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Maastrichter Kunstmesse Wie sich die Antiquitätenmesse Tefaf verjüngen will

Die Königin aller Kunstmessen sucht den Anschluss an die Jetztzeit. Sie profitiert von neuen Ausstellern, strengeren Teilnahmebedingungen und einer neutralen Jury.
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Naturkunde und Geologie inspirierten den Schweizer Landschaftsmaler. Quelle: Daxer & Marschall
Alexander Calame

Naturkunde und Geologie inspirierten den Schweizer Landschaftsmaler.

(Foto: Daxer & Marschall)

MaastrichtDie Tefaf nimmt die Herausforderung an. In einem Markt, der sich mit scheinbar immer größerem Tempo ändert und dabei gleichzeitig ständig weiter fragmentiert, wirkt die oft Königin der Kunstmessen genannte Veranstaltung in der niederländischen Provinz wie ein schwerfälliges Schlachtross, das kaum zu manövrieren ist.

Da erscheinen die aktuellen Neuerungen wie eine Revolution. Mit dem Sprung nach New York und den zwei dortigen Töchtern im Frühjahr und im Herbst, hat sich auch die Mutter einer Verjüngungskur unterzogen.

Sichtbares Zeichen ist schon der legendäre Blumenschmuck am Eingang, dessen fließendes Farbdelirium so gar nichts von der früheren Monochromie hat, die allein durch ihre Fülle und Perfektion überwältigte. Das Signal ist klar: Die Tefaf ist in der Jetztzeit angekommen.

Zeitenwende im Bereich der Moderne

So augenscheinlich umstürzlerisch geht es danach nicht weiter. Rund um die erste Kreuzung erwarten die Besucher die üblichen Altmeister- und Antiquitätenhändler: Dickinson, Green, Colnaghi, Laue; Kugel etc. Doch das eingeübte Gefüge hat sich leicht verschoben. Immerhin 40 der 279 Aussteller sind neu dabei, alleine 14 in der Sektion Modern. Hier deutet sich eine Zeitenwende an. Erstmals übertrifft die Zahl der Aussteller hier mit 57 die der 53 klassischen Gemäldehändler.

Im Hintergrund lässt der vor vier Jahren von Sotheby's gekommene Tefaf-CEO Patrick van Maris kaum eine Tradition unangetastet. Er hat die Händler aus der mächtigen Expertenkommission – vetting committee genannt – verbannt.

Erstmals urteilen in diesem Jahr nicht auch Kollegen über die Ware von Kollegen, sondern ausschließlich Wissenschaftler und vor allem Museumsleute. Das hängt unter anderem mit den beiden US-Töchtern zusammen, wo es rechtliche Bedenken wegen der bisher geübten Praxis gab, aber nicht nur, wie Van Maris im Gespräch erläutert: „In den USA hat man uns erklärt, dass es keine gute Idee wäre, Händler im Komitee zu haben. Wir haben das auch für Maastricht lange diskutiert. Aber letztlich ist es besser, von keiner Seite angreifbar zu sein.“

Auch die Tatsache, dass Händler oft eine intimere Kenntnis mit den unsauberen Praktiken der Branche haben, hat van Maris bedacht: „Wenn der Chairman eines der 28 Teams einen Händler haben dabei haben möchte, kann er das beantragen. Die haben dann aber keine Stimme. Unsere ersten Erfahrungen mit diesem Verfahren sind ausgesprochen gut. Genaueres werden wir in der Feedbacksitzung erfahren.“

Die Malerei der Norwegerin erinnert mit ihren farbenfrohen und plakativen Motiven an die Pop-Art. Quelle: Vegard Kleven/ Galerie Max Hetzler VG BILD-KUNST
Ida Ekblad

Die Malerei der Norwegerin erinnert mit ihren farbenfrohen und plakativen Motiven an die Pop-Art.

(Foto: Vegard Kleven/ Galerie Max Hetzler VG BILD-KUNST)

Ein derartiges Expertengremium ist weltweit einzigartig: 180 Koryphäen begutachten jedes einzelne Stück, das die Aussteller mitbringen. Damit haben gerade die Museumsleute gleichzeitig als Erste die Gelegenheit, mögliche Ankaufsobjekte zu identifizieren. Auf die Frage, ob die Jurymitglieder eine wichtige Kundengruppe darstellten, antwortet van Maris spontan: „Selbstverständlich!“ Dann hält er kurz inne, überlegt und sagt: „Das ist eine gute Frage... Ja, sie sind wichtige Kunden. Das ist aber nicht ausschlagend gewesen für die Einladung zur Teilnahme.“

So gut dieses System der Beurteilung für die museale Kunst funktioniert, so deutliche Schwächen hat es auf dem Gebiet der Nachkriegskunst, mit dem sich die Messe traditionell schwertut. Hier geht es eben nicht um Authentizität, Restaurierungsgrad oder Provenienz, sondern um Relevanz im Diskurs und um mögliche Museumswürdigkeit in der Zukunft. Hier vertraut die Messe auf die Marktkräfte, wie van Maris betont: „Der Qualität hilft auch, dass Aussteller sich seit letztem Jahr für jede Ausgabe neu bewerben müssen. Mit den neuen Ablegern in den USA sind auch einige Kollegen überhaupt erst auf die Idee gekommen, dass sie sich hier bewerben können. Das hat den Wettbewerb erhöht und das sieht man an der Qualität der Bewerbungen.“

Vorteile der Provinz

Im internationalen Wettbewerb mit den zahlreicher gewordenen Messen, die epochen- und spartenübergreifend aufgestellt sind, setzt die Tefaf paradoxerweise auf ihren provinziellen Standort. Während London (Frieze Masters), New York (u.a. ADAA Art Show) oder Paris (Biennale des Antiquaires) selbst schon attraktive Reiseziele sind, setzen die Maastrichter ganz auf ihre eigene Veranstaltungen. Für Le Claire aus Hamburg ist genau das entscheidend.

Bisher haben die Zeichnungsspezialisten am Salon du Dessin teilgenommen. Doch hätten sich dort inzwischen so viele Auktionen, Ausstellungen und Händleraktivitäten an die Veranstaltung angedockt, dass es der Aufmerksamkeit für die Messe schade. Diese Gefahr droht in Maastricht garantiert nicht. Wer sich das chronische Schmuddelwetter Anfang März hier antut, kommt einzig und allein wegen der Tefaf.

Mit der alljährlich Neubewerbung ist die größte Innovation der Messe benannt: Es gibt keine Erbhöfe mehr. Ein Händler aus der Modern-Sektion erklärt im vertraulichen Gespräch, gerade bei der Alten Kunst habe man die neue Regelung zum Aufräumen genutzt. Bestimmt ein Dutzend Händler sei wohl kaum freiwillig gegangen.

In der Zeitgenossen-Abteilung Avantgarde zu erwarten, wäre wohl zu viel verlangt. Die Aussteller setzen auf Schauwerte. Neuzugang Fergus McCaffrey (New York/Tokio) zeigt eine Einzelausstellung mit Werken von Barry X Ball, dessen Wiederholungen ikonischer Skulpturen abgesehen von überperfekter Ausführung inhaltlich kaum etwas hinzufügen. Die Keramikobjekte Rosemarie Trockels am beeindruckend gestalteten Stand der ebenfalls erstmals teilnehmenden Galerie Sprüth Magers (Berlin/London/Los Angeles) leiten elegant über zur benachbarten Design-Sektion.

Zweimal reservierte Madonna

Museale Augenweiden bieten dann doch die klassischeren Vertreter. Die Pace Gallery (New York, London, Hongkong, Genf etc. pp.) richtet eine Piet Mondrian eine Einzelausstellung aus, Henze & Ketterer (Wichtrach bei Bern) zeigt während des Ersten Weltkriegs entstandene Werke von Ernst Ludwig Kirchner (unter anderem „Porträt Hugo“ für 3,5 Millionen Franken), Erich Heckel und Emil Nolde.

Selbst Alte Meister können noch mit Entdeckungen aufwarten. Salomon Lilian (Amsterdam/Genf) hat ein absolut außergewöhnliches Werk im Angebot, das sich allerdings nur Kennern erschließt. Das anonyme Stillleben einer illuminierten Handschrift ist um 1550 entstanden und befand sich seit dem 19. Jahrhundert in einer französischen Privatsammlung (1,8 Millionen Euro). Haboldt & Co. (Paris, Amsterdam/New York) hat eine kleine Goldgrund-Madonna von Paolo Veneziano aufgetan (1,45 Millionen Euro), die kaum eine Stunde nach Einlass des ganz erlesenen Publikums der Voreröffnung am Donnerstagvormittag bereits zweimal reserviert ist.

Die Hoffnung auf ein Comeback der Kunstgeschichte ist vielleicht nicht ganz unbegründet. Der Geschmackswandel sei zwar sehr deutlich, meint van Maris, „aber was sammeln Damien Hirst und Jeff Koons? Alte Kunst!“

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