne zu verbinden, gingen ins Leere.

Im selben Jahr forderte die Fondsgesellschaft Blackrock, Bayers größter Aktionär, seine Portfolio-Unternehmen auf, ihren geschäftlichen Aktivitäten auch eine nachhaltige Strategie für soziales, kulturelles und die Umwelt respektierendes Handeln zur Seite zu stellen.

Zur Erinnerung: Vor 13 Monaten beschloss die Stadt Leverkusen einstimmig, das Museum Morsbroich aus höchster Not zu retten. Die Schließung nebst Auflösung der Kunstsammlung, wie sie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG der Stadt Leverkusen Anfang 2016 vorgeschlagen hatte, schien vom Tisch (Handelsblatt vom 26.2.2016).

Es galt, die politischen Weichen für das vom Museumsverein erarbeitete Standortkonzept für Park, Schloss und Museum zu stellen (Handelsblatt vom 9.2.2018). Doch es geschah so wenig, dass Kunstfreunde das Projekt schon gefährdet sahen. Als hätte die Stadt an ihrem Museum – dem ersten, das in der Bundesrepublik für die Gegenwartskunst gegründet wurde – kein wirkliches Interesse.

Die politische Debatte

Das größte Hindernis für ein Weiterkommen ist der Streit um zusätzliche Parkplätze im Landschaftsschutzgebiet. Es ist die Frage, ob er politisch zu gewinnen ist. Angeblich gebe es keine Alternativen, lässt der Museumsverein verlauten. Sie müssten gebaut werden, damit das Gesamtkonzept mit Gastronomie funktioniere und Leverkusen die beim Bund beantragten knapp 1,1 Millionen Euro Fördergelder auch bekomme. Doch als Ausweiche bieten sich der neue, nahe gelegene Klinik-Parkplatz oder eine Spur des Zubringers an.

Der Museumsverein hat knapp 220.000 Euro an Eigenmitteln eingesammelt. Zuzüglich der knapp 1,1 Millionen Euro sind damit 90 Prozent der Kosten für die Parkumgestaltung abgedeckt. Die fehlenden 10 Prozent Eigenanteil muss die Stadt in jedem Fall selbst tragen. Ausgeklammert bleibt bislang der „Zubau“ genannte Erweiterungsbau, dessen Kosten im Standortkonzept mit grob 9,6 Millionen Euro veranschlagt sind.

Der große Plan mit Neubau lohnt sich, Schloss Morsbroich ist ein Juwel. Christian Strenger, Mitglied im Museumsverein

Der Frankfurter Investmentbanker Christian Strenger, Mitglied im Museumsverein, steht einer Teillösung kritisch gegenüber. Schon im Februar 2018 sprach er sich für den einst auch vom Verein favorisierten großen Wurf inklusive des Neubaus aus; ein Plan, den auch der Oberbürgermeister befürwortet. „Es lohnt sich, es ist ein Juwel. Wird Stückchenweise vorgegangen“, fürchtet Strenger, „stellen sich die Politiker auf den Standpunkt: ‚es reicht jetzt’“.

Strenger, der lange die private Förderung der Frankfurter Schirn Kunsthalle steuerte, ventiliert zusätzlich einen Plan B. Aus den Remisen, den Wirtschaftsgebäuden, die das Schloss ringförmig umgeben, könne man ökonomisch etwas machen. Das gesamte Ensemble lässt Raum für Kunst und Wirtschaft.

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