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Lori Nix Bau einer gescheiterten Welt

Die amerikanische Künstlerin Lori Nix kennt Tornados und Insektenplagen seit ihrer Kindheit. Seither lassen die Katastrophen sie nicht mehr los. In ihren Fotoarbeiten beschwört sie eine verfallende Welt ohne Menschen - zu besichtigen im Museum Schloss Moyland.
22.07.2015 Update: 23.07.2015 - 18:13 Uhr Kommentieren
Vom Wüstensand Besitz ergriffen

"Subway" aus der Serie "The City" erschuf Lori Nix 2012. Abgebildet ist ein in Moyland ausgestellter Pigmentdruck in den Maßen 122 x 153 cm. Quelle: Lori Nix, Galerie Klüser, München

(Foto: © Lori Nix)

Schloss Moyland Wie würde es in unseren Städten wohl aussehen, wenn der Mensch verschwunden wäre? Was wäre zu sehen, wenn die Katastrophe vorbei ist? Das sind interessante Gedanken von furchtbarer Tragweite. Die amerikanische Künstlerin Lori Nix (*1969) hat sie zu Ende phantasiert und das Ergebnis auf Fotopapier gebannt. Nie sah Scheitern so faszinierend aus.

Die Verfallsprozesse sind auf ihren 39 großformatigen Fotoarbeiten in allen Einzelheiten zu besichtigen: eine Bibliothek, in der die Bäume bereits durch die zerstörte Decke in den Himmel wachsen, ein Kunstmuseum, in dem Wespen bizarre Nestformen an die Wände gebaut haben oder ein vor sich hinrostender U-Bahn-Waggon in einer Wüste aus Sand, sämtlich Werke aus der seit 2005 entstehenden Serie „The City“.

Lage als Alleinstellungsmerkmal

Ausgerechnet in Moyland, wo das das nicht immer einfach zu verstehende Werk von Joseph Beuys zuhause ist, wird diese realitätsnah inszenierte Kunst gezeigt. Doch was nach einem fundamentalen Widerspruch aussieht, hat Methode. Den Zusammenhang stiftet die Auseinandersetzung mit der Natur. Diese ist für das Museum Schloss Moyland, das mit seiner einzigartigen Lage in der geschichtsträchtigen Niederrhein-Landschaft ein werbeträchtiges Alleinstellungsmerkmal pflegt, zum zentralen Leitmotiv der Programmarbeit geworden.

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    Lori Nix:
    Nichts mehr unter Kontrolle

    Lori Nix: "Control Room" (Aus der Serie "The City"), 2010, Pigmentdruck, 122 x 153 cm. Quelle: Lori Nix, Galerie Klüser, München

    (Foto: © Lori Nix)

    Lori Nix’ desaströse Szenarien sind von beklemmender Wirkung, weil sie im ersten Moment unumkehrbar erscheinen. Die Unordnung im überfüllten Atelier kann nur noch größer werden; die Zerfallsprozesse, die an Gemälden, Sitzbezügen, Metall- und Kunststoffgegenständen nagen, erscheinen unaufhaltsam.

    Erst beim zweiten Hinschauen entdeckt man, dass in diesem Chaos neue Kräfte wirken und dabei ihre eigene Ästhetik, auch eine eigene Ordnung entfalten: die Kriechpflanzen, die sich wie Muster über die Wände legen oder tanzende Wespenschwärme vor Nestern, die wie zeitgenössische Skulpturen wirken.

    Mit Naturkatastrophen aufgewachsen

    Lori Nix, die im ländlichen Kansas ihre Kindheit verbrachte, hat ein Faible für Katastrophenfilme und ist mit Katastrophen aufgewachsen: mit den Schneestürmen des Winters, den Tornados und Überflutungen im Frühling, mit der Dürre und den Insektenplagen im Sommer. Zur Fotografie kam sie über Umwege während ihrer Ausbildung am College. Als Fotojournalistin taugte sie nichts, stellte sie rückblickend fest. „Ich war für die aufregenden Nachrichten einfach nie zur richtigen Zeit am richtigen Ort.“ Und auch als Porträtistin kam sie nicht weiter, weil sie das Wesen des Modells nicht einzufangen vermochte. „Meine Stärke liegt eher darin, eine Welt zu planen und zu bauen als sie zu finden.“

    Die Werke der Amerikanerin entstehen in langwierigen Arbeitsprozessen zusammen mit ihrer Partnerin Kathleen Gerber. Mit einem Bild im Kopf fängt es an, mit einem zwei- bis dreiwöchigen Fotoshooting endet es. Dazwischen liegen sieben Monate Modellbau, in denen mit Hilfe von Polystyrolschaum, Kleber, Farbe und allem, was gerade da ist, ein Diorama, ein Schaukasten gebaut wird.

    Modellbau im Miniaturformat
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