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Marseille und Kosice Mit Kultur aus der Krise

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Positive Bilanz in Guimarães und Maribor

„Kulturhauptstadt Europas 2013 zu sein, ist eine großartige Chance für uns“, sagt der aus der deutschen Minderheit stammende Maler Helmut Bistika. Kosice mit seinen 240.000 Einwohnern hat im September 2008 den Wettbewerb um diesen Titel mit einem betont multikulturellen Konzept gewonnen. Neben der vom Überaltern und Aussterben bedrohten deutschen Minderheit ist es vor allem die wachsende Minderheit der Roma, die Kosice 2013 als stolze Kulturträger vorzeigen will. In- und ausländische Medien kritisieren, dass die Multikulturalität der Stadt und der Region im Alltag bisher gern verdrängt wurde und ein großer Teil der Roma mangels Bildung überhaupt ein Außenseiterdasein ohne Arbeit und Perspektive friste. Daran könnten auch Roma-Veranstaltungen im Rahmen des Projekts Kulturhauptstadt nicht viel ändern.

„Wir haben für die Kulturhauptstadt nichts Neues gebaut, sondern nur bereits Bestehendem eine neue Funktion gegeben“, erklärt Tomas Cizmarik, der PR-Verantwortliche des Projekts Kulturhauptstadt. Die Kosten sind für die Armenregion der Slowakei dennoch hoch. Obwohl rund 60 Millionen Euro aus EU-Fonds genützt werden können, muss die Stadt Kosice zusätzlich zehn Millionen kofinanzieren, dazu kommen 3,3 Millionen vom slowakischen Kulturministerium und Subventionen von großen Firmen wie dem örtlichen Stahlwerk. In einer Region mit über 20 Prozent Arbeitslosigkeit ruft das natürlich auch Kritik hervor. „Die Stadt war schon vorher fast pleite und hat zu wenig Geld für die nötigsten Investitionen in öffentliche Verkehrsmitttel, Wohnungen und Sicherheit. Da gefällt natürlich vielen nicht, dass jetzt plötzlich so viel Geld in dieses Prestige-Event gesteckt wird“, erzählt der Journalist Jaroslav Vrabel vom „Kosicky Korzar“, der in Kosice angesiedelten größten Regionalzeitung der Slowakei.

Kriterien für die Auswahl der Kulturhauptstadt sind die europäische Dimension der Bewerbung sowie die Beteiligung der Bevölkerung an Kulturangeboten. Von 1985 an hat die Europäische Union mehr als 40 Städten der Gemeinschaft den Titel Kulturhauptstadt verliehen. Seit 2011 werden zwei Städte aus verschiedenen EU-Ländern für jeweils ein Jahr ausgewählt. Guimarães in Portugal und Maribor in Slowenien waren die Kulturhauptstädte Europas 2012.

Beide Städte mussten kämpfen. In einem Jahr von Kummer, Knappheit und Konjunkturflaute wollten Maribor und Guimarães Hochkultur auf europäischem Niveau stemmen. Trotz der angespannten Situation der beiden Länder Portugal und Slowenien, konnte ein relativ ambitioniertes Programm umgesetzt werden. Das mittelalterliche Universitätsstädtchen Guimarães hat als bislang kleinste Europäische Kulturhauptstadt der Geschichte der Krise im Schuldenland Portugal getrotzt. „Guimarães war eine Oase in der Krisenwüste“, jubelte dieser Tage Carlos Teixeira. Der Präsident des Handels- und Industrieverbandes der Stadt sagte, die Kulturhauptstadt habe für ein „brutales Wachstum von rund 30 Prozent“ beim Handel und im Gastronomie-Sektor gesorgt. Es gebe im Stadtzentrum „Dutzende neuer Unternehmen“, die Zahl der Touristen hat sich verdoppelt. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist optimistisch: „Kultur hat auch eine wirtschaftliche Dimension, ist zudem der in Europa am schnellsten wachsende Sektor. In Guimarães wurden Projekte für die Zukunft geboren“, sagte der Portugiese.

Auch im slowenischen Maribor zeigten sich die Veranstalter zufrieden: „Unsere Erwartungen wurden erfüllt und sogar übertroffen“, bilanzierte die Direktorin des Kulturhauptstadtprojekts, Suzana Zilic Fiser, kürzlich und nannte beachtliche Zahlen: Mehr als zwei Millionen Besucher, über 5200 Veranstaltungen, mehr als 500 beteiligte Institutionen. Programmdirektor Mitja Cander sagte: „Wir haben den Kulturbegriff neu definiert und die Bedeutung der Kultur gestärkt.“ Das im Osten des Landes gelegene Maribor, das jahrhundertelang als Marburg zum Habsburger Reich und damit zum deutschen Sprachraum zählte, erfreute sich mit einem Feuerwerk von Events eines Besucheransturms. Die Tourismusbranche konnte sich über hohe zweistellige Zuwächse freuen.

 
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1 Kommentar zu "Marseille und Kosice: Mit Kultur aus der Krise"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Oh nein, bitte nicht die Masche schon wieder. Schon heute existieren in D in vielen ehemaligen Industriekomplexen irgendwelche Pseudo-Kultur- Einrichtungen, als Sammelsurium für kaputte Versager. Wenn schon Kultur, dann bitte echte Kultur (Kunst, klassische Musik und Co.).