Messe: Seoul: Keine Steuer auf Kunstankäufe
Die Kunstmesse "Frieze" in Seoul zieht ein junges Publikum mit junger Kunst an. Quelle: Frieze 2022
Foto: HandelsblattLondon. In Europa kündigt sich die Herbstsaison vor allem mit Galerieneröffnungen an. Die großen Messen für zeitgenössische Kunst, etwa „Frieze“ in London und „Paris + par Art Basel“ in Paris, stehen erst im Oktober an. In den USA und Asien hingegen beginnt schon der September mit zwei Messen, die gleichzeitig an den Start gehen.
In New York spricht das breite Programm der „Armory Show“ vor allem amerikanische Kunden an. Sie wurde gerade erst von Endeavour, der Muttergesellschaft der Frieze Messen, aufgekauft. Von 6. bis 9. September geht auch „Frieze Seoul“ zum zweiten Mal an den Start. Die Messe war erst im letzten Jahr in Partnerschaft mit der alteingesessenen koreanischen Messe „Kiaf“ ins Leben gerufen worden.
War das Gesamtergebnis der Eröffnungsmesse zwar nicht eindeutig positiv – einige Galerien verkauften wohl gar nichts - reicht der anhaltende Rummel um Südkoreas Attraktivität doch, um Aussteller anzuziehen.
Südkorea hat einen etablierten Kunstmarkt, in den sich nun auch internationale Galerien aktiv einbringen. Neben den etablierten koreanischen Galerien wie Kukje, Hyundai und Hakgojae haben Megagalerien wie Pace, Lehmann Maupin, Thaddaeus Ropac und nun auch White Cube in Seoul eröffnet.
Seoul ist als Stadt interessant, da sich hier internationales Flair – gute Museen, Restaurants und Hotels - mit Steuervorzügen ähnlich wie in Hongkong verknüpfen. Es gibt keine Steuer auf Kunstankäufe. Trotz der gut angekommenen „Art Basel Hongkong“ ist der langfristige Standort Hongkongs – aus politischen und ökonomischen Gründen – nicht gewährleistet.
Entscheidend für den Erfolg der Messe ist, dass es in Seoul bereits Museen und Galerien gibt, in denen Sammlerinnen und Sammler Inspiration finden. Quelle: Frieze 2022
Foto: HandelsblattSingapur hingegen steht mit der eben falls neuen Messe „Art SG“ gleichfalls in den Startlöchern um die Führungsposition in Asien. Singapur ist für viele Beobachter noch nicht reif genug, was das Interesse an Kunst betrifft. Südkorea hingegen kann seit Jahrzehnten auf angesehene Künstlerinnen, Galeristen und Museen zurückgreifen und will sich die Gelegenheit, endlich auch international von sich Reden zu machen, nicht entgehen lassen.
Mit 120 Galerien ist Frieze Seoul dieses Jahr um zehn Galerien gewachsen. Sie findet im zentralen Messezentrum im Stadtteil Gangnam statt. Der Schwerpunkt der Teilnehmer liegt logischer Weise auf Asien. Etablierte koreanischen Galerien sind ebenso vertreten wie jüngere wie zum Beispiel Gallery Baton oder Jason Haam.
Junge Künstler für junges Publikum
„Seoul ist voller Begeisterung und Vorfreude. Eine Reihe wichtiger Sammler und Institutionen aus der ganzen Welt werden nach Seoul kommen,“ sagte Haam dem Handelsblatt. „Es ist wichtig, dass wir der Welt die lokale Kunstszene im besten Licht präsentieren. Wir setzen alles auf diese Woche und zeigen neue Bilder der jungen Koreanerin Moka Lee.“
Daneben kommen allein zehn Galerien aus Japan: zum Beispiel Taka Ishii, Taro Naro und Take Ninagawa. Aus China reisen Gallery Vacency und Antenna Space an, und aus Hongkong kommt zum Beispiel Empty Gallery. Daran sieht man die Bedeutung der Messe für die weitere Region.
Die Galerie White Noise bringt ein Kunstwerk mit, das Bewegung von Pferd und Reiterin fragmentiert. Quelle: White Noise
Foto: HandelsblattEin kleiner Ableger der „Frieze Masters“ mit nur 20 Galerien soll das Angebot ebenso erweitern wie eine junge „Focus Asien“-Sektion. Die Teilnahme der etablierten Dubai Galerie Lawrie Shabibi mit der bekannten kuwaitisch-amerikanischen Künstlerin Hamra Abbas verwundert allerdings. Doch ein Fokus bildet sich erst durch den Kontrast zu anderen Handschriften.
Starke US-Präsenz
Trotz des Asien-Schwerpunktes kommen immerhin 22 Galerien aus den USA. Die Pace Gallery etwa stellt sich auf der Frieze Seoul als Nachlassverwalterin von Lawrence Weiner in Asien vor. Zeitgleich hat der Konzept-Künstler eine Einzelausstellung im Amore Pacific Museum, ein Privatmuseum der gleichnamigen koreanischen Kosmetikfirma.
Eine andere internationale Großgalerie in Seoul ist Lehmann Maupin. Deren leitende Direktorin, Emma Son, betont: „In den letzten Jahren sind, trotz einiger Marktkorrekturen, der koreanische Kunstmarkt und die Sammlerschaft stark gewachsen. Das beinhaltet vor allem auch jüngere Sammler. Daher mischen wir internationale und auch lokale Künstler in unserem Programm.“
Sammler aus ganz Asien anziehen
Die Messe selbst legt sich ins Zeug, um nicht als internationaler Fremdkörper wahrgenommen zu werden. Gespräche und Konferenzen, Filmvorführungen, ein Musikprogramm und Ausstellungen in der Stadt und viele weitere Veranstaltungen werden in Zusammenhang mit den Kulturbehörden angeboten.
Die etablierte Galerie Lawrie Shabibi aus Dubai lenkt den Blick auf das Azuritblau im Werk der kuwaitisch-amerikanischen Künstlerin. Quelle: Lawrie Shabibi
Foto: HandelsblattFrieze Seoul will zeigen, wie stark das lokale Umfeld ist. Damit sollen sicher koreanische Sammlerinnen angelockt werden, aber auch internationalen Besucher. Vor allem Asiaten soll das Angebot in der Stadt schmackhaft gemacht werden.
Die Frieze-Woche in Seoul imitiert dabei die altbewährte Frieze-Woche in London im Oktober. Allerdings kann man nur hoffen, dass in diesem Jahr die Transportmöglichkeiten in der Stadt verbessert sind. 2022 Jahr waren viele Besucher schon gestrandet, wenn sie nur von einer Veranstaltung zur anderen gehen wollten.
Frieze Seoul in COEX Seoul: 6. bis 9. September 2023
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