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Messe Gedämpfte Leidenschaft

Die Paris Photo ist stets ein Ereignis. Die Verkäufe halten sich aber, zumindest am Eröffnungstag, noch in Grenzen.
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Verbreitet mit seinen poppigen Fotos gute Laune. Das abgebildete Exemplar stammt aus der Serie
Hassan Hajjaj

Verbreitet mit seinen poppigen Fotos gute Laune. Das abgebildete Exemplar stammt aus der Serie "Kesh Angels. Nisma Bikin"

(Foto: Hassan Hajjaj, Yossi Milo Gallery, New York, Third Line Gallery, Dubai)

Paris „Das Faszinierende an der Pariser Fotomesse ist die Tatsache, dass sie von der historischen Fotografie über die Moderne bis zu abstrakten zeitgenössischen Experimenten reicht“, erklärt der künstlerische Direktor der „Paris Photo“, Christoph Wiesner. Der perfekt Deutsch sprechende Fotoexperte organisiert die beste Fotomesse der Welt im Einklang mit der Direktorin Florence Bourgeois. Wiesner und Bourgeois wählten für die 23. Ausgabe 180 Galerien und 33 Fotobuchverleger aus 31 Ländern aus (bis 10.11.).

Der Rundgang ist abwechslungsreich, optisch angenehm und ästhetisch gefällig; man könnte auch sagen: kommerziell vielversprechend zusammengestellt. Selten trifft man auf aggressive, schreiende Fotografien, was im Verhältnis zu früheren Ausgaben einen bedeutenden Fortschritt darstellt. Die Gänge sind enger als bei der „Fiac“-Messe für zeitgenössische Kunst. So konnten die Organisatoren die Anzahl der Aussteller auf 213 erhöhen. Trotzdem gelang es ihnen, die thematischen Sektoren sichtbar zu machen.

Im Gegensatz zur Fiac, die schon bei der Eröffnung mit sehr guten Verkäufen punktete, geht es bei dieser Ausgabe der Paris Photo etwas ruhiger zu. Der von der Bank JP Morgan organisierte Abend für rund 1.200 Gäste brachte nur wenige Ankäufe.

Nachlassende Begeisterung

Man hörte sogar vonseiten einiger Galeristen, dass Fotografie in den letzten Jahren nicht mehr auf die gleiche Begeisterung stößt wie noch vor fünf Jahren. Eine Erklärung könnte sein, dass nicht immer sehr klar getrennt wird zwischen Originalabzügen, die noch vom Künstler selbst verantwortet wurden, und späteren Editionen; das ist insbesondere auf Fotoauktionen, aber nicht nur dort, zu beobachten.

Auf der Paris Photo praktiziert die Mehrheit der Aussteller eine diesbezüglich faire Politik. Wie zum Beispiel die Kölner Galeristin Priska Pasquer, die eine ironisch-feministische Variante des berühmten Elvis-Presley-Porträts von Andy Warhol anbietet. Ulrike Rosenbach parodierte es 1969 erstmals, indem sie sich selbst anstelle des Filmidols abbildete. Der auf fast 190 mal 170 Zentimeter vergrößerte Abzug des ursprünglich kleinen Fotos zeigt Elvis neben der verdoppelten Ulrike Rosenbach. Er stammt aus diesem Jahr und trägt den Titel „Art is a Criminal Action“. Inklusive Mehrwertsteuer kostet der dritte von zehn Abzügen 23.800 Euro.

2018 hatten die Messeleiter die Galeristen gebeten, Fotografinnen zu privilegieren. Das behält in diesem Jahr außer Priska Pasquer auch noch die Pariser Galerie Lelong bei. Lelong zeigt mosaikartig zusammengestellte Fotoarbeiten der Pionierin des Feminismus, Carolee Schneemann (1939–2019), und der ziemlich oberflächlich frauenbewegten Kiki Smith. Ihr widmet das Museum La Monnaie de Paris derzeit eine üppige Schau.

Parodiert das berühmte Elvis-Presley-Motiv von Andy Warhol. Das Foto auf Leinwand (1969/2019) misst 189 x 169,9 cm und hat eine Auflage von 10. Quelle: Ulrike Rosenbach PRISKA PASQUER VG BILD-KUNST
Ulrike Rosenbach

Parodiert das berühmte Elvis-Presley-Motiv von Andy Warhol. Das Foto auf Leinwand (1969/2019) misst 189 x 169,9 cm und hat eine Auflage von 10.

(Foto: Ulrike Rosenbach PRISKA PASQUER VG BILD-KUNST)

Die ganze Stadt steht im Zeichen der Fotografie. In diesem Jahr präsentiert sie sich besonders humorvoll und bunt, denn das Fotomuseum Maison Européenne de la Photographie (MEP) zeigt nicht nur eine Schau des marokkanisch-englischen Fotografen und Designers Hassan Hajjaj, sondern hat auch zwölf Metrostationen und den Flughafen Roissy mit dessen Fotografien austapeziert.

Hajjaj, auch „Andy Wahloo“ genannt, eine arabische Variante seines Pop-Vorbilds, fotografierte marokkanische und afrikanische Akrobaten, Bodybuilder und Tänzer vor einem intensivfarbigen Hintergrund, den gestapelte kleine Dosen mit arabischen Spezialitäten umgeben. Gekleidet sind sie in die kunterbunten, typisch afrikanisch gemusterten Wax-Stoffe. Heiter und hemmungslos macht der 1961 geborene Hajjaj Anleihen bei anderen Künstlern, um durch das Überschreiten der Grenze zum Kitsch gute Laune zu verbreiten. Seine Fotos, umrahmt von echten Dosen, findet man am Stand der New Yorker Galerie Yossi Milo ab 11.000 Pfund Sterling.

Was das Sammlerherz begehrt

Dem surrealistischen Humor Man Rays widmen Gagosian und die Pariser Galerie 1900/2000 einen gemeinsamen Stand. Das Angebot deckt alles ab, was das Sammlerherz begehrt, in einem Preisbereich von 10.000 Euro (für spätere Abzüge) bis 700.000 Euro. Darunter finden sich gestylte Man-Ray–Fotos wie der mit Musikschlüsseln dekorierte Damenrücken, „Violon d’Ingres“, ein perfekt gerundetes Rückenende, unter dem die Hände zum „Gebet“ hervorlugen („La Prière“), bis hin zu Porträts illustrer Surrealisten, inklusive Selbstporträts.

Wiesner meint zwar, dass die erstmals an der Messe teilnehmende Galerie Hauser & Wirth mit der monografischen Präsentation von berühmten Porträts August Sanders „Museumsqualität“ einbringt. Aber die langweilige Hängung könnte verbessert werden. Ein Vorbild liefern die Stände von Thomas Zander (Köln) und Kicken (Berlin). Dort werden 144 frühe Arbeiten von Jürgen Klauke und erlesene, zeitnah zur Aufnahme abgezogene Bilder von Bauhauskünstlern hervorragend präsentiert.

Der Münchener Galerist Daniel Blau umgibt seinen Stand mit Goldfolie und akzentuiert damit, 50 Jahre nach der Mondlandung, sein Thema, die Erkundung des Weltalls. Mit sogenannten „Wellenreitern“ wurden damals die Fotografien mithilfe von „Wellen“ zur Erde übermittelt. Daniel Blau hat diese gleichsam „außerirdische“ Fotografie am Markt durchgesetzt.

im Selbstporträt, entstanden zwischen 1927 und 1930. Quelle: Man Ray Trust/ADAGP 2019; Foto: Thomas Lannes
Man Ray

im Selbstporträt, entstanden zwischen 1927 und 1930.

(Foto: Man Ray Trust/ADAGP 2019; Foto: Thomas Lannes)

Die Botschaft der großformatigen Fotografien an einigen Ständen, die Umweltbewusstsein durch Landschaftsfotografien wecken sollen, ist wesentlich einfacher. Edward Burtynsky von der Nicolas Metivier Gallery, Toronto, verweist auf Goldminen in Afrika, deren Verwüstung er dennoch ästhetisch aufbereitet. Axel Hütte ist am Stand der Galerie Ruzicska aus Salzburg mit dekorativen Ruinen in stimmigen Landschaften vertreten. Die Abzüge kosten ab 20.500 Euro.

Apropos Ruinen: Nicht alle Spezialisten der historischen Fotografie konnten der Verlockung widerstehen, die durch einen Brand extrem beschädigte Kathedrale Notre-Dame de Paris im Zustand des 19. Jahrhunderts anzubieten. H. P. Kraus (New York) verfügt über das Papiernegativ und den Salzabzug eines Papiernegativs von Charles Nègre um 1853, für die er 75.000 Euro erwartet. Der französische Starfotograf Gustave Le Gray ist an mehreren Ständen mit verschiedenen Motiven zu finden. Etwa bei Robert Hershkowitz (Lindfield/London), der „Die französische Flotte in Cherbourg“ von 1858 für 60.000 Euro offeriert.

Paris im Fotofieber

Das Gleichgewicht zwischen der historischen, modernen und zeitgenössischen Fotografie ist in diesem Jahr gut austariert. Die Fotografin und Filmemacherin Shirin Neshat wird im Gebäude des verstorbenen Modeschöpfers Azzedine Alaia mit Farbfotos und zwei Videoarbeiten „Looking for Oum Kulthum“ gezeigt. Neshat lässt die in den nordafrikanischen Ländern quasi vergötterte Sängerin Oum Kulthum wieder aufleben und zeigt ihr enthusiastisches Publikum. Alaia war seit seiner Kindheit ein Fan der ägyptischen Sängerin.

Das Carrousel du Louvre ist Schauplatz der Messe „Fotofever“; es gibt das Festival „Photo Saint-Germain“ und in rund 20 Museen Sonderausstellungen. Christie’s setzte bereits am 5. November 2,8 Millionen Euro mit einer risikolosen Auswahl um. Am 8. November versteigern dann Ader-Nordmann & Dominique und Sotheby’s..

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