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Marktanalyse Alte Meister leiden unter Liebesentzug

Gemälde vergangener Epochen, die nicht mit sinnlicher Ausstrahlung aufwarten, haben es heute schwer. Erklärungen für den Geschmackswandel.
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Francois Boucher: „Die Muse Erato“ Quelle: Sotheby´s

Francois Boucher: „Die Muse Erato“

(Foto: Sotheby´s)

Berlin Der Altmeistermarkt erlebt zurzeit den stärksten Wandel seiner Nachkriegsperiode. Die Wechselbäder der Wirtschaftszyklen, die Globalisierung, der neue Reichtum, die Preisspirale für Top-Werke: dies alles hat ihn bisher wenig berührt. Es ist vor allem der schleichende, aber unaufhaltsame Geschmackswandel, der seine Leistungs- und Erscheinungsform auf den Prüfstand stellt.
Händlernachwuchs, der kostenintensive Bilderlager aufbauen kann, ist nicht in Sicht, und altgediente Altmeisterspezialisten erweitern ihr Angebotsspektrum mit Werken aus dem 19. Jahrhundert. Es fließt immer mehr Material direkt in die Auktionen und wird, frisch gereinigt und mit wohlwollenden Zustandsberichten versehen, vor allem von Neukunden im Auktionssaal wahrgenommen.

Marktsymptomatisch ist, dass in den jüngsten New Yorker Altmeisterauktionen 70 Prozent der teuersten Werke an Privatsammler gingen. Vor 30 Jahren, als der Altmeisterhandel sich aus einem marktfrischen Fundus kennerschaftlich bediente, war es noch umgekehrt. Entdeckungen sind heute kaum noch zu machen. Der Internetauftritt kleinster regionaler Häuser bringt scheinbar unerkannte Schätze ohne Marktumwege an den Mann.

Es gibt heute keine in die Markttiefe gehenden Sammler mehr für die niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts - jenseits der großen Meister. Nur die erste Garde der Rembrandt-Schule (Dou, Flinck, Lievens) hat einen starken Markt. Aber auch Werke dieser Künstler werden heute einer gnadenlosen Erhaltungsprüfung unterzogen. Exemplarisch erhalten ist das sehr rembrandtisch wirkende Lievens-Porträt eines alten Mannes, das bei Bernheimer-Colnaghi auf der kommenden Maastrichter Messe (15.-24.3.) zwei Millionen Euro kosten soll und aus einer südafrikanischen Sammlung kommt. Konrad O. Bernheimer betont, dass er in diesem Jahr fast ausschließlich Bilder aus Privatbesitz anbieten kann: „Die lange Aufbauarbeit der letzten Jahre trägt langsam ihre Früchte.“
Bei der italienischen Malerei geht der Trend zu Goldgrundbildern des Trecento (14. Jh.), zu den Exponenten der Renaissance und zu dekorativen, aber klar strukturierten Werken des Barock. Zwei exemplarische Werke des gesuchten Caravaggisten Orazio Gentileschi im Katalog der Maastrichter Messe treffen genau diesen Geschmack.

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