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Libanesische Kunst Hula-Hoop mit dornigem Reifen

In der Brüsseler Villa Empain trifft arabische auf westliche Kultur. Dahinter steht die Boghossian Stiftung. Seit 2010 organisiert sie in dem aufwändig renovierten Anwesen Ausstellungen, Konzerte und Konferenzen. Arabische Künstler werden noch hauptsächlich in Dubai und Beirut verkauft. Doch ihre Marktchancen in europäischen Städten wachsen, besonders in Paris und London.
03.07.2012 - 11:12 Uhr Kommentieren
Ayman Baalbaki: Porträt aus der Reihe

Ayman Baalbaki: Porträt aus der Reihe "Al Mulatham", 2011. Foto: George de Kinder (Ausschnitt)

(Foto: Boghossian Stiftung, Brüssel)

Brüssel Traditionsbewusst, kraftvoll und stolz präsentiert sich der arabische Mann dem Betrachter. Wäre sein Gesicht nicht bis zu den Augen in ein rot-kariertes Kopftuch, einer Art Turban (Keffiyeh) gehüllt, wäre die Welt in Ordnung. So hat die Darstellung für einen Fremden etwas irritierend Unfreies an sich. Und doch handelt es sich bei dem Mann gerade um einen, der für die Freiheit kämpft. Das Bild im Stil des Neo-Pop stammt aus der Porträtreihe „Al Mulatham“. Sein Schöpfer ist der libanesische Maler Ayman Baalbaki, der in seiner Heimat als „Mega-Star“ gilt und mit seinen Bildnissen von Freiheitskämpfern auch auf der Biennale von Venedig im vergangenen Jahr für Furore sorgte. Eingebettet in ein Meer aus bunten Blumen verkehrt sich der irritierende Ersteindruck schnell ins Gegenteil. Aufbruch, Hoffnung und Versöhnung ist darin zu lesen. Das Versprechen auf eine bessere Zukunft. Oder auch "nur" der Wunsch, die Welt in ihrer Vielfalt zu genießen.

Baalbaki ist einer von 20 libanesischen Künstlern, die derzeit in der prachtvollen Brüsseler Art Deco-Villa Empain ausstellen. Vertreten sind die beiden Kategorien Malerei, Skulptur und Fotografie sowie Schmuck und Design. Was der Libanese versucht, nämlich westliche Stilmittel mit Fragen des Nahen Ostens zu koppeln, ist im übertragenen Sinn auch das Ziel der Boghossian Stiftung. Armenischen Ursprungs hat sich die 1992 gegründete Stiftung mit Hauptsitz in der Villa Empain dem „Dialog der Kulturen“ verschrieben.

Seit 2010 werden in dem teuer und aufwändig renovierten ehemaligen Anwesen der belgischen Unternehmerfamilie Empain Ausstellungen, Konzerte und Konferenzen organisiert, die vornehmlich arabische Kultur und Religion mit der des Westens zusammenbringen soll. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung junger Talente. So wird erstmals für die aktuelle Schau ein mit 30.000 Euro dotierter Preis ausgelobt und werden regelmäßig auch Kunstwerke angekauft.

Villa Empain, Sitz der Boghossian Stiftung in Brüssel. Quelle: Louis Philippe Breydel, Boghossian Stiftung

Villa Empain, Sitz der Boghossian Stiftung in Brüssel.

(Foto: Louis Philippe Breydel, Boghossian Stiftung)

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    Künstler wuchsen im Bürgerkrieg auf

    Fast allen präsentierten Künstlern ist gemein, dass sie nicht älter als 35 Jahre sind. Sie sind damit in einer Zeit aufgewachsen, in der im Libanon Bürgerkrieg herrschte (1975-1990). Auch das aus Dosenblech als Wandskulptur modellierte Hula-Hoop schwingende Mädchen des 29-jährigen, in Beirut geborenen, palästinensischen Künstlers Abdul Rahman Katanani zeugt davon. Was hier als idyllisch-kindliches Spiel anmutet, hat im Wortsinn einen Haken: die Reifen sind aus Dornen.

    Der Aufschwung der arabisch-islamischen Kunst setzt spätestens seit September 2011 ein. Parallel entstehen in rasantem Tempo Museumsneubauten und Kunstbörsen in den Golfstaaten und für den Westen wird es zunehmend interessant, auf die künstlerische Entwicklung im Orient zu schauen. „Die meisten der hier gezeigten Künstler sind in ihrem Land schon sehr bekannt. Ihr Marktwert liegt bei 1.000 bis 250.000 Euro“, sagt Christophe Dosogne, Kunstberater bei der Boghossian StiftungaH. Auch wenn Werke dieser und anderer arabischer Künstler zurzeit noch hauptsächlich in Dubai und Beirut verkauft würden, zögen europäische Städte, vor allem Paris und London, nach.


    Arabische Kunst in deutschen Galerien

    In Deutschland werden arabische Künstler hauptsächlich von den Galerien Sfeir-Semler in Hamburg und Tanit in München vertreten, beide inzwischen auch mit Dependancen in Beirut, Sfeir-Semler seit 2005, Tanit seit 2007 mit dem Espace Kettaneh-Kunigk. Sfeir-Semler ist im Übrigen mit gleich fünf, politisch geprägten arabischen Künstlern auf der Documenta präsent: Etel Adnan, Rabih Mroué, Walid Raad, Wael Shawky und Akram Zaatari.

    Die seit 40 Jahren auf dem deutschen und internationalen Markt aktive Galerie Tanit hat zwei der in Brüssel ausgestellten Künstler im Programm. So verkauft Tanit Werke der Libanesin Zena El Khalil zwischen 3.000 und 30.000 Euro, während die Preisspanne des 1952 geborenen Fouad El Khoury von 4.000 bis 15.000 Euro reicht.


    Die Ausstellung „Art is the answer!“ läuft bis zum 2. September in der Villa Empain in Brüssel.


    Die Beirut Art Fair mit Kunst aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Südasien findet vom 5. bis 8. Juli statt.

    • Cornelia Ganitta
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