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Messe Die Art Karlsruhe – Eine Kunstmesse auf Kundenfang

Die Art Karlsruhe ist ein Magnet für Besucher. Auch Topgalerien zieht es in den Südwesten Deutschlands. Denn dort leben viele Sammler.
  • Roland Sonnabend
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In farbgewaltigen Bildern dokumentierte die indigene Volksgruppe der Spinifex ihre heiligen Stätten. Quelle: Spinifex Arts Project, Galerie ARTKELCH
„Spinifex Arts Project „Minyma Tjuta“

In farbgewaltigen Bildern dokumentierte die indigene Volksgruppe der Spinifex ihre heiligen Stätten.

(Foto: Spinifex Arts Project, Galerie ARTKELCH)

KarlsruheDie Art Karlsruhe wächst. An der 16. Ausgabe dieser qualitativ breit aufgestellten Kunstmesse nehmen 80 Aussteller mehr teil als im Vorjahr. Bis zum 24. Februar bieten 294 Galerien Kunst der letzten 120 Jahre an. Darunter sind namhafte Neuzugänge. Ihr Motiv: In Baden-Württemberg ist die Dichte an Privatsammlern und Privatmuseen besonders hoch.

Mit dem Wunsch, den Markt im Südwesten Deutschlands zu erschließen, nimmt die König Galerie aus Berlin zum ersten Mal teil. Sie setzt dabei auf Karlsruhes junge etablierte Kunstszene. „Mit Peter Dreher präsentieren wir unter anderem einen Maler aus der Region. Von dem für seine abgebildeten Wassergläser bekannten Maler werden hier erstmalig Seenlandschaften gezeigt“, sagt Anna Redeker, die zuständige Künstlerbetreuerin bei König.

Stammkünstlerin Monica Bonvicini ist diesjährige Hans-Platschek-Preisträgerin der Art Karlsruhe. Die mit Leder spielenden, sexuell oder gewalttätig aufgeladenen Arbeiten der italienischen Künstlerin werden im Dialog mit Bildern von Hans Platschek in Halle 1 ausgestellt.

Editionen von Beuys

Zum ersten Mal stellt auch die Galerie Klüser auf der Art Karlsruhe aus. „Uns ist es wichtig, das kulturelle Interesse im eigenen Land zu fördern. Messen können gerade der jüngeren Generation einen guten Zugang zur Kunst ermöglichen“, sagt Galerieleiterin Julia Klüser.

Im Messebereich „Fotografie und Original-Editionen“ bietet die Münchener Galerie einen Überblick über ihre 40-jährige Editionstätigkeit: „Viele der Blätter sind lange nicht mehr ausgestellt worden und daher auch nicht im Bewusstsein der Sammler.“ Mit Weltklassekünstlern wie Joseph Beuys und Andy Warhol hat die Galerie bis zu deren Tod eng zusammengearbeitet.

Das Lenin-Porträt Warhols etwa, dessen Umsetzung Galeriegründer Bernd Klüser dem Künstler persönlich vorgeschlagen hatte, brach mit den bisherigen Darstellungen von „Ikonen des amerikanischen Alltags und sollte den Künstler mit einem ‚Gegenbild‘ konfrontieren. Ich werde nie den Eindruck vergessen, den alle großformatigen Porträts, aufgereiht an einer Factorywand, auf mich machten. Aber auch nicht Andy Warhols Stolz auf diesen Zyklus – wenige Tage vor seinem Tod“, schildert Bernd Klüser seine Zusammenarbeit mit Andy Warhol.

Der Siebdruck „Lenin“ von 1986 ist Teil des vielfältigen Angebots der Galerie. Der Messeflaneur stößt hier ferner auch auf Arbeiten von Joseph Beuys, Alex Katz, Tony Cragg, Sean Scully und junge Positionen etwa von Jorinde Voigt und Isca Greenfield-Sanders.

Während die Galerie Klüser bei ihrem ersten Auftritt auf der Art Karlsruhe einen Überblick geben möchte, setzt die Galerie Meyer-Riegger aus Karlsruhe und Berlin diesmal auf die Präsentation zweier zeitgenössischer Positionen. Die Galerie ist am gewohnten 75 Quadratmeter großen Stand vor Ort.

Dort sind unter anderem großformatige frühe Papierarbeiten aus den 1980er-Jahren von der Documenta-Teilnehmerin Miriam Cahn zu sehen. „Ich sehe diese Arbeiten auch als Art Dokumentation einer Performance ohne Publikum, da diese in sehr körperlicher Manier auf dem Galerieboden entstanden sind“, beschreibt Galerist Thomas Riegger Cahns Arbeit.

Kunst mit politischer Wirkung

Der andere Teil der Ausstellungsfläche wird mit Malerei des jungen Karlsruhers Jan Zöller bespielt. Der 1992 geborene Maler studierte an der Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, wo er heute lebt und arbeitet. Warum beteiligt sich die auch auf der Art Basel vertretene Galerie nun schon zum vierten Mal auf der Regionalmesse? „Der Bezug zur Stadt ist uns wichtig“, sagt Thomas Riegger. „Das Knüpfen von zwei bis drei neuen Kontakten auf der Messe kann für die Galerie bereits ein zufriedenstellendes Ergebnis darstellen.“ 

Auch interkulturell hat die bunte Messe etwas zu bieten: Etwa am Stand der Freiburger Artkelch Galerie, die sich auf zeitgenössische indigene Malerei Australiens spezialisiert hat. Mit dabei sind auch die farbgewaltigen Bilder des Spinifex Art Project.

Hierbei handelt es sich um eine Künstlerkooperative, die ursprünglich aus der Landrechtsbewegung kommt. Nach britischen Atomtests auf dem Gelände der Ureinwohner im Great Victoria Desert entschlossen sich die Spinifex People in den 1980er-Jahren, ihr Land zurückzugewinnen.

Dafür malten und dokumentierten sie heilige Stätten. Der „Native Title Act“ von 1993 ist ein Gesetz des australischen Parlaments, der die Anerkennung und den Schutz der indigenen Bevölkerung gewährleisten soll. Mittlerweile wurden den Spinifex People der „Native Title“ und 55.000 Quadratkilometer Land zugesprochen. So politisch kann schöne Kunst sein.

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